Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1785058
Bange , 
Otto 
PhilipP- 
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darin auch der Ideen- und Entwickelungsgnng des Meisters auf 
höchst belehrende Weise ausspricht. Seine Briefe liegeirim Dru- 
cke vor, wie wir unten zeigen. Bunge lebte bis Juni 1804 in 
Dresden auf das eifrigste mit seiner vollkommenen Ausbildung be. 
schäftiget. und führte im Verlaufe dieser Zeit viclc Zeichnungen 
und Gemiilde aus, die zahlreiche Bewunderer landen, und oft der 
Gegenstand öffentlicher Eriirlerung und liritilt wurden. Ein Glei- 
ches vertiiilt sich mit jenen Werl-ien. die er bis zum Juni 1806 in 
Hamburg schuf, darunter auch jene vier allegorischen Dar- 
stellungen der Jahreszeiten, welche Gegenstand mehrfacher Detl- 
tung geworden sind, und von Giithe als Labyrinth (lunhler Be- 
ziehungen erklärt wurden, vor welchem dem Beschauer durch das 
fast Unergriindliche des Sinnes gleichsam schwindelt. lNas der 
Iiiinstlerdamitbezwecken wollte, ist erst seit 18h klarer, durch die 
Ilerausgabe seiner hinterlassenen Schriften und Briefe, die zu Hain- 
burg bei Perthes in 2 Bünden erschienen. Aus seinen Briefen geht 
hervor, dass diese Bilder nicht Arahesken seyn sollten. in dem 
Verstande. wie man Bufaefs Phantasiehilder so zu benennen pflegt, 
mit welchen dieser seine historischen Bilder von den heiligen Ge- 
schichten umzogen, damit der Sinn unter der Betrachtung dieser 
ein Ausruhen und eine Erholung in jenen finden möge, ähnlich 
wie man sich nach tiefem Erwiigrn iibersinnlicher Dinge an den 
Werken der Schöpfung und dem Treiben der Welt zurErfrischung 
und Stärkung erlabt; ein Abwenden zwar, das, wenn man es zum 
z Hauptzweclte machen wollte, durch die Mannigfaltiglseit der Ge- 
genstätide in sinnverwirrende Endlosiglseit fiihren würde. Heraus- 
gcnounnen sollte vielmehr aus solcher Mannigfaltigkeit und End- 
losigkeit etwas werden, das sich alles in Einer Richtung auf einen 
bestimmten und festgehaltenen Zweck beziige. Sich zwar mit Ara- 
bcsken und Hieroglyphen, wie man es nennen mag, meistens auf 
einen lireis von liindern und Blumen in der Dnrstellungxheschrän- 
kend, wollte er das, was in dem unendlichen Leben der Natur 
sich auf ihre Offenbarung einer ewigen Schöpfung, ewigen Erlö- 
sung unrl Heiligung der Welt symbolisch beziehen lässt, also, was 
sich als Stoff an die Hand giibe für das Höchste und Grösste, her- 
ausgreifen, und allem Ausschweifen über die Griinze, welche solch 
ein ernster Zweck voraussetzt, durch eine strenge Begehniissiglteit, 
die sich freilich leichter fiihlen als beschreiben lässt, wahren. Der 
religiöse Sinn des Ganzen musste gebunden seyn an den eigen- 
thiimlichen Geist der christlichen Religion, die ihm wie Begeisterung 
so Stütze in dem Unternehmen gab. 
Das Verlangen nach einer näheren Deutung und Erklärung des 
Einzelnen in den vier Bildern. wie es die Natur des Allegorischen 
herbcifiihrt, war von ihrer Entstehung in allcn, die sie sahen, 
gross, und im Gefühl dieses Bedürfnisses gedachte er die Blätter 
bei ihrer Erscheinung mit einem poetischen Commentar zu beglei- 
ten, den er unter Beihiilfe von Tieck auszuarbeiten vorhatte. Die- 
ser Commentar erschien indessen nicht, allein er wurde häufig um 
Erklärung angegangen. besonders 1805, und er bricht dcr-svvegen 
in seinen Briefen in Klagen aus. Auch in Bezug auf die Färbung, 
die in jedem einzelnen der vier Bilder vorkommt, war manches 
räthselhaft, da die Farbe als Seele des Ganzen die vier Erschei- 
nungen des Tages in ihrem Dreiklange durchtiinen sollte. Allein 
so viel man auch daran gedeutet hat, so ist die Sache doch noch 
nicht ins Reine gekommen. In Rungüs hinterlassenen Schriftefl, 
Ü- 475. äibt der Bruder des Künstlers Andeutungen über die m 
diesen Bi dem festgehaltenen vier Momente: i) Tageszeiten, k!" 
durch die Anschauung; 2) Jahreszeiten, nur der Sommer deumch 
Nagleris Künstler-Lax. BdJCIV. 4 
        

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