Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1792252
Schaff er , 
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nen alten Steuermann die Last der Jahre zu linden, und der arino 
Bauer erscheint mit dem Spaten. lui Elinterggruiirle kommt zögernd 
der Selbstmörder heran, und nur der Ungliiclsliche mit Lorbeer- 
heliräiiztcriischeitcl denkt abgewendet von dein Heilande iiber den 
Uiidank der Menschen nach  Torquato Tasso. In Mitte dieser 
Leitlciisgruppe sitzt Christus, voll himmlischer Milde in seinen 
Ziigen. voll lVIitlcidc-n und lierzensgiite. Seine verwundeten Hände, 
seine mit Blut bespritzteri [ileidcr verkünden ebenfalls die Schmach 
und Barbarei der Menschen. Dieses Bild ist grossartig gedacht, 
aber auch die Ausliihriingdiliel) keineswegs hinter dem Gedanken 
zurück. Es ist darin die Zeichnung reiner, die Uinrissesind genauer. 
als in früheren Gemälden, der Fleiss geht bis in das Detail, aber 
iiber diesem Streben nach Vollendung und Wahrheit ging keines- 
wegs an liraft, Grazie, Ausdruck und Originalität verloren. Ge- 
danke und Technik haben vollkniiiiiuzne Schönheiten aufzuweisen. 
Irn liunstblattc 1857 S. 165 heist es, dass man in den neuren 
Iiuustausstellungen nicht leicht eine besser disponirte Scene. und 
einen so schönen Christus finde. Was ist ergreifender. heisst es 
weiter, als die Mutter mit dem Rinde, was riihrendcr als das Pro- 
{il der lVIatrone, was ausdrucksvollcr als der junge Pole und das 
junge Mädchen? Alles dieses ist nicht bloss tein. sondern es ist 
tief gedacht, ja es ist eiiie poetisch und philosophisch wahre Ant'- 
fassuiig. Nlaii bezeichnete dieses in seiner Symbolik su sprechende, 
in allen 'l'heilen so vollkommene Bild als das Hauptwerk des Sa- 
lang von 1337 und als dasjenige, welches eine neue Epoche reli- 
giöser. symbolischer Malerei bezeichnet. Es stclit weit iihcr einem 
zweiten Hilde desselben Salons, in welchem Schelfur den Gaston 
de Foix von liavc-iina vorgestellt halte. Zwei Genrebililer. die 
lilage der Jungfrau nach Schiller, iiiid das Gebet der Huhel nach 
 Quinefs Ahasveriis, zeichnen sich aber durch hohes poetische: 
Gieliihl aus. Au diese Werke reiht sich ilanii ein Schlachtbiltl, wel- 
ches ebenfalls 1357 zur Ausstellung kiiiii. Diese Schlacht besteht 
fast nur aus einer einzigen. aber prächtigen Figur. Der Franken- 
küuig Clodtvig sieht bei Tolbiac sein Heer weichen, und gelobt 
in der Verzweiflung dem Iliiiiiiiel ein Christ zinwerden, wenn er 
ihiii den Sieg verleihen wolle. Der Fraiikeiikönig. das Pferd. sein 
von einer Lanze durchbohrter Reiter, alles das bildet eine (iruplie 
voll wilder Energie und von grusser Wirkung, aber es ist kein 
Schlachtbild, Der Berichtgehcr im liuiistblutte des genannten Jah- 
res meim daher, das Gemälde wurde ganz vollkommen seyn. wenn 
es den 'l'itel triige: lieilcrlmrtralt (Iliidiwijs in der Schlacht bei 
'l'obliacum iiii J. .196. Dieses Bild ist iiii historischen Museum zu 
Versailles. wo man auch seine Schlacht bei Ziilpich sieht. so wie 
Carl den Grusseii, wie er sich zu Paderborn von Wittekind hul- 
digen lässt.  
Im Jahre 1859 sah man auf dem Pariser Salon zwei schöne und 
siunige Bilder, welche den Beschauer in eine schwärmerische Stim- 
mung versetzen. Es sind diess zwei Darstellungen der [Yligiizun 
nach Gotha, die eine in Sehnsucht nach dem Vaterlaiide, die an- 
dere iiiit nach dein Ilimincl gcriclitetem Sinne. Diese beiden Ge- 
miildß liüllwti in dcii liesitz des Herzogs von Orleans, und dieser 
legirte sie dem Grafen Mole. Griissei- als diese Bilder ist ein Ge- 
inalde niit Piaust und Gretchen, im Besitze des Pnirs Pntiirle. Auch 
dieses durch Tiefe des Getlaiikens. Schiinhcit der Form und durch 
meisterhafte Behandlung ausgezeichnete Bilil wurde 1839 dem Pu- 
blikum vorgestellt. Ein anderes, in derselben [mit entstandenes 
Bild stellt den liiiltig von Thule dar, in dessen Zügßß SiCh unsag- 
lichc Trauer ausspricht. Die Hände, welche den Becher an die 
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