Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788524
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Santi 
Rafael. 
tief steht, was Passavant daraus erklärt, dassliafael, indem er den 
Kopf nach dem Leben malte, sich mehr bestrebte das Ideal 
nicht ausser Augen zu lassen, als (lIG Richtigkeit der Zeichnung 
zu berücksichtigen, oder dass er vielleicht auch nur einen Natur- 
Fehler unbeobachtet nachahmte. Und dazil kommt noch, dass er 
e; für eine Umgangsfahne (drapellone) nicht so genau nahm. 
Im Jahre 1754 entäusserte sich die Stadt Piacenza ihrer grüsstexl 
Zierde, indem der Churfiirst August III. von Sachsen die Madonna 
di S. Sisto um 11,000 Zecchinen. oder wie Winckelmann an lirenilis 
schreibt: 60,000 Gulden Ohne Transpurtlaosten und Präsent kaufte. 
Ausscrdem erhielt die Kirche eine alte Copie von Paris Nugari, 
die nun den Platz des Originals einnimmt. In Dresden ivurde 
dieses Bild mit ausserodenrlichen Ehren empfangen. lWIan ent-, 
nahm es im Audienzsaale der Kiste, und als der Iiöuig bemerkte. 
dass nur die Wand, wo der 'I'hronsessel stand. geeignet sei, um 
das Bild in ein günstiges Licht zu stellen, schob er eigenhändig 
den Thron auf die Seite. Vor einigen Jahren erkannte man die 
Nothwendiglteit, das Bild vom Sehmutze zu reinigen und durch ei- 
nen neuen Firniss zu erfrischen. Hierzu wurde Palmaroli beru- 
fen, als aber dieser xiaeh italienischer YVeise beim Reinigen etwas 
scharf zu Werke ging, stellte man die Operation, noch ehe sie 
ganz vollendet war, ein , woher die Flecken an einiger: Theilen zu 
erklären sind. Auch einige trübe Töne in den Schattenthueilrn zei- 
gen eine ungeschickte Herstellung. Demobngcaclitct ist das Ge- 
mälde in so gutem Zustande, dass man noch überall die Führung 
des Pinsels wahrnimmt, es daher keineswegs als verwaschen be- 
trachtet werden darf. 
In der Abtei St. Amand zu Bouen war ehedem jene Copieim 
Stadthause daselbst, Wovon es in der Revue encylop, mp6 heißt, 
Rafael habe dieses Exemplar für den Cardinal von Amhoise ge- 
malt; ohne zu bedenken, dass dieser Prälat schon 1510 starb. 
Dann streitet aber auch das Machwerk gegen die Originalität, da 
die Behandlungsweise der Art des Hlahrlnentspricht. Bei dem Pabste 
liegen Bischofsniütze und Krummstab statt der Tiara, und auch die 
starken Schnüre mit Quasten sind nicht jene des Originals. Auch 
die Zeichnung bleibt nach Passavant hinter jenem zurück; llesun- 
lders sind die Engelsküple in der Glorie sehr plump. Der Farben- 
auftrag ist stark, daher das Bild nachgedunkelt hat. Die schünc 
Lithographie von Aubry le Comte gibt einen zu vortheilhafteim Be- 
griff von diesem Bilde. In der Iiirche S. Severino zu Neapel ist eine 
unbedeutende Copie. 
Um diese Zeit muss auch jenes Frauenbilclxiiss gemalt seyn, 
welches so aulfallend an die Madonna di S. Sisto erinnert, näm- 
lich jenes der Geliebten RafaePs im Pallaste Pitti zu Florenz. Die- 
ses Bildniss hat aber mit der Furnarixia im Pallaste Barberini nur 
eine gewisse Achnlichkeit, wenn man sich die Person in jüngere 
Jahre zurückdenkt; ja Passavant gestehtsirgar zu, dass diese Aehn- 
lichkeit nicht so aulTallend ist, dass andere vielleicht nur im All- 
gemeinen eine Uebereinstimmung der Bildung darin finden diirl'-_ 
ten- Ob aber RafaePs Unzgamg die Anlagen des Miitlchens so über- 
aus entwickelt, und ihre Seele zu einer Aumuth gestimmt habe, 
von der wir in jenem Naturkintie kaum eine Spur erblicken, wie 
Passavant bemerkt, lassen wir dahin gestellt scyn. Das Bild im 
Pitti zeigt ein schönes Mädchen, links gewendet, etwas mehr als 
drei Viertheile_ gesehen. Die gescheitelten Haare, hinter die Ohren 
gestrichen, zeigen die ganze Fülle des Ovals. Aus den dunklen 
Augen leuchtet dem Beschauer ein glühender Blick entgegen, die
        

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