Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1793152
Schinkel , 
Carl 
Friedrich , 
253 
seums auszuführenden Wandmalereien ein: Arbeiten von einer so 
eigenihiiinlichen Vollendung, in Bezug auf die äussere Darstellung 
wie auf die Durchbildung des ihnen zu Grunde liegenden Gedan- 
kens, dass ihnen die entscheidenste Anerkennung im weitesten 
Iireise zu Theil geworden ist. Im gewissen Sinne als Vorberei- 
tungen zu diesen Bildern glaubt Iiugler einige andere bezeich- 
nen zu dürfen, namentlich ein grosses kraftvolles Oelgemiilde vom 
Jahre 1827, welches. inmitten eines dichten südlichen Haines, eine 
idyllische Scene zwischen einem Mädchen und einen Knaben dar- 
stellt, ein Bild, in dem das edelste Formenstudium hervortritt. Zu 
nächst gleichzeitig mit diesem Gemälde (oder zunächst vorher) war 
Schinlsel mit ausgedehnten historischen Compositionen beschäftiget, 
welche den Ereignissen der Freiheitskriege gewidmet seyn sollten, 
Er hatte die Absicht, diese Compositionen ganz ideal (im Sinne 
der klassischen Kunst) zu halten, alles sollte wegfallen, was an die 
Zufälligkeiten der heutigen Existenz erinnert (namentlich die Be- 
schränkung des Costüms), nur das allgemein Menschliche in ih- 
nen hervortreten; dabei aber das aufgenommen werden, was zur 
höheren Charakteristik, vielleicht in einer gewissen symbolischen 
Weise, nothivendig gewesen wäre. Indessen sind von diesem Un- 
ternehmen nur einige Theile zur Ausführung gekommen. 
Die für die Vorhallen des Museums bestimmten Malereien 
(in Oel) wurden 1828 begonnen, es verflossen aber Jahre, bis sie, 
nicht ohne Besieguug iuannigfacher Schwierigkeiten, in den Hal- 
len des Museums zur Ausführung kamen. Erst nach der Ankunft 
des berühmten P. von Cornelius iii Berlin gedieh der Plan zur 
Ausführung, und somit wurde erst im Oktubcr1844 die ersteHälfte 
vollendet und am Geburtstage des Iiönigs enthüllt. C. HIl-Iermanu 
hatte die Ausführung übernommen. Den Inhalt dieser Bilder be- 
zeichnet liugler in seiner Charakteristik SchinkeYs. Sie zer. 
fallen der Räumlichkeit gemäss in zwei (Zyklen, und der bedeu- 
tendere (zuerst vollendet) ist derjenige, welcher die Wände der 
grossen Halle schmuckt. Der andere ist für die_Halle über der 
Treppe bestimmt. SchinkePs Malereien stellen die Entwicklungs- 
moinente der Cultur,  der harmonischen Gestaltung des Lebens 
in seiner Erscheinung, so fern dieselbe aus dem Geiste der Schön- 
heit hervorgeht, dar. Sie bezeichnen somit den Zweck jenes Ge- 
bäudes in seiner erhaliensten Bedeutung, indem dasselbe vor allem 
bestimmt ist, durch die Monumente, welche es bewahrt, die unmit- 
telbaren Zeugnisse eben desselben Entwicklungsganges der mensch. 
liehen Cultur vor die Augen des Beschauers zu führen. Diese 
Monumente aber sind nur einzelne Bruchstücke, ihre Entstehung 
war durch unendliche iiussere Verhältnisse bedingt: den Zusam- 
menhang im Grossen und Ganzen zu fassen und frei zu veran- 
schaulichen, sollten eben jene Malereien am Aeusseren des Gebäu- 
des dienen. Sie sind also dein Begriffe nach, ganz allgemein ge- 
halten, in einer durchaus idealen Weise behandelt; sie gehen auf 
die einzelnen Momente der Geschichte oder Tradition, die eben 
den Blick wieder anf die äusseren zufälligen Verhältnisse des Le- 
IJEIIS illllreft würden, auf keine Weise näher ein. Ihre Gestalten 
habe" _"l11'_m sich selbst und in ihrem Zusammenhangs, nur als 
Personificationen allgemeiner Ideen, ihre Bedeutung. Aber es 
sind nicht die Erfindungen einer nüchternen Abstraction; es sind 
lebendige Gedanken, die sich in ihnen verkörpert haben; in freier 
Individualität. in_ naiver Aeusserung des Lebens reihen sich diese 
Gestalten harmonisch in einander. Einige von ihnen gehören der 
Ansehauiingsweise des griechischen Alterthums an; aber auch an 
diesen ist eben nur Jene allgemeinere Bedeutung, niChlS dagegen
        

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