Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788300
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Santi 
Rafael. 
sittlichen Ernst und eine ergreifenden: dramatische Entwicklung in 
seinen Werlaen erreicht, als Rafael in diesen Darstellungen. Bei sol- 
cher Verbindung der höchsten Forderungen an die bildende Iiunst 
schätzt man daher mit Recht diese Compositiunen als unübertroffen 
von allem, was je in rein historischen Darstellungen ist geleistet 
werden. ln diesen Compusitiunen finden wir Giuttcfs plastische 
Grandiusitiit, verbunden mit der Vollendung des Einzelnen, welche 
zu Anfang des 16.Jahrhunderts die italienische liunst auszeichnete, 
und die Reinheit des Geschmackes, welcher durch die Iienntniss 
der antilscn Werke, erworben wurde. 
Tapete mit der Krönung Mariä. 
Ausser den Cartons aus der Apostelgeschichte fertigte Rafael 
auch noch einen zur Tapete für den Altar in der sixtinisehen Ca- 
pellc. Sie stellt die Krönung Mariii dar, und zeigt uns die heil. 
Jungfrau auf dem Throne mit Christus sitzend, welcher ihr die 
liiune auf des Haupt setzt. Ueber ihnen schwebt Gott Vater in 
einer Gloria von Engeln und der heil. Geist. Zu den Seiten hal- 
ten zwei Engel einen Vorhang und tiefer stellen auf der einen 
Seite Johannes der Täufer, auf der andern St. Hieronymus. Diese 
symmetrische Anordnung gewinnt noch einen eigenthiimlichen Reiz 
durch die lieblichen Gestalten zweier an den Stufen singenden 
Engelknaben. Die Tapete hatte Figuren über Lebensgrösse, sie 
ist aber nicht mehr vorhanden, oder VQTSClIOlllHI; dass aber der 
Altar der Sixtina wirklich damit geziert n-ar, bcweisel der Calalng 
der piihstlichen Chall-tographie von 17Ll8, in welchem bei der An- 
gabe des Iiupferstiches steht: wln arazzo nella capella di Sisto IV. 
in Vaticanoß.  
Zweite Reihenfolge von Tapeten mit Darstellungen 
aus dem Leben Jesu (della scuola nuova.) 
VVir wissen auch von 12 Tapeten mit Darstellungen aus dem 
Leben Christi und einer mit allegorischen Figuren, welche Franz I. 
von Frankreich bei Gelegenheit der Heiligsprechung des heiligen 
Franz de Paula (1. Mai 1519) versprach, die aber erst später aus- 
gelührt wurden, wie Passavaxit ll. 260. wal-irscheinlich macht. Der 
liönig verlangte von Rafael Cartons, und die noch vorhandenen 
Zeichnungen des Künstlers beweisen auch, dass er dem Könige 
willfaihren wollte; allein der Künstler scheint bei dem nach Verlauf 
von weniger als einem Jahr erfolgten Tod noch sehr im Rückstand 
gewesen zu seyn, und daher übernahmen Giulio Romano und an- 
dere Schüler liataePs den Auftrag für die Cartons. Diese Tapeten 
sind von einem höheren Formate als die ersten und sehr ungleich 
in der Breite. Auch unterscheiden sie sich dadurch, dass sie rings- 
um mit einem breiten Band von Blumengewinden und anderen Or- 
namenten umgeben sind. Ein päbstliches Wappen oder ein päbst- 
licher Name kommt nirgends vor. Es könnte auch dieser Um- 
stand als Beweis dienen, dass sie nicht auf Iiosten des Pab- 
stes ausgeführt wurden , wie man es zuweilen geglaubt hat. 
In l'. lsidoro Toscamfs Vita di S. Francescu di Paolo. Roina 1751,- 
heisst es, dass diese Tapeten am Tage der Canonisatiun in 
der St. Peterskirche aufgehängt wurden, allein dieses kann nnf 
von späteren Gedächtnisstugen verstanden werden, da sie 1519 
sicher noch nicht lertig waren. Hierauf dienten sie lange zur Auß- 
schmuclsuxmg des unter Paul V. zerstörten Theils der alten vatika- 
nischen Basiliea; dann hing man sie bei hohen Festtagen in der 
Vorhalle der St. Peterskirche auf, und sie sind jctztmit den erste- 
ren in demselben Sußlß aufgestellt.
        

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