Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788986
A2 
Santi 
Rafael. 
chem Ernste Gegenstände der verschiedensten Art; er verehrte nicht 
nur die höchste Schönheit in Gott. sondern freute sich auch ih- 
res Abglanzes in den Wesen der irdischen Schöpfung. Ja selbst 
das Hässliche, wenn es als Gegensatz, wenn es im dramatischen 
Zusammenhange vorkommt, wusste er durch den im Ganzen durch- 
wehenden Geist zu adeln, mit einer höhern Welt in Verbindung 
zu bringen und ihr unterzuurdnen. Auch ist er bei aller Lebens- 
lust stets keusch geblieben. Sein göttlicher Genius führt uns zu 
einer vom Geiste durchleuchteten Natur, zu einer verklärten Welt. 
Betrachten wir nun nach Passavant Rafaefs grosse Eigenschaften 
etwas näher im Einzelnen, so iniisscn wir zuvörderst eben so schr 
den iiberschwänglichen Iißitilltlltlll] seiner Phantasie, und seine grosse 
Produhtionsliraft, als seine hlare Besonnenheit bewundern. Iiei der 
grössten Mannigfaltigkeit, in welcher er mit der Natur selbst zu 
wetteifern scheinhisterdochgleichdieserimmer conscquent,behiiltsei- 
nen Gegenstand streng im Auge, vermeidet alles Fremdartige, so 
reich er auch an Beziehungen ist, wodurch das VVesen des Gegen- 
standes gehoben wird. Wie in einem Spiegel reflelitirt sich in ihm 
die ganze Welt mit ihren verschiedenartigsten Formen. Er ging 
daher nicht von einem vorgefassten Begriff aus; nicht nur eine Art 
der Schönheit schwebte ihm vor, sondern er sah den Glanz des 
göttlichen Strahls ii1 den mannigfaltigstcn Färbungen. Selbst seine 
Madonncn sind unter sich höchst verschieden, je nach der Idee, 
Ivelche ihn dabei erfüllte; aber stets edel, nie ein starres Ideal- 
Iiann man nun auch nicht in allen die höchste Idee einer heiligen 
Jungfrau erkennen, sondern berühren sie zuweilen mehr vncnsi-h- 
liebe Seiten, so sprechen sie doch alle ein inneres Leben aus, und 
erscheinen im höchsten Grade anmuthig. Diese frische Lebensfiille, 
diese alles durchdringenden, wahren Grundideen in seinen Daf- 
stellungen sind nach Passavant es hauptsächlich, welche denselben 
die Macht der YVirliung verleihen, die in der Seele des Be- 
schauers keinen Zweifel gestattet, ihn ganz in den umschriebenen 
Kreis bannt und volles Geniigen finden lässt. Nach der Ansicht des 
genannten Schriftstellers erhöhen aber noch ZWGiGIILlBPO Eigenschaften 
in Rafaefs Darstellungsweise die Befriedigung, die seine Werke 
gewähren: für's Erste die ungezwungene Symmetrie seiner Compa- 
sition, für's Andere die grussartige Vertheilung der Lieht- und 
Schattenmassen. Indem erstere das wohltbuende Gefühl des Gleich- 
gewichts erregt, erfreut letztere durch Ruhe und Ordnung. So ver- 
stand auch Rafael in einem lVIaasse wie hein anderer, sowohl dem 
Ganzen, als den einzelnen Gruppen seiner Compositionen eine ge- 
schlossene und gerundete Configuration zu geben, welche harmo- 
nisch auf den Sinn wirhl; und der Seele ein bezauberndes Bild ein- 
yriigt. Diese schöne Gestaltung und die grossartige Beleuchtung 
sind es dann vorzüglich, wodurch die Gemälde Rafaefs sich mehr 
als die aller anderen grossen Meister für den Iiupferstich eignen. 
Dass Rafael derjenige Künstler ist, welcher am tiefsten und 
reichsten die Charaktere dargestellt, und dem Ausdruck Seiner Iiu- 
pfe, den Bewegungen seiner Gestalten das grosste und wahrstß 
Leben verliehen habe, wurde bei der chronologischen Aufzählung 
seiner Werke schon öfter bemerht, so wie seine grosse anatomi- 
sche Iienntniss und das feine Gefühl des Lebens in Zeichnung 
und Darstellung des Nackten gerühmt. In seinen Bildnissen tritt 
auf überraschende Weise nicht nur die Aebnlichheit der äusseren 
Gestalt, sondern auch, so zu sagen, der ganze innere Mensch hervor. 
Unerreicht geblieben ist Rafael ebenfalls in der Behandlung iler 
Bekleidung. Bei diesem schwierigen Theile der Kunst, welcher die
        

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