Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788428
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Sanli 
Rafael. 
tiefe Färbung der Oelfarben es ausgeführt. Auch die Behandlungs- 
weise deutet ihm darauf hin. indem das Bild höchst geistreich mit 
meisterhafler Freiheit und hechem Auftrag der Farbe gemalt ist. 
Passavant hatte Gelegenheit es im unmittelbarsten Tagslicht in der 
Nahe auf einer Staffelei zu sehen. und konnte dessen vortreffliche 
Erhaltung sowohl, als die Art, wie es behandelt ist, genau unter- 
suchen. Passavant war überrascht zu finden, dass in der Malerei 
dieses Bildes diefreiheit des Pinsels oft so weit geht, dass nicht 
einmal die verschiedenen Töne in einander gestrichen, die Umrisse 
genau bezeichnet sind. Nur der Iiopf der Mutter, so wie der des 
liindes zeigen etwas mehr Sorgfalt; allein in allen Theilen stehen 
die 'l'iutcn so wahr, mit solcher ltienntniss der Abstufungen neben- 
einander, dass in nur geringer Entfernung das Bild die Wirkung 
thut, als seyen die Farben auf's zarteste in einander verschmolzen. 
Es begegnete daher selbst dem Hrn. v_. Rumohr (III. 117), dass er 
glaubte , die Farben seyen stark vertrieben, und desshalb setzte er 
das Bild ins Jahr 1510, vals Rafael mit der Schule von Athen be- 
schäftiget, an schweren Zeugen und vollen Gcwandlnassen, auch 
an breiten Formen und weichem Vertreiben vorübergehend Ge- 
schmack gewonnen hatten: Diesem Satze setzt Passavant ein  bei' 
Dass dem Iiiinstler bei Fertigung dieses Madonnenbildes ir- 
gend eine weibliche Schönheit vorgeschwcbt, findet auch Passavant 
wahrscheinlich, doch spricht er sich gegen die Meinung derjenigen 
aus, welche darin mit dem Fraucnbildnisse von 1512 in der Tri- 
büne zu Florenz Aehnlichlseit finden. Fiir eben so grundlos er- 
hlärt er die erst neuerdings aufgekommene Sage, Rafael habe bei 
einem Herbstfeste, von der Schönheit einer jungen Mutter ergrif- 
fen, sogleich an Ort und Stelle unser Madonnenbild auf den Bu- 
den eines Fasses hingezatibert. Das Bild ist rund und auf Holz ge. 
malt. Man sieht es in der Tribune zu Florenz, wo es schon im 
lnventare von 1589 vorkommt. 
Es wird auch ein Carton dieses Bildes erwähnt. Ein solcher 
in quadrater Form mit ganzen Figuren, in schwarzer Iireide aus- 
geführt, wird als in der Sammlung Sieralsowshy zu VVarschau vor- 
handen angegeben. Im Jahre 1313 wurde ein solcher, oder der- 
selbe, aus der Verlassenschaft des Grosspriors lnghirami zu Vol- 
terra an den Grafen Looz verkauft. 
Ein kleiner Entwurf zum Bilde, ehedem im Besitze des Malers 
Ant. Fedi, ist jetzt in der Sammlung Wicar zu Lille. Ein anderer 
kam aus der Verlassenschaft des Malers Girodet in das Musee 
Fahre zu Montpellier. 
Es gibt auch viele Copien dieses Gemäldes, aber Passavant 
kennt keine, die nur entfernt einen Begriff der Vortrefflichheit 
des Originals gebe. Eine solche ist in der Salsristei von S. Luigl 
in Rom. Eine andere lsam aus der Gallerie Giustiniani ins Ber- 
liner Museum. In der Sammlung des Herzogs von Wellington 
ist die Nladonna mit dem Binde ohne Johannes, in viereclsiger 
Form. Dieses Bild war ehedem im Pallaste zu Madrid. Daselbstiist 
noch die Madonna mit dem Iiinde, wo rechts ein Buch neben der 
brennenden Lampe angebracht ist. 
Eine der Madonna della Sedia verwandte Composition ist unter 
dem Namnn der vNIadonm; della Tand-m (mit dem Vorhang) bekannt. 
Maria (Knieslück) links im Profil gesehen, umfasst das auf ihrem 
Schousse sitzende Christuskind mit dem rechten Arme. Dieses in be- 
wegter Stellung scheint mit rückwärts gebogenem Iiöpfcheix auf die 
Worte des in Verehrung hinter ihm stehenden kleinen Johannes zu hö-
        

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