Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788620
406 
Szmti 
(Silllliü) u 
Rafael. 
Das erste Bild in der geschichtlichen Reihe ist die Anrede an 
das Heer. Links steht Constantin neben einem älteren römischen 
Feldherrn auf einer Tribune, und spricht zu vier Fahnenträgcrxi 
über die gehabte Erscheinung des Kreuzes mit den Worten: EN 
TOTTQ NIKA. Im Grunde sieht man die Zelte des Lagers und 
herbei eilende Soldaten; in der Ferne erblickt man die Tiber mit 
dem Pons Aelius, den Mausoleen des Augustus und des Hadriau, 
so wie eine Pyramide. Rechts im Vorgrunde steht ein ühelgestal- 
teter Zwerg, der sich einen Helm aufsetzt, eine unpassende Zugabe 
des Giulm Romano, der darin den Zwerg des Cardinals Hippolito 
de' Medici. den Gradasso Berettai von Norcia, verewigen wollte. 
Auch die zwei Edelknaben zu den Füssen des Kaisers setzte Gin- 
lio hinzu, da in Rafaefs Entwurf, welchen Richardsun III. 416 be- 
schreibt, und l-Ienry Bevely (Notices of the drawings etc. London 
1820), beim Herzog von Devonshire noch gesehen hatte, diese und 
der Zwerg fehlen. Die Zeichnung ist auf blasses Papier mit der 
Feder entworfen, lavirt und mit Weiss gehüht. Passavant konnte 
sie später nicht mehr zu Gesicht bekommen. Die Ausführung und 
Färbung des Gemäldes sind kräftig und frisch, und bestätigen nach 
Passavant die Angabe des Vasari. welcher es dem Giulio Romano 
zuschrcibt. Es hat folgende Inschrift: Adlocutio qua divinitus im- 
pulsi Constantiniani victoriam repetere. ' 
Das zweite grosse Wandgemälde stellt die Schlacht Constan- 
tin's an der Tihcr vor. Letzterer sprengt auf einem mächtigen 
Russe durch das Schlachtgewühl und schwingt seinen Speer nach 
Maxentius, der vergebens mit seinem Pferde durch den Fluss zu 
kommen sucht. Drei Engel mit Schwertern schweben über dem 
Kaiser. Die Niederlage des Maxentius ist vollkommen; selbst noch 
auf der Milvischen Brüche rechts im Grunde wüthet der Kampf, 
und die Flucht ist allgemein. Dieses reichste aller Schlachtbilder 
enthält viele herrliche Episoden. Alle Figuren sind voll Leben und 
Wahrheit, aber trotz des Getümmels der Schlacht tritt doch der 
Hauptgegenstand klar hervor und zeigt in grossen Zügen den Sieg 
des Christenlhums über das Heidenthurn- Bei allen Schrecken des 
persönlichen Kampfes erbitterter Parteien tritt aber nie das Gräss- 
liche hervor, nur das Tragische erfüllt die Seele des Beschauers 
mit erhabenem Ernste. Dieses Bild hat folgende Inschrift: B. Val. 
Aurel. Constantini lmp. victoria quasumerso Maxentio Christiane- 
rum opes {irmattie sunt. 
Die tüchtige Ausführung in Farben wird_dem Giuliu Romano 
zugeschrieben, Seanclli vermuthet aber die Belhillfc seiner Schüler, 
was nach Passavant auch der mehr schwiirzliche als der dem Giu- 
lio eigenthiimliche Ton in den Schatten der Carnation zu bewei- 
sen scheint. Ueberhaupt findet dieser Schriftsteller den allgemeinen 
Ton der Malerei etwas kalt; die Zeichnung aber ist richtig und 
besimmt, die Führung des Pinsels wahrhaft meisterhaft. Auch ist 
das grosse Verständniss des antiken Costüms in Kleidung und Waf- 
fenyund deren phantasievolle freie Anwendung und Behandlung 
sehr zu rühmen. Es ist das eine Eigenschaft, welche wir über- 
haupt bei Balael in höherem Grade, als bei irgend einem seiner 
Schüler, und selbst mehr als bei Giulio finden, der sich öfters 
phantastische, dem späteren Mittelalter entlehnte Bekleidungen den 
rein antiken beizugesellen erlaubte. 
Aus den Zeichnungen von llalaePs I-Iand, welche sich zu die- 
ger Seh geht erhalten haben, geht hervor, dass in der Malerei manch! 
Figuren weggelassen sind, wodurch die Cumpositiuxi des Schlacht- 
getüxumels weniger verwirrt erscheint; so z. B. ein Fahuenträgßr
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.