Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788431
Santi 
Rafael. 
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ren. Den Hintergrund bildet ein Vorhang, und rechts etwas Him- 
mel. Von dieser Composition gibt es mehrere Exemplare, welche 
für Originale ausgegeben werden. Schon S. Conca (Descrizione 
della Spagna, Parma 1795  97) und P. Ximenes rühmen ein sol- 
ches Bild als eines der schönsten Werke Rafaefs in den Gemäehern 
des Pridaten im Escurial. Frau von Humboldt sah es noch 
1308 in den Zimmern des Prinzen von Asturieu. Nach Buchanan 
11, 243, wäre dieses Bild im Jahre 1813 nach Frankreich und dann 
nach England gekommen, wo es Sir Thomas Baring um 4000 L. 
erstand, und nachmals (1314) an liönig Ludwig von Bayern um 
5000 L. verkaufte. Jetzt ziert es die Pinakothek zu München. Pas- 
savant traut indessen der Angabe Buchanan's nicht, und glaubt; 
vielmehr, dieses Bild sei jenes, welches schon 178g J. Purling in 
England besass, und allgemein für ein vortreffliches Origiualwerk 
von Rafael galt. Das zuerst erwähnte Exemplar dürfte nach seinem 
Dafürhalten noch in Spanien seyn. Ein drittes Bild derselben Com- 
position besitzt der Iiönig von Sardinien, welches er als Prinz von 
Carignan vom Professor Boucheron in Turin um hohen Preis C'- 
stand. Es soll vom Cardinal delle Lanze der schönen Gräfin Pius- 
sasco, nachmals Porporati, als Geschenk überlassen worden seyn, 
und kam nach ihrem Tod an ihre Tochter, die Gräfin Broglio, 
welche es durch ihren Hausmeister um 800 Frs. verkaufen liess. 
Nach dem Urtheile von Kunstkennern s_oll es Copie von P. dcl 
Vaga seyn. Im Pallaste Album zu Rom 1st eine Copie in der Art 
des P. del Vaga. wo 1m Hintergrund Mauer ist. Eine andere mit 
Wand und rechts etwas Himmel befindet sich in der Akademie 
zu VVlen. 
In der Sammlung des Herzogs von Devonshire zu Chatsworth 
ist ein Entwurf, wahrscheinlich die erste Skizze, ehedem im Be- 
sitze des Peter Lely. 
Auch für den König Franz I. von Frankreich führte Rafael 
nach und nach mehrere Gemälde aus. Mit der Jahrzahl 151? he- 
zeichnet ist das Bild des lebensgrossen Erzengels iVlichael, wie er 
auf dem am Rande von Felsenkliiften niedergeschmetterten Satan 
steht und mit beiden Händen die Lanze zum Stoss erhebt. Er ist 
in dem Momente dargestellt, wie er als Gottgesandter in Blitzes- 
schnelle herabgefahren. schon als Sieger, ohne den sich unter der 
Ueberlnacht krümmenden Satan kaum mit dem Fusse berührt zu 
haben. Nie, sagt Passavant, ist wohl von einem andern Meister eine 
jugendliche, stark bewegte Heldengestalt in gleicher Würde und 
Schönheit gebildet worden, als dieser Erzengel, in dem wir so- 
gleich die göttliche Sendung, die liraft der Ueberwindung des Gu- 
ten über das Böse erkennen müssen. Dagegen hat fiatael nicht 
minder charakteristisch das Verabscheuungswürdige des Satan in 
Form und Ausdruck dargestellt; allein nach des Meisters richtigem 
Gefühle sehen wir ihn so sehr in der Verkürzung, dass der Blick 
nicht auf den Bösen, sondern unwiderstehlich nach der göttlichen 
Gestalt des Erzengels hingelenkt wird. Aus den Felsenklütten sprü- 
hen Flammen und Schwefeldampf, den Hintergrund bildet eine 
öde , felsige Landschaft mit einer Aussicht auf das Meer. Die Fär- 
bung des Bildes besteht fast nur aus drei Farben, blau, gelb und 
fleischfarb, aber "die Tinten der Farben sind auch wieder so man- 
nigfaltig, die Beleuchtung sowohl berechnet, dass demohngeachtet 
das Colorit einen grossenZauber ausübt. Ursprünglich war das Bild 
{lcher von Rafael grösstentheils allein gemalt, jetzt aber ist es stark 
überarbeitet, obgleich noch von ergreifender. unverwüstbarer Wir- 
kung. Am Saume des Unterkleides steht: RAPHAEL. VRBINAS. 
PINGEBAT. M. D. XVII. 
25'
        

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