Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788241
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Skzlnti 
Rafael. 
Diese zehn Tapeten aus der Apostelgeschichte, welche die Anf- 
sehcr gewöhnlich Arazzi della scuoln vecchia nennen, zum Unter- 
schiede von jenen aus dem Leben Jesu(Araz1.i della scuola nuova), 
erlitten mancherlei Schicksale, da sie zweimal entwendet Wttrrlnn, 
Bei der 1527 erfolgten Plünderung Roms nahmen sie die Truppen 
Carl V. mit sich, und sie kamen, man weiss nicht wie, an den 
Connctable Anne de Montmorency, der sie ausbessern liess und 
1553 dem Pabst restituirte. Diese Nachricht ist der Tapete mit der 
Predigt des hl. Paulus eingewirlst, mit dem Wappen der Montrno- 
rency. Das zweiteinal, in der Revolution von 1798 entwendet, ha- 
men sie in die Hände der Juden, welche durch Verbrennung das 
Gold daraus gewinnen wollten; allein der Versuch mit der Tapete, 
welche die Erlösung der Seelen aus dein Limbu; vor-Steine, Cm- 
sprach ihren Erwartungen nicht, und so verkauften sie die noch 
übrigen Tapeten nach Genua. lm Jahre 1303 11955 Sie Pius V[1_ 
wieder erstehen, und im Jahre 1814 hängte man sie in den oberen, 
nach Pius V. benannten Zimmern des Vatilsan auf. In Folge die- 
ser Schicksale haben die Teppiche von ihrem Glanze viel verloren 
und mit Ausnahme der halben Tapete mit der Erblindung des Ely- 
mas, welche zur Hälfte zerstört ist, sind alle sehr verblasst und 
aussgebessert, aber nach mehr als drei Jahrhunderten sprechen 
diese Schatten ehemaliger Herrlichkeit noch als hohe Meisterwerke 
jeden an. Sieben der Cartons befinden sich jetzt im Pallaste Hamp- 
ton-Court in England. Diese Cartons waren noch zur Zeit des Bu- 
bens in Arras, er empfahl sie aber 1650 dem kunstliebenden liö- 
nig Carl l., der diesen herrlichen Iiunstschatz auch um eine be- 
deutende Summe erstand und in Whitehall aufbewahrte. Nach dem 
tragischen Ende des Königs, als X619 alle Hunstschiitze verkauft 
wurden, erlangte Cromwell nur so viel, dass der Staat diese sie- 
ben Cartons um 500 Pf. St. behielt. Unter Carl lI. hätte sie bei- 
nahe Ludwig XIV. erhalten. Bis dahin waren sie noch immun- in 
demselben Zustande geblieben, in welchem sie die Tapetenwirlici- 
gelassen hatten, nämlich in schmale Strieinen zerschnitten und an 
den Ccnturen mit der Nadel durchstochen. Erst Wilhelm lll. 
liess die Cartons durch William Cooke zusammenfügen, auf Lein- 
wand aufziehen, ausbessern, und in einem von Christ. Wren in 
Hampton-Court erbauten Saal aufstellen, aus welchem sie aber 
einige Wanderungen machen mussten. Dadurch mussten einige 
leiden, und auch ungeschickte lliinde kamen dariiber. 1m Ganzen 
jedoch sind sie dennoch von befriedigender Wirkung und einige 
machen selbst jetzt noch einen so frischen Eindruck, wie man es 
bei Wasserfarbcngemiilden nach mehr als drei Jahrhunderten kaum 
erwarten sollte. 
Die drei übrigen Cartons sind nicht mehr erhalten. Nach dem 
Zeugnisse des Anonymen des 'iVIorelli besass der Cardinal Dome- 
nico Griinani 1521 den Garten der Bekehrung Pauli. Die Tep- 
piche hat der geheime Legationsrath Dr. lißrl Bunsen zuerst in ih- 
rer richtigen Folge zusammengesetzt, wie Sie in die zehn Räume 
passen, welche durch die Pfeilerabthcilungen im Presbyterium 
der Sixtina gebildet werden , näxnlich_ lunt zu jeder Seite, 
von der Hinterwand neben dem Altar anlangend bis an das den 
vorderen Baum abschlicsseude Gitter. Da nun auf der Seite links 
der 'I'hron des Palastes steht, so musste ziothwendiger Weise eine 
etwas scluuälere 'l'apete ilnn zur Seite kommen, und diesen Baum 
entspricht genau (liejenigc mit der Steinigung des heil. Stephan. 
Hiedurch scheint zwar die chronologische Reihenfolge gestört, 
stellt sich aber, wie Passavant glaubt, vollkommen her, wenn der 
Thron als Mittelpunkt genommen wird, wo sodann zu dessen 
Seite nach dein Altare zu, dcr wunderbare Fischzug und die Uc-
        

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