Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1789001
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Santi 
(Sanziü) ß 
Rafael. 
nannte Schriftsteller gibt ebenfalls zu, dass Rafael durch jene frii- 
hereu Darstellungen der hhlungfrau zu sanften GefiihlenrlerAndacht 
und Verehrung stimme, es ist aber auf der anderen Seite nicht zu 
vergessen, dass BafaePs Himmelsltöniginncn uns der Erde entfüh- 
ren , scin Genius uns mit; sich in den reinen Acthcr göttlicher Ho- 
heit emporziehe. Passavant behauptet ferner, solche Vorzüge könne 
man auch im Allgemeinen in Hafachs historischen Darstellungen 
nachweisen; denn wenn der Iiiinstler in seinen römischen Bildern. 
selbst bei heiligen Gegenständen, dem übrigens in der vollendeten 
Iiunst unerlässlichen Moment des Sinnlichen eine besondere Ach- 
tung widmete, wie z. B. in der Gestalt der im Vordergrund lsnien- 
den Frau in der Transfiguration, so miisse man dagegen wieder 
eingestehen, dass, wie ergreifend dramatisch auch die Handlung, 
wie sprechend die edlen Charaktere gestellt, wie schiiil die Um- 
risse der Zeichnung in einigen seiner Florentiner Werke. z. B. die 
Grahlegung Christi im Pallast ßurghese, ausgeführt sind, wir in 
den Cartons zu den Tüpctctl aus der Apostelgcscltiirhte nicht nur 
dieselben Eigenschaften wiederfinden, sondern selbst noch einen 
viel höheren Grad der Whtllentluug gewahren; die Anordnung sei 
grussartigcr, die Charaktere seien sprechender, wahrer, umfassen- 
der, tiefer aus dem menschlichen Gemiithe geschöpft. Was aber 
die llrleistzirschaft im Praktischen anbelangt, so wird wohl jeder 
den von Rafael selbst ausgeführten letzten Werken den Vorrang 
vor den früheren zugestehen, und wir miissen daher mit Passavnnt 
vielmehr bcltexincn, (lass, was IlafaeYs jugendliches 'l'alent in zar- 
ten Anklängen ahnden liess, der gercitte liiinstler in männlichen, 
vollendetcren Accorden erreichte, Der Zauber einer schnsuchts- 
vollen Jugend war vorüber, aber in geläiuterter lilarhcit erstand 
der männliche Genius, dessen Geiniith sich in die tiefsten Geheim- 
nisse des menschlichen Herzens gesenkt hatte, dessen meisterliche 
Hand zur gediegensten Ausliihrung nur des VVillens bedurfte. 
Nachdem Rafael von dieser Welt geschieden virar, entstand 
zwar kein Genius mehr, der sich mit dem seinigen hätte messen 
dürfen; allein er hatte eine grosse  herangehiltlct, in 
welcher er fortwirlste, und in der einzelne seiner Richtungen sich 
verschiedenartig entfalteten. Die Verhältnisse hatten sich anders 
gestaltet, und besonders der Geist sich geändert. Rafael und die 
anderen grossen Meister enhviclaelten sieh in einer Zeit allgemei- 
ner-Begeisteruxig für das Grosse und Schöne, und bildeten auf 
bürgerlicher und hnndwerlasmi-issiger Grundlage ihr Talent zur Vir- 
tuosität aus, im kräftigen Selbstbewusstseyn nur dem Gesetze folgend, 
welches Gott in ihre Herzen geschrieben. Ihnen war es um die 
Sache und deren höchste Vollendung zu thun, und wenn sie auch, 
{um eine unabhängige Stellung im Leben zu erhalten, auf Erwcxb 
sahen, so fanden sie doch nur in dem höheren Streben Freude und 
Befriedigung. Sie liessen sich daher auch nicht durch äussere Mo- 
tive bestimmen, noch von aussen vorschreiben, welchen XVeg sie 
wandeln, welchem Ziele sie nachstreben sollten. Unter solchen Ver- 
hältnissen wirkten nach Passavant damals die Künstler zum lluhme 
der liunst, anders aber wurde es später. 
Es hatte zwar in de! Zeit, in welcher die Schüler der genann- 
ten Meister heranwucltsen, der Enthusiasmus für liunst nicht nach- 
gelassen, _es waren aber, wie Passavant sagt, nicht mehr die Na- 
turwahrhelt und die Tiefe des Geiniiths der Bern, aus welchem bei 
den Hunstbildungen die Ideale ersliegen, sondern man suchte jetzt 
den Schein des Neuen und der Meisterschaft. Von Wahrheit und 
Tiefe der Ideen war nicht mehr die Rede; man fand nur an leich-
        

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