Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788202
S4 
Santi 
(Sanzio) I 
Rafael- 
Ungleichheit der Malereien unter sich. der Hauptsache nach doch 
durch alle BafaeYs Genius durchleuchtet und in der Auffassung 
und Behandlung des Gegenstandes keine Verschiedenheit der In- 
dividualitiit hervortreten konnte. Wahrhaft bevvundernngswiirdig 
sind die meisten dieser biblischen Darstellungen, da sie alles Ueber- 
flüssige vermeidend, in grossen einfachen Ziigen die Begebenheit 
sprechend und auf eine historisch ideale Weise vor Augen führen. 
So erfreut auch im höchsten Grade die Fülle der Gestalten und 
der Gruppen, die schöne Anlage der Gewänder und die heitere 
Wirkung der iifters schillernden Farben, welche mit dem Beich- 
thume der sie umgebenden Ornamente in einer für den Sinn iiber- 
aus befriedigenden Harmonie stehen. So bcurtheilt Passavant diese 
VVerke, und jeder wird ihm bcistimmen, so wie den ltiunstsinn 
und den feinen Geschmack bewundern, der das Zeitalter Leu X. 
beherrschte. Dieser durchdrang alle Zweige der bildenden liunst, 
und äussert sich namentlich in den Loggien, welche Rafael mit al- 
lem Aufwande harmonischer Kunst ausschmiicken liess. Die Thii 
ren sind von Gian Barile auf's reichste mit Schnitzwerken verse- 
hen. und für den Fussboden bestellte Rafael die farbig glasirten 
Backsteine aus der Fabrik der della Robbia in Florenz, welche 
zusammengefügt das päbstliche Wappen auf buntem 'I'eppich dar- 
stellten. Durch diese Zusammenwirkung entstand in kurzer Zeit 
eine der grössten Zierden des päbstlichen Pallastes, die von so 
überwältigender Wirkung war, dass sie nach mehr als 500 Jahren 
und nach grossen Unbilden, welche das Werk erlitten hatte, noch 
jetzt unübertroffen dasteht, und stets neue Bewunderung erregt. 
Es scheint in Rafaefs Plan gelegen zu seyn, auch noch die andern 
Loggien desselben Geschosses auszuschmiicken, und, ausgehend 
von der letzten Darstellung aus dem neuen Testament, nun auch 
die Apostel- und l-leiligengeschichte zur Anschauung zu brin- 
gen. Aber sein frühzeitiger Tod verhinderte ihn an der Ausfüh- 
rung und als unter GregorXlll. der von Vasari so gepriesene Orna- 
menten-Maler Manco da Faenza die zweite llcihe der Loggien 
ausmalte, zeigte sich nur zu auffallend das schnelle Sinken des gu- 
ten Geschmackes. 
Die 52 Iiuppelbilder der Loggien RafaePs sind folgenden ln- 
halts, nach den Arkaden eingetheilt: 
Arkade I. 
a) Gott Vater trennt das Licht von der Finsterniss. Der 
Originalentwurf ist in derSammlnng des Grafen Rang- 
 hiasci zu Gubbio. 
b) Gott trennt das Wasser von der Erde. Ein mit der 
Feder gezeichneter Entwurf, lavirt und weiss gehöht, 
kam au; der Sammlung des Isaac Walraven in jene 
von A. liutgers. 
c) Die Schöpfung der Sonne und des Mondes. 
d) Die Erschaffung der Thiere. 
Alle diese Bilder sind von Giulio Romano gemalt. 
e) Sockel: Gott heiliget den siebenten Tag. Den Fe- 
derentwurf zum. Gott Vater bcsass liichardson. 
Accade II. 
a) Die Erschaffung der Eva, nach Vasari von Giulio Ro- 
mano gemalt. A. Butgers besass den Federentwurf; 
Henry llevely ihn 1787. 
 b) der Sündenfall. Die Eva soll von Rafael selbst ge- 
malt Seyn; allein Passavant fand weder die Zeich-
        

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