Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1785494
Buysdael 
Buisdael , 
oder 
Jakob. 
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zeigen, sind sie dem Zahne der Zeit Preis gegeben, und selbst in 
seinen heiteren Landschaften erinnert eine Ruine oder ein morscher 
Baumstamm an die Vergänglichkeit des Irdischen. In den Bildern 
dieses grossen Meisters herrscht eine poetische Stimmung und ein 
tiefes Naturgefiihl, welches in dem Beschauer meist düster und 
melancholisch, aber immer sehr wohlthiitig anlslingt. Zu seinen 
l-lauptwerken- gehören die Bilder mit umwölkten Lüften, worin 
Iluysdael vor allen bewunderungswürdig erscheint. Dann kommen 
jene mit ruhigem und bewegtem Wasser und die Landschaften mit 
Biiumen im gesättigten und saftigen Grün, deren kuhle Harmonie 
den Beschauer zur träumerische Ruhe einladet. In seiner früheren 
Zeit herrscht in den Biiuxnen ein dunklerTon vor und die Ausfüh- 
rung ist fleissig, in einigen Theilen manchmal sogar trocken. Der 
dunkle Ton entstand in einigen Bildern auch durch Nachdunkeln. In 
den Werken seiner besten Zeit ist die Behandlung breit, aber doch 
meistens sorgfältig. Im Tone herrscht ungewöhnliche Kraft und 
Wlirme, und wenn dieser nicht durchaus klar erscheint, und ins 
Bräunliche geht, so gehört es nur zu den seltenen Ausnahmen. 
Eine ganz fleissigc, ins Detail gehende Ausführung darf man aber 
weder in I-luysdaeYs früheren, und noch weniger in dessen späteren 
VVerken suchen. Einzeln betrachtet erscheintdie Behandlung oft roh, 
liingeworfene Pinselstriche sollen bald Erd- bald Gras- bald Land- 
niassvn bezeichnen, die Wolken z. B. auf seinem berühmten Iiirch- 
hole in Dresden sind mit wilden Zügen und unverhültnissmiissiger 
Dunkelheit hingeworfen und als Itegenbogen muss man ein Paar 
gewaltige Bogenstriche gelten lassen; aber durch alles dieses, sagt 
Carus (Briefe über Landschaftsmalerei S. 101), leuchte eine Fülle 
von Naturwahrheit und Geist, der Becher schäume über, und es 
könne da 1m Allgemeinen nicht so genau genommen werden; kurz 
man fühle in echter Sprache der Natur das irmerste Empfinden ei- 
ner schönen und tüchtigen menschlichen Individualität.  Was 
sich in einzelnen Bildern Herrliches offenbaret, ersehen wir unten 
aus den Bemerkungen, welche Dr. Waagen (Kunstwerke etc. t  5 
B.) bei Aufzählung der Werke gibt, welche sich von diesem Meister 
in England und Frankreich finden. Ueber die Kunstwerke in Deutsch- 
land erschien 1845 der erste Theil, der uns allein zur Benülzung 
vorlag, Die Quellen in G. llathgebers Annalen der niederländi- 
schen liunst sind uns gemeinschaftlich." 
Die Anzahl der Werlie dieses Iiünstlers ist für dessen Verhältniss- 
massig kurze Lebenszeit, da er schon 1681 in Harlem starb, sehr be- 
deutend. Sie sind meistens in ständigen Gallerien vereiniget, aber, 
auch in Privatsamnilungen findet man hier und da noch ein treffli- 
ches Bild von Ruysclael. Auch an Copien berühmter Bilder fehlt es 
nicht, die theilweise selbst von berühmten Künstlern herrühren, 
gewöhnlich aus einer Zeit, in welcher sie die älteren Meister zu. 
ihrem Studium Copirten. Häufig ist dieses mit den Dresdner 
Bildern der 13'211]. 
In En glancl sind viele Gemälde von Buysdael, und darunter 
Meisterwerke ersten Ranges, von Waagen gewürdiget. In der 
Britsch Institution sah Waagen das Bild aus der Sammlung des H. 
Vvellä, welches wie wenige die eigenthümliche Gefühlsweise dieses 
lYleisters so ganz ausdrücken. Ein stilles, dunlslesWasser, auf dessen 
Oberfläche der Lotus in feuchter, lsiihler Frische gedeiht, wird von 
den mächtigen Biiunien eines Waldes beschattet. Auf der rechten 
Seite des Bildes sieht man in der Ferne einige Anhöhen. Das T8- 
igßeähcllt des nur leicht bewölkten Himmels vermag nicht in das 
lelmhclle Dlmkßl des YVassers mit seinen Bäumen einzudringen-
        

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