Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1793028
m 
Schinkel , 
Carl 
Friedrich . 
die Afchitehtenßerlins errichteten ihm auf seinem Grabe ein M0- 
nument, wozu eine Zeichnung SehinhePs benutzt wurde, welche 
dieser für einen seiner hohen Gönner entworfen halle. Eine aus 
Monolithen von Granit erbaute Gruft enthält seine irdischen Uebep- 
teste, und der Mnnulith, der sie bedeckt, ist mit seinem Namen 
bezeichnet. Das Monument selbst besteht aus einer Steh: vun Um- 
nie mit einer Krönung von Brunzc.  
künstlerische 
SchinlsePs 
im 
Richtung 
Allgemeinen. 
Diese ist mit Entschiedenheit als eine classische zu bezeichnen. 
Am unmittelbarsten ergibt sich diess aus der Betrachtung seiner 
architektonischen Werke, in denen vorherrschend die Formen (lu- 
antiken Baukunst die Grundlage bilden, und zwar in einer Weise, 
welche durchweg auf die edelste Blüthezeit dieser Iiunst,_.auf' die 
griechischen Werke aus dem Zeitalter des Perikles, zuruckgelm 
Schinkel hat uns den reinenStyl dieser Werke, den lebensvollen 
Organismus ihrer Bildung, die befriedigende Harmonie ihrer Cum- 
pusition auf's Neue zur Anschauung gebracht. Aber er steht nicht 
unter der Bothinässigkeit seiner Vorbilder. Ohne zwar die liinzel. 
liciten der griechischen Architektur ivillkiihrliclz zu zerstuckcln. 
ohne den inneren Zusammenhang, durch den sie bedingt wird, 
aufzulösen, weiss er ilire Formen nicht nur dem jedesuialigen äub 
seren Bedürfnissen, wo ein solches gebieterisch bestimmend gegen- 
übersteht, mit Geschmack anzupassen, weiss er iiberhaupt nicht 
nur ihr gegenseitiges Verhiiltniss zu dem beabsichtigten Eindrucke 
auf den Sinn des Beschauers, nach dieser oder jener Richtung hin 
mannigfach zu modificiren; auch in ganz neuer und eigenthüinli. 
eher Zusammenstellung liihrt er uns diese Formen vor, ganz neue 
und eigenthiiinliclie Conipositionen lässt er aus dem inneren Gel. 
ste der antiken Iiunst sich mit vollkommener Freiheit entwickeln, 
Diess ist ein Punkt. der hier zunächst mit Nachdruck hervor- 
zuheben seyn dürfte. Die Aufnahme der antiken Formen fiir die 
Zwecke unserer heutigen Architektur wird gßwöhllllch mit dem 
bequemen Worte nder Nachahmung: abgefunden, und allerdings, 
wenn man im Volksgarten zu Wien einen Theseustempel. in L0". 
dou ein Erechtheum (als St. Paneratiuskirebel erbaut, so ist da; 
eben nichts weiter als Nachahmung. und_es kann eine solche Cn. 
pie im besten Falle nur das Verdienst einer geschickten Nachah- 
mung haben. Wesentlich verschieden abcr_ist es schon. wenn man 
ein Gebäude, dessen Fagade etwa _durch eine griechische Säulen- 
halle gebildet wird, ohne ein bestimmtes Vorbild fur letztere auf. 
führte. Denn wo es die Absicht ist, eine Architektur aus Säulen 
und horizontaler Decke zu bilden, da tritt uns iiberall die grie- 
chische liunst in einer Vollendung, in einer fast naturnothivenrli- 
gen innerlichen Gunsequenz entgegen, flaSS nur für Seltene, ganz 
vereinzelte Fälle abweichende Gombinationen der Architekturtheile 
denkbar seyn dürften;  da werden Somit die griechischen For- 
men, weniger als Vorbilder, vielmehr nur als Mittel der architek- 
tonischen Darstellung betrachtet werden müssen. Wie diese For. 
men aber sowohl in ihrem gegenseitigen Verhältniss als in den 
besonderen Eigenthiimlichkeitizn ihrer Bildung die mannigfaqh. 
sten feineren Unterschiede gestatten, wie die für architektonischen 
Schmuck bestimmten Theile in den wecliselnsten Gestaltungen aus- 
zuführen sind, braucht hier nicht weiter dargelegt zu werden; ge. 
i-ade aber darin, wie der Architekt diese gegebenen, diese fast in. 
gug-nothivendigen Formen für seine Zwecke verbindet, zeigt sich 
seine selbstständige künstlerische Bedeutung.
        

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