Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788915
Snnti 
Rafael. 
43-5 
Castiglione, Passavant I. 5.19. 550. im Originale gibt, da sie sich 
unter den erhaltenen Gedichten auf RnläePs T0 besonders aus- 
icichneu. 
Alle diese alten Zeugen bestätigen RafaePs Unbescholtenheit 
desCfiaralatei-s, und um so auffallender ist es daher, dass erst lange 
darnach Simune Fornari da Beggio in seinen Osservazioni sopra 
il furiose dell Ariosto 15519 entehrende Ursachen seines Todes auf- 
bringen wullte. Fornari behauptet nämlich, Rafael, der die Ver- 
mählung mit Maria da Bibiena nur (lessivegen nicht vollzog, weil 
er vom Papste einen Cardinalshut erwartete, habe zuletzt seinen 
verliebten Leidenschaften über die lllassen die Zügel schiessen las- 
sen, und habe desswegen nur ein Alter von 57 Jahren erreicht. 
Vasari nahm diese Aussage als baare Münze hin, und malte diese 
Sage nach seiner Weise nur nnch weiter aus. Er setzt noch hinzu, 
der ruthe Hut sei ihm vom Papste zur Tilgung schuldiger Sum- 
men zugedacht gewesen. und als Ursache des Todes gibt er an, 
dass Rafael aus Schainhaftigkeit den Aerzten die wahre Ursache 
seines Fiebers verheimlichet habe , so dass diese , statt ihm 
stärkende Mittel zu geben, ihm zur Ader gelassen hätten, wo- 
durch er aus Erschüpfung das Leben habe lassen müssen. Diese 
Aussagen Fernarrs und Wlasai-Ps wurden in der Folge oft wieder- 
hult, geglaubt und bezweifelt. Injeder Hinsicht sind sie verdaich. 
tig, und wahrscheinlich reine Erdiehtung. Denn der Papst schul- 
dete dem Iiiinstler nichts, snndern leistete ihin pünktliche Zahlung, 
wie Passavant I. 238 erweiset. Auch wiire es bis dahin etwas uner- 
hörtes gewesen, dass Künstlerverdienste zur Cardinalswürde geführt 
hätten, wovon die Zeitgenossen auch wirklich kein Wert erwäh- 
nen. Ein durch fleiscliliche Lüste aufgezehrter Mensch ist jener 
Energie und Anstrengung des Geistes, welche Rafael noch wenige 
'l'age vor seinem 'l'ude gezeigt hatte, in Folge körperlicher Ab- 
spannung ganz unfähig. VVeit richtiger und dem Charakter des 
grosscn Künstlers angemessener ist es daher, wenn man annimmt, 
dass die rastlese Thiitiglseit seines Geistes und die Gluth seiner 
Phantasie seinen zarten liürper im Uebermnass angestrengt und 
zuletzt aufgerieben habe. Und wenn Vasarfs Behauptung, dass 
den liünstler zuletzt auch noch ein hitziges Fieber befallen habe, 
Grund hat, so musste er um so schneller unterliegen, auch ohne 
vorhergegangene Ausschweifuug in der Liebe. 
Der Schmerz um den so schnell dahingeschwundexien Kiinst- 
lcr war unausspreehlich. Man hatte ihn wenige Tage vor seinem 
Hinscheiden noch in rastloser 'l'hätiglaeit erblickt und dann plötz- 
lich ihn dahinwellaen sehen, so dass ihm nur noch so viel Zeit 
übrig blieb, um seine weltlichen Angelegenheiten zu ordnen. Je- 
nes Nliidehen, das in seinem Hause als freundliche Ordnerin er- 
scheint, und welchem er seine ganze Zuneigung schenkte, versorgte 
er reichlich. Zu [Iaupterben ernannte er, wie Passavant vermuthet. 
seine Verwandten in Urbino; das Vermögen des Vaters Giuvanni 
aber kann nach dessen Verfügung an die Bruderschaft von St. M3. 
ria clellu Misericordia. Dem Cardinal da Bibiena sull er sein. 
Haus vermacht haben, und seinen Schülern Giulio Romano und 
Gio. FFIIHCBSCO Penni, seinem Futture, hinterliess er alles, was er 
an Gegcnsliiutlell der Kunst besnss. Zugleich erlheilte er ihllßn 
den Auftrag mit Genehmigung der Besteller die von ihm angßfßn- 
genenArheitc-m zu vollenden. Seine Grabstiilte und Capelle hatte F? 
Steh schon früher im Pantheon gewählt und bereits eines der dann 
befindlichen Tabernuliel herstellen lassen. Unter der Nische Würde 
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