Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1793467
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Schotthauer , 
Joseph. 
schen Methoden von Montabert undFernbacli, wovon sich beson. 
ders die Encaustik des letzteren im Saalbaue der Residenz zu 
München auf merkwürdige Weise erwiesen hat"). Daneben mach; 
sich jetzt Sclilotthauer's Technik geltend, doch keineswegs gegen 
frühere Versuche ankämpfend oder deren Resultate W'Cl'l'llCl1iBnd_ 
Die Fi-eseomalerei sollte fiigsamer, für alle Fälle ausreichend wer- 
den, möglichster Weise vor elementarer Zerstörung gesichert seyn_ 
Dieser Wunsch wurde in allen laut, welche die verschiedenen 
Wandmalereien entstehen sahen, welche in München die neu ep- 
wachte historische, zumal religiöse Iiunst zur Aufgabe hatte. Die 
Künstler fühlten den Mangel der gegebenen Mittel schwer, und 
wiornehmlich war es Schlotthauer, der von dem Streben beseelt; 
war, den Anforderungen eines naturgemiissern und Wirkungswei- 
chern Colorits zu entsprechen, und eine unserin Clima mehr zu- 
sagende Technik einzuführen. Zur Erreichung dieses Zweckes bot 
jetzt die Wissenschaft die Hand. Oberbergrath Fuchs thcilte dem 
Künstler die von ihm gemachte Erfindung mit. und forderte ihn 
auf, da Schlotthaner schon früher auf Verbesserung der Fresco- 
rnalerei bedacht war, sich mit ihm zu verbinden, und die gedachte 
Erfindung in der Malerei anzuwenden und auszuführen. Er hatte 
ja auch schon in seiner gedruckten Abhandlung _uber das Kiesel- 
Iiali oder Wasserglas die Malerei darauf hingewiesen: Von nun 
an grillen die beiderseitigen, theils mehr wissenschaftlichen, tlieils 
 mehr technischen und praktischen Kenntnisse nnd Ertahrungan 
wirksam in einander ein, und zuletzt gelangte man zu Ergebnis- 
sen, die mehr noch gewährten, als man anfangs erstrebt hatte, da 
das gewonnene neue Verfahren sich nicht nur fur Wandmalereien, 
sondern auch zu Stalieleibildern auf Leinwand geeignet zeigte. 
Ueber das Verfahren enthält der genannte Bericht nur Allge- 
meines, da, wie gesagt, diese Technik noch geheim gehalten wird, 
So viel wissen wir aber, dass nur durch die Vereinigung dieser 
zwei in Wissenschaft und Iiunst erfahrnen Männer ein Resultat 
erzielt werden konnte, zu welchem weder der eine noch der an- 
dere für sich allein gelangt wäre. Gemalt wird mit eigens zu dem 
Zwecke auf chemischem Wege bereiteten Farben, und zwar auf 
einem in materieller Hinsicht verwandten Grunde, der in Gemäl- 
den auf Leinwand in einer leichten Bindung: womit selbige ge- 
sättiget wird, bei Wänden von Stein oder Mortel aus einem nur 
wenige Linien dicken Bewurf besteht, der mit der härtesten Stein- 
unterlage zu einer mechanisch völlig untrennbaren Masse sich ver- 
bindet. Das auf diesem Grunde stereochromatisch ausgeführte Ge- 
mälde wird nach seiner Vollendung auf eine ganz eigenthümliehe 
Weise befestiget, dergestalt dass, nachdem diess geschehen, Farben, 
Grund und Stein ein innigst zusammenhängendes Ganze ausmachen, 
Es bildet sich mithin hier nicht wie beim Fresco und selbst wie bei 
der Enkaustik eine besondere, leicht ablösbare Farbcnschicht; viel- 
mehr werden die Farben mittelst des auch sie durchdringenden Bin- 
dungstolles mit in die allgemeine Erstarrung, man darf sagen, Ver- 
steinerung, hineingezogen. In dieser innigen Verschmelzung mit dem 
Grunde sind die Farben im Stande, selbst ziemlich gewaltsamen me. 
chemischen Berührungen Widerstand zu leisten. Man kann mitschar- 
fen und spitzigen Instrumenten über das Gemälde fahren und rnig 
Hämmern daran schlagen, ohne die Farben zu verletzen oder abzu- 
lösen. (Nur versteht sich von selbst, dass diese mechanische Be- 
 Beide Verfahrungsarten sind durch die Schriften 
bekannt, jene Fernbachk erst seit 1846-  
der 
Erfinder
        

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