Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1792691
Schiavone , 
Andrea. 
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ergründen, und er bedauerte, dass Medola nicht besser zu zeichnen 
verstehe. Auch Agostino Carracci erkannte die Verdienste Sehia- 
Vone's, und tadelte namentlich den Machtsprueh Vasari's, welcher 
sagte, dass dem Slaven nur durch Misslingen bisweilen etwas ge- 
lungen wäre (solo per disgrazia [atta qualche opera buona). Dieses 
Urtheil ist jedenfalls ungerecht; denn Schiavone ist einer der vor- 
ziiglichsten Nachfolger des Titian, in dessen besten Werken sich 
die Vorzüge desselben und Giorgiouds vereinigen. Selbst in sei- 
nen fliichtigeren, weniger studirten Arbeiten. in schlecht bezahlten 
Brodbilderxi, offenharet sich ein grosses Malertalent, welches nur 
nicht in gleicher Vollkommenheit in der Zeichnung erscheint. Er 
hatte die Gabe der Composition. Sinn für Schönheit und Grazie, 
so dass er in weiblichen Charakteren öfter unübertroffen erscheint. 
Es iinden sich von ihm Köpfe von schönen Frauen und Greisen, 
die ein Titian nicht besser malen konnte. Seine Leichtigkeit ist 
erstaunungswiirdig. 
Und bei allen diesen Verdiensten lebte der Künstler in Ar- 
muth. Seine Freunde liessen ihn 1582 auf ihre liosten beerdigen 
und setzten dem Armen in St. Luca ein Denkmal. Erst nach seinem 
Tode wurde seine Kunst erkannt, und man nahm seine Bilder von 
Iiiisten und Stühlen weg, um sie in GMlerien aufzubewahren. Jetzt 
erst fand man es der Miihe werth, sie in Iiirchen aufzusuchen. In 
der St. Markuskirche zu Venedig" ist sein Ilauptwerk die Begeben- 
heit des Fischzuges. Zu seinen schönsten Bildern gehört auch die 
Geburt Christi und die Himmelfahrt Mariii, zwei Staffeleigemälde 
welche Schiavone für die Theatiner in Ilimini malte. Auch in Pal- 
lästen zu Venedig sind noch viele Bilder von Medola, so wie 
in ausgezeichneten Gallerien des Auslandes. In der k. Gallerie zu 
Berlin sieht man das eigenhändige Bildniss des Meisters, ausset- 
dem kein anderes Werk. Reich an Werken desselben ist aber be- 
sonders das Belvedere in Wien. Da sieht man ebenfalls Schiavo- 
pc's Bildniss, aber in höherem Alter, schon mit grauemßarte; die 
Anbetung der Hirten, in kleinen Figuren; die heil. Familie mit 
St. Catharina in einer Landschaft, g Lebensgrösse; Apollo mit 
Daphne; eine allegorisclie Figur mit der Bassgeige, beide kleine 
Bilder; Venus undAmor, nicht einen Schuh hoch; Christus gebun- 
den vor dem hohen Priester, halbe Figur in Lebensgrösse; Curius 
Dentatus am Heerde weiset die Samniter zurück. In der k. Pi- 
nakothek zu München ist vorläufig kein Gemälde dieses Meisters. 
In der Gallerie zu Dresden sieht man eine heil. Familie mit Mag- 
dalena und einem Engel, kleine Figuren, und ein lebensgrosses 
Hniestiick, den Heiland von Joseph von Ariniathea und einem En- 
gel gehalten. In der Gallerie des Louvre zu Paris ist die Büste 
es Täufers Johannes. In der Gallerie des Iiensington-Pallastes zu 
London sieht man das Urtheil des Midas. Das Bild der Gallerie 
Orleans, welches Christus vor Pilatus vorstellt, ist ebenfalls in 
England.  
Als Ergänzung mögen hier einige der besten nach ihm gesto- 
chenen Bliitter gelten, wobei jedoch zu bemerken ist, dass im All- 
gemeinen In dieser Hinsicht wenig Vorziigliches sich findet. 
Der Tod Abels. Gest. von F. A. Lorenzini. 
BDie Anbetung der Hirten, in der Wiener Gallerie, gest. von 
. ee. 
Q Die Beschneidung. Gest. von Valk. 
Heil. Fßllllllß mit den beiden sich küssenden Kindern; Wißllßl 
Gallerie. Gest. von C. Lauwers. 
Heil. Familie mit der das Iiind kiissendeu Elisabeth; Wiener 
Gallone, Gest. von Lisebetius.
        

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