Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Santi, Antonio - Schoute, Jan
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1790505
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1792233
Scheffer, 
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ihren Kindern und einigen Freunden, die sie alle im hohen Grade 
verehrten. Im Jahre 135g theihen die edlen Hinterlasenen den 
Schmerz um den Tod der Mutter und Freundin. 
Scheller, APy, Historien- und Genremaler, geb. zu Rotterdam 
1'595, äusserte schon in den liinderjahren eine so entschiedene 
Neigung zur Kunst, dass seine Eltern, der oben erwähnte Job. 
Baptist Scheder von Mannheim, und seine hochgebildete Mutter, 
die Malerin C. Scheifer-Lamme, dieses seltene Talent mit aller 
Sorgfalt pflegten. Ary wetteiferte daher schon als Knabe von 
12 Jahren mit den besten liiinstlern seiner Vaterstadt, und damit 
dem vielversprechendcnSohne durchaus kein Mittel fehlte, be ab 
sich die iVIutter nach dem 180g erfolgten Tod des Vaters nach d'a- 
ris, wo sie, wie oben im Artikel desselben gesagt, einzig und al- 
 lein der Erziehung ihrer Kinder lebte, und desswegen nur einen 
ltleinen Hreis gebildeter Freunde um sich zog. Die Früchte, die 
sie durch ihre sorgfältige Erziehung erndtete, sind auch wirklich 
vom edelsten Gehalt, Ergüsse des reinsten Gemiithes. Ary und Henry 
Scheffer sind die geliebten Söhne, die auch als Männer noch mit 
kindlicher Pietät der Mutter anhingen. 
Ary Schelfer erschien schon 1812 mit Werken auf der Kunst- 
ausstellung zu Paris, und von Jahr zu Jahr betrachtete man seine 
Bilder als Glanzpunhte des Salons. In dem genannten Jahre sah 
man das Gemälde mit Thirza und Abel, wie sie vor ihrer Hiitte dem 
Herrn Lob singen. In der friihern Zeit widmete sich Scheffer aus- 
ßchliesslich der Historienmalerei, und in diesem Vorsatze bestärkte 
auch die öffentliche Aufmunterung, nicht allein zu Paris, sondern ihn 
auch im Vaterlande. Sein Bild der Engel bei Abraham erhielt bei 
der Amsterdamer Iiunstausstellung 1816 den Preis der Malerei. Im 
Jahre 1817 malte er den Tod des heil. Ludwig, im Jahre 1819 die 
"patriotische Aufopferung der sechs liiirger von Calais. und dann 
den Sokrates, wie er in der Schlacht bei Potidäa in Thrazien den 
Alcibiades vcrtheidiget. Dieses Gemälde fertigte er im Auftrage 
des königlichen Ministeriums, und bald darauf ermunterte ihn 
auch die Prefectur des Departement der Seine durch die Be- 
stellung eines Bildes. welches St. Ludwig vorstellt, wie er beim 
Besuche seiner pestlsranlten Soldaten selbst von der Pest befallen 
wird. Alle diese Bilder tragen ein strenges historisches Gepräge 
und sind bereits von solcher Gediegenheit der Darstellung, (llß 
' nur von einem so eminenter! Talente in der Folge noch überboten 
werden konnte. Jetzt erweiterte er den lireis seiner Wirksamkeit 
und zog auch das Genre in sein Gebiet; allein die Sphäre in der 
sich die beiden Scheffer bewegen, ist so edel und erhaben. die Be- 
wegungen des Gemiithes, welche sie darstellen, haben eine solche 
Wahrheit und Tiefe, der Eindruck, den ihre Werke in der Seele 
des Beschauers zurücklassen, bleibt so lebendig, dass sie jede Stufen- 
höhe in der liuust einnehmen können. Scheffer ist ein wahrer 
Historienmaler, denn er ergreift mit grosser Wahrheit Charaktere, 
Qhne die materielle Wahrheit zu verschmähen. 
An die eben genannten Werke reiht sich der Zeit nach die 
WVittvve des Soldaten mit ihren Waisen, ein Bild des wärmsten 
Gefühls, welches man auf der Ausstellung von 1822 sah, neben ei- 
nem grösseren Gemälde mit einer Darstellung aus Dante, wie die-  
sein und dem Virgil die Schatten der Francesca de Rimini und 
ihres Geliebten erscheinen. Im Jahre 182i malte er aus Auftrag 
des Ministeriums den Gaston de Foix, der nach dem Siege bei 
Ravenna tudt gefunden wird, eben so schön colorirt als meisterhaft 
behandelt, jetzt in der Gallcrie zu Versailles aufgestellt. Hierauf sah 
Naglefs IiürzslZer-Lem. Bd. XV. 11
        

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