Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788341
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Santi 
Rafael. 
Wiederholung der RafaePschen Tapeten. 
Das grosse Aufsehen, welches die Tapeten nach lialaePs Cnrtont 
erregt hatten, bewog viele Fürsten dergleichen zu erwerben. Aiicl 
trellen wir deren jetzt noch mehrere, wovon einige als Geschenkt 
von Leo X. ausgegeben werden, was aber nur von wenigen dei 
Fall seyn kann, da die zuerst gewirkten Teppiche erst gegen Endi 
desJahrest519 in Rom anlangteu, und der Palast zwei Jahre daran 
starb. Wollte man nun annehmen. Leo habe in solcher Absichl 
Tapeten bestellt, so konnten die beabsichtigten Geschenke doch 
grösstentheils nicht früher als unter Clemens VII. zu ihrer Bestiin 
mung gelangen. Unter diesen pmstiinden ist von W. Gunn (Car- 
tonensia p. 40) gegebene Nachricht. dass Leo X. liinf solcher Ta- 
peten an den 151g verstorbenen Kaiser Maximilian nach Wien ge- 
sendet habc, in jeder Hinsicht falsch, wenn man glauben wollte. 
es seyen diess eben so viele Wiederholungen der 10 Tapeten ge- 
wesen. Zu Mantua befanden sich in der Iiirche St. Barbara zehn 
Tapeten, die daselbst auch gewoben wurden. Seit 1785 sind sie in 
dem kaiserlichen Pallast, im Zimmer der Arazzie aufgehängt. Es 
sind neun aus der Apostelgeschichte, um statt der schmalen Tapete 
mit Paulus iin Gefängnisse ist hier die mit dem in den Limbiis 
steigenden Christus. Auch in der heil. Kirche zu Loreto waren 
früher 7 Tapeten, dieselben Compositionen, wie die Cartons in 
llampton-Cuurt; mit Ausnahme der Darstellung des 'l'odes des 
Ananias. Passavant (II. 274) glaubt, sie könnten in Mailand geler- 
tiget worden seyn, wo Herzog Francesco noch zu den Zeiten Ita- 
fael's einen Arazzista reichlich beschäftigte. 
In England gibt es mehrere Exemplare der Teppiche aus der 
Apostelgeschichte, die grösstentlieils in England selbst gewirkt 
wurden, indem gegen Ende der Regierung Heinrich Vlll. Wilhelm 
Sheldon diese Iiunst dahin brachte. König Jrihob l. liess zu 
Morlake in Surrey durch Sir Frangis Crane eine Fabrik bauen, 
und dem Maler Cleen oder Cleyn aus Rostock war die Aufsicht 
übertragen. Hier liess auch Carl I. Tapeten wirhen. Es scheint 
aber dass schon viel früher ein vollständiges Exemplar der 'l':ipeteii 
nach RalaePs Cartoiis nach England kam, indem Peacheni (Com- 
plete Gentleuian. London 1654. 8.157) berichtet, dass ehedem eine 
solche Folge in Banquetinghall zu Whitehall aufgehängt war. 
Nach einigen waren sie ein Geschenk Leo X. an Heinrich YlIL, 
nach anderen erstand sie der Iiönig von der lleptllllili _Venedig. 
Sicher ist nach Passavant, dass jene Tapeten unter Heinrich VIII. 
nach England kamen. Nach dem tragischen Ende Carl I. kaufte 
sie der spanische Gesandte Don Alonzo de Cärflßllils, vor unge- 
fähr 25 Jahren erwarb sie Hr. 'I'upper aus denillause Alba, und 
1828 wurden sie in London ausgestellh- Sieben sind nach den Car- 
tons in Hampton-Court, und zwei andere Tapeten stellen die Be- 
kehrung des Saulus und die Steinigung St. Stephans dar. Sie 
wurden in England nicht gekauft. 
In Broughton-Hall, jetzt Besitzthum des Herzogs von Buc- 
cleugh, befinden sich sieben 'I'apeten mit der Darstellung der Car- 
tons in England, mit einigen Aenderuiigen in der Ertheilung des 
Schlüsselamtes und im Tod des Ananias. Der Sage nach sind diese 
Teppiche ein Geschenk des Königs von Frankreich an den Iler- 
zog von Beaumont. 
In Burleighhouse befinden sich drei Tapeten aus derselben 
Folge und in Abbey i'm-de in Devonshire sieht man dxe Uchergabe 
der Schlüssel , den wundervollen Eischzug, die Heilung des Lah-
        

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