Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1792276
Schelfer , 
Henry. 
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gleicher Meisterschaft. Im Kunstblatte 1840 heirst es. dass seine 
Portraite. immer von treuer und sehr delikater Ausfiihrun , öfter 
kalt und geleckt erscheinen. Er besitzt auch nicht hinäünglich 
liraft und Energie zum Historienrnaler. Dagegen ist er nach der 
Angabe im genannten liunstjournale in Scenen aus dem Familien- 
leben, in denen überall seine protestantische Gemüthsriclttung her- 
vurtritt, in seinem eigenthütnlichen Elemente. Er bewegt sich dar-- 
rin mit ungemein mehr Leichtigkeit und Talent, obgleich er 
auch im historischen Fache Vorzügliches zu leisten im Staude ist. 
Es herrscht in diesen Bildern, wenn auch nicht immer ein sehr 
tiefer, doch meistens ein eigenthümlicher Geist, eine treue, schlichte 
Auffassung, eine klare, aber wie gewöhnlich kalte Färbung, und 
ein sehr sauberer Vortrag. H. Schelfer ist seit 1821i ein bewunder- 
ter Künstler. Seine ersten Werke gehören dem Gebiete der Hi- 
storie an, und dann lieferte er einige Genrebilder, welche du-ch 
die Gesellschaft der Eiunslfreuude in verschiedene Hände übe: .n- 
gen. Die Zahl seiner kleineren Genrehilder ist ziemlich bedeu- 
tend. Der Künstler ist darin mit D. Wilkie zu vergleichen. Von 
seinen früheren Darstellungen anderer Art ist die Verhaftung der 
Charlottc Corday nach der Ermordung Marafs die bekannteste, 
und seit 1830 neben einer Ueberschwenxrnungsscene in der Galle- 
rie des Luxcrnbourg zu sehen. Dass Scheffer auch als Historiker 
Bedeutendes zu leisten vermiige, beweiset seine Schlacht bei Cas- 
sel, ein schreckliches Handgemenge. wo geharnischte Bitter auf 
gepanzerten Pferden schlecht bewaffnete Bauern vernichten. Es 
fielen damals 16000 Holländer. Dieses bis in die geringsten Ein- 
zelnheiten fleissig ausgeführte Bild voll Leben und Bewegung sieht 
man seit 1857 im historischen Museum zu Versailles. Hierauf malte 
er die protestantische Predigt nach der Zurücknahme des Ediktes 
von Nantes, ein Werk, welches ihm eine ehrenvolle Stelle neben 
den ersten französischen Malern sichert. Weniger gefiel 1842 sein 
Christus bei Martha und Maria, ein Gemälde, das unter den re- 
ligiösen Darstellungen der modernen Schule keine hohe Stelle ein- 
nimmt. Dagegen fand auf demselben Salon ein Genrebild nach 
Güthe's Hermann und Dorothea viele Verehrer. Dieses figurenrei- 
ehe Bild mit den mannigfaltigsten, theilweise glücklichen Motiven, 
sehr sorgfältig gezeichnet, fleissig aber in einem sehr kalten Tone 
durchgeführt, gibt die Scene, wie Dorothea lt] der Scheune von 
der Wöchnerin, deren geretteten Kindern und den übrigen Ver- 
triebenen Abschied nimmt. 
Unter Scheffefs Bildnissen wurde 1857 besonders jenes des be- 
rühmten Physikers Arago gerühmt, als ein Werk, welches allen 
Anforderungen körperlicher und geistiger Aehnlichkeit genügt, als 
Bild der unergründlichen Thätigkcit eines Forschergeistes. Von 
grosser Schönheit ist auch das Portrait von  de Belleyme, wie 
gewöhnlich mit grosser Feinheit behandelt. Die von diesem Mei- 
ster ausgeführten Bildnisse sind ziemlich zahlreich, aber nicht alle 
bekannt und gleich merkwürdig. Im historischen Museum zu Ver- 
sailles sind von ihm die Bildnisse des Claude de Beauvoir (gest. 
1452), des Amaury de Montfort (gest. 1241), des Blaise de Mon- 
tcsqurou Montluc (gest. 1577). des Jean du Caylar, Marquis de 
Toiraä (gßst. 1650). Henry Scheffer wurde 1857 Ritter der Ehren- 
le ion. 
g Einige seiner Werke sind auch im Stiche bekannt. Die Schlacht 
von Cassel ist von Pigeot sen. für Gavards Gal. hist. de Versailles 
in Stahl gestochen, und in diesem Werke erscheinen auch die zu- 
letzt genannten historischen Bildnisse in Abbildung. Sein beriilun. 
tes Gemälde der Charlottc Corday stach Sixteniers in Aquatinta.
        

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