Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788849
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Santi 
Rafael. 
Das Modell. welches nach RnfhePs Zeichnung gefcrtiget wurde, 
ist leider nicht mehr vorhanden. Doch besitzen wir noch den 
Grundriss, welchen Serlio (Regale generale d'Arcliitettura. Venezia 
1545. tav. XXXVHJ, auch Bonanni (Teinpli Vat. hist. 1696), aber 
irrig als Bramantds Plan mitgetheilt hat. In der Barberixiischen Bi- 
linthels ist ein Heft architektonischer Zeichnungen von Giuliano da 
San Galln, und ein Plan, der von jenem Grundriss w-exiig abweicht, 
und nach Passavant so sehr des Rafael Eigenthiimlichlseiteu zeigt, 
dass er als erster Entwurf desselben betrachtet werden könnte. Der 
genannte Grundriss bildet ein lateinisches Kreuz mit einer grossexi 
Kuppel, da, wo sich die Iireuzarme durchschneiden. Das Lang- 
haus ist in drei Schiffe getheilt (im Entwurfe in sieben), und hat 
zu jeder Seite noch fünf Capellen. Siimmtliche Pfeiler haben auf 
jeder Fläche eine Nische; der Chor und die Tribunen der Seiten- 
arme. gleichfalls mit Nischen versehen, haben jede einen kleineren 
Halbkreis, der durch zwei Pfeiler und zwölf immer zu vier grup- 
pirte Säulen gebildet ist. (Im Entwurf umschliesst den Chor eine 
Mauer im Halbkreis mit einem verschlossenen Gang). Die Vorder- 
seite mit drei Haupteingängen hat keine Thiirme. Die auf Stufen 
erhöhte Vorhalle ruht auf 56 Säulen (im Entwurf auf 30.) 
Als Rafael nun mit dem Bau an's Werk ging, sahen die 
liiinstler ein, dass die vier Hauptpfeiler, welche die Cuppel tra- 
gen sollten, zu schwach im Fundament waren, und sie wurden 
dadurch bedeutend verstärkt, indem man nach des Fra Giocondo 
Angabe unter den Fundamenten in gehöriger Entfernung von ein- 
ander viereckige, tiefe Löcher grub, und mit festem Mauerwerk 
ausfiillte. Sodann wurden von einem Unterbau zum anderen BÖ- 
gen gesprengt. Dies: scheint aber alles zu seyn, was unter Rafael 
am Bau der St. Peterskirche unternommen wurde. Nicht Einmal 
den von Bramante angefangenen, mit dorischeu Säulen geschmück. 
ten Bezirk zur Feier des päbstlichen Hochamtes konnte Rafael vol- 
lenden, sondern selbst dieser blieb seinem Nachfolger B. Peruzzi 
überlassen. Nnchmals wurde aber dieses Werk wieder zerstört. 
VVie sehr der Plan Bramantds von dem RafaeVs abweicht, ist aus 
einer Medaille ersichtlich, die 1506 Caradosso fertigte. Agost. Ve. 
neziano hat sie gestochen. Nach IlafaePs Tod ging man von des- 
sen Plane ab. Es wurde ein beschränlaterer angenommen, der im 
Grundriss ein griechisches Kreuz mit einer Cuppel bildet. 
Glücklicher als mit der Basilica des heil. Petrus war Rafael mit 
einem anderen gleichfalls von Bramante begonnenen Bäue, dem 
Hufe von S. Damaso im Vatikan. Hier ahmte er aber die Art des 
Bramante genau nach, indem er vermuthlich dessen Plan folgte. 
Er fügte nur die oberen Inggien mit freistehenden Säulen hinzu, 
ianz in der Weise des friiheren Meisters. Nur die im Inneren der 
oggien angebrachten Fensterbehleidungen sind die einzigen Theilc, 
welche durch die Fülle der Profilirung des Rafael Eigenthiimlich- 
lseit verrathen. Dieser Hof erregt jetzt noch die höchste Bewun- 
derung als einer der schönsten, die es gibt. Es erheben sich drei 
Geschosse übereinander) Den ersten und zweiten Bogengang schmü- 
cken Säulen nach dorischer und joniseher Ordnung; das dritte Ge- 
schoss ist von freistehenden horinthischen Säulen getragen, und 
schliesst das Ganze mit einem reichen Gebällse. Steinerne Balu- 
slraclen verbinden die Postamente und dienen zu Brustlehnen. Ra- 
fael liess dazu ein eigenes Modell fertigen, welches nach seiner 
Zeichnung ausgeführt wurde. 
ßgnn fertigte ltalhel auch einen Plan zur Kirche S. Gio. Bat-
        

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