Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788397
Santi 
Rafael. 
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Spasimo zu Palermo malte, woher auch das Bild den Namen .,Lo 
Spasirno di Sicilia" hat. Er malte den Augenblick, wo Jesus, unter 
der Last des Iireuzes niedergesunken . zu den ihm nachfolgenden 
und weinenden Weibern spricht: Ihr Töchter von Jerusalem, weint 
nicht über mich. sondern weint über euch selbst, und über eure 
Kinder. Während nun einige Schergen den durch Leiden erschöpf- 
ten Heiland zerren und stossen, haben andere den Simon von Cy- 
rene herbeigeschleppt, dass er das Iireuz zum Richtplatz tragen 
helfe. Ein Fahnenträger zu Pferde beginnt den Zug, römische und 
jüdische Richter und Soldaten folgen, so eben aus dem Stadtthore 
reitend. Im Hintergrunde sieht man die beiden Sehächer zum Cal- 
Varienbcrg geführt. 
Dieses in jeder Hinsicht meisterhafte Bild rühmt Mengs mit 
Recht als ein Muster weiser Anordnung, in dem sich der Gegen- 
Stand auf eine klare Weise darstellt, sich keine Figur zu viel, keine 
Zu wenig befindet, deren jede in Ausdruck und Bewegung auf's 
lebendigste und angemessenste zur Handlung beiträgt. Ueber alles 
strahlt aber die zwar körperlich den Schmerzen erliegende, aber in 
hoher geistiger Würde glänzende Gestalt des Heilandes, der in tief 
fem Erbarmen den Juden die nahe verhängnissvolle Zukunft zu ver- 
kiinden scheint. In den Frauen gegenüber spricht sich das tiefste 
Mitleiden aus, gefiihlloser Stumplsinn in den Schergen, Iiiilte in 
den Römern, verhaltener Ingrimm in den Juden. Auf dem Steine 
im Vorgrunde steht: RAPHAEL VHBINAS. 
Dieses für den Altar einer grossen Iiirche bestimmte, und dess- 
Wegen in vielen Theilen nur roh und keck behandelte Bild scheint 
auch eines besonderen himmlischen Schutzes gewürdiget worden 
zu seyn; denn das Schiff. welches es nach Palermo bringen sollte, 
Sßheiterte, und nur die Iiiste mit demselben kann allein wohlbehal- 
fcn im Hafen von Genua an. Dieses Ereigniss erregte hohe Freude 
In der Stadt, und nur durch Verwendung des Pabstes konnten die 
Mönche ihr wundervolles Bild erlangen. Nachmals liess es Phi- 
lipp IV. von Spanien aus der Kirche wegnehmen und gab dem 
Iiloster eine jährliche Rente von 1000 Scudi. Jetzt schmückte das 
Gemälde, von den Spaniern „La Joya" genannt, einige Zeit den 
Hauptaltar der k. Capelle in Madrid, und dann kam es in das 
Museum, aus welchem es 1313 die Franzosen mit noch vier ande- 
ren Gemälden RafaePs nach Paris mit sich nahmen. Hier wurden 
diese Bilder auf Leinwand übertragen und reslaurirt, aber stark 
ubermalt. Seit 1322 sind diese Gemälde wieder in Nladrid. 
In der Pariser Sammlung ist eine grosse Zeichnung in Bister, 
aheruiicht von BafaePs Hand. In der florentinischen Sammlung 
und im Cabinet Weigel zu Leipzig sind Studien und Entwürfe. 
In der Gallerie des Belvederc in Wien ist eine alle Copie in 
Üel. In Sicilien gibt es deren sehr viele. Eine ausgezeichnet schöne 
von Deodato Guinaccia sieht man in der S. S. Nunziata zu Catanea. 
Ein anderes Altarblatt stellt die Heimsuchung IVIariä dar, wel- 
Che liafael für die Capelle des piibsthchen Cammerherrn Giovan 
Battista Branconio in S. Silvestro dell' Aquila in den Abruzzeß 
malte. Maria ergreift mit jungfriiulicher Scham die Hand der von 
 linken Seite iherkommenden Elisabeth- Den Hintergrund bilde! 
eine Landschaft vom Jordan durchströmt, in welchem Christus ge- 
tauft wird, ein Anachronismus, welchen Rafael wegen des Taut- 
hamens des Bestellers sich erlaubte. Man liest auf dem Bilde: BA- 
PIIAEL. VRBINAS. F. MAHINVS. BRANCONIVS. E". F. Aus dic- 
SCF Inschrift könnte man schliessen, dass Marions Brfmcßlllß das
        

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