Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788440
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Santi (Sanzio) , 
Rafael. 
Passavant glaubt, dass die Wahl des Gegenstandes durch den 
von Ludwig XI. im Jahre 11169 gestifteten Orden des heil. Michael 
bestimmt wurden sei. Ganz unbegründet ist aber die Behauptung, das 
Bild habe andeuten sollen, dass der König von Frankreich, als 
der älteste Sohn der liirche und als Grossmeister des St. Michaels- 
Ordens, die in Deutschland iiberhaudnehmende Lehre Luther's zu 
bekämpfen habe; denn Luther schlug erst 1517 am Vorabende vor 
Allerheiligen seine Sätze gegen den Ablass an, und bisher hielt 
ihn der Pabst selbst für einen Mann von überaus schönem Geiste, 
wie wir aus Culumessi opp, ed. Fabrie. p. 521 wissen. Franz I. 
stellte dieses Bild in Fontainebleau auf, wo es auch noch im fnl- 
genden Jahrhunderte svar. P. Dan (Trösor des merveilles de Fou- 
minehleau, 16-12) behauptet aber irrthiimlich, Clemens VII. habe 
es für jenen König malen lassen, indem Rafael das Pontifieat 
des siebenten Clemens nicht mehr erlebte. In IteveiPs Musee de 
Peinture etc. Paris 12.28, lxeisst es, dass der Cardinal de Boissy 
mit Rafael über das Gemälde verhandelt habe. In Fontainebleau 
Qseheint man das Bild nachlässig behandelt zu haben, denn es musste 
schon Primatieeio eine Restauration vornehmen. lm Jahre 1755 
übertrug es Pieault sen. auf Leinwand und reslaurirte es 1770 noch- 
mals. Im Jahre 1800 wurde es von Picault (lem Sohne abermals ge- 
reiniget, und zuletzt von Hacquin besonders von den gröbsten 
Uebermalungen befreit, so dass das ursprüngliche Bild wieder eini- 
ger blassen zum Vorschein kam. 
 In der Gallerie Aguado zu Paris ist ebenfalls ein den Dämon 
belsämpfender Erzengel, als Werk Bal'ael's angegeben, und als sol- 
ches gestoehen._ Passavaut laatte keine Kunde davon. 
Im Cabinet des Baron F. A. de _Sylvestre war bis 1832 ein an- 
gebliches Studium zum äliont" des heiligen Michael. In der Samm- 
lung Hupe zu London 1st eine schone alte Cople, welche dem Gin- 
liu Romano zugeschrieben wird. 
Franz I. war beim Empfang des Bildes des Erzengels auf's höch- 
ste entzückt, und er belohnte den Künstler so königlich, dass Rafael 
ilnn einen Beweis seiner Erkenntlichkeit geben zu müssen glaubte. 
Er entwarf daher die Zeichnung zu einem grossen Bilde der heil. 
Familie, und führte es das Jahr darauf mit Giulio Romano auf das 
sorgfiiltigste aus. Maria, sieh im Sitzen verneigend, fasst unter den 
Armen das ihr aus der Wiege entgegenspringende Christkind. Links 
kniet Elisabeth mit dem kleinen Johannes im Schoosse, dem sie 
die Händchen zur Verehrung zusammenlegt, Rechts hinter der heil. 
Jungfrau steht Joseph betrachtend auf seinen Ellbogen gestützt und 
gegenüber sieht man zwei Engel, von denen einer verehrend die 
Hände kreuziveis auf die Brust legt, der andere mit hoch erhobe- 
nen Armen Blumen über die Scene streut. Den Hintergrund bil- 
det eine Ziunnervirand mit einem grünen Vorhange, links etwas Luft. 
Am lileidersauin der Maria steht: RAPHAEL- VRBINAS. EIN- 
GIEBATX MDXVIII. 
Vasari erwähnt dieses Bildes nur sehr undeutlich im Leben des 
Ginlio Romano, und bemerkt, dass er dasselbe fast allein nach 
HafnePs Zeichnung ausgeführt habe. Es ist auch in der Färbung 
von Rafael abweichend, nach Passavant durchgehend in einem bran- 
neu Tun gehalten. Dieses ist xiaeh der Ansieht des genannten 
Schriftstellers vielleicht die Ursache, dass in Frankreich die Mei- 
nung aufkommen konnte, Rafael sei ein schlechter Colorist ge- 
wesen, Während 01' im Gßgentheil nicht nur in den Frcscogemiil- 
den, sondern auch in Oelbilderxi, wie in der Madonna von Fuli- 
gnu, der heil. (Äavilia und in dem Bilde zu Dresden, die er mit
        

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