Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788177
Santi 
Rafael. 
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ein kleines Haus iri Flammen, über dessen llrIauer sich eine Mut- 
ter herahbüclst, um dem unten stehenden lNIanne den Säugling her- 
abzureichen. Ganz vorn 1st die berühmte Gruppe des lträiftigen 
Mannes, der nacht seinen nachten alten Vater aus dem Brande 
trägt. und von seinem Iinaläen begleitet wird. Den mittleren Theil 
des Vorgrulides nehmen mehrere Frauen mit liiridern ein, bewun- 
derllngättdifflige Gruppen , und zur rechten Seite erblichen wir die 
Bemühungen von Pvliinnern und Frauen. das Feuer zu löschen. 
Von vorzüglicher Schönheit ist das VVeib, mit dem vom Winde 
bewegten lqileide, welches einem jungen Manne zwei Gefiisse mit 
Wasser reiChl, aber noch berühmter die Wlassertriigerin, die mit 
einem YVassergefiisse auf dem liopfe die Stiege herabsteigt, deren 
schöner NVuchs und mächtige Formen durch die storh bewegte 
Kleidung auf das bestiininteste durchscheinen. Rafael zeigt sich in 
diesem Gemälde als vollendeter Meister, der alles zu erreichen im 
Stande ist. An drzimatischem Interesse, an Schönheit der Coinpusi- 
tion, an Meisterschaft in der Ausführung wird dieses Bild Vßn 
keinem seiner anderen überboten. Bei der Zeichnung des Nämli- 
ten dagegen, die hier sehr in Anwendung ham, liess Rafael sich 
mehr von dem Bestreben leiten, gleich wie Miahel Angele zu thuu 
pflegte, ein gewisses Ideal der menschlichen Bildung darzustellen, 
die in einer ungewöhnlichen Fülle besteht, als sich strenge an das 
Studium der Natur zu halten. Da er liun nicht völlig die tiefe 
anatomischen lieuntnisse, noch die verwaltende Grosshcit seines Ne- 
benbuhlers besass, so können wir nach Passevant in einer gewissen 
Beziehung in des Vasari Ausspruch einstimmen , indem dieser sagt: 
wYVenn Raphael bei der Behandlungweise wie bei den Sibyllen in 
St. Maria dclla Pace geblieben wäre, und nicht gesucht hiitte sie 
zu ändern und grandioser zu halten, um zu zeigen, dass er das 
Nackte eben so gut, wie lNlichel Angclo verstehe, so würde er 
nicht einen Theil des hohen Ruhms eingebüsst haben, den er sich 
erworben hatte; denn obgleich die nackten Figuren, welche er im 
Burgbrand malte, gut sind, so kann man sie doch nicht in allen 
Theilen vortrefflich ncniienu. So hart auch dieses Urtheil lautet, 
da fragliche Figuren im Burgbrand immerhin als Meisterstiiclte gel- 
ten miissen, so liegt nach Passavant doch das Wahre darin, dass 
Rafael, der die Fähigkeit hatte, das Charakteristische und Eigen- 
thiimliche in den Formen schärfer als irgend ein anderer Künstler 
seiner Zeit zu erfassen und darzustellen, grösseren Ruhm bei der 
Darstellung des Nackten erlangt haben würde, wäre er seinem ei- 
genen Genius getreu geblieben, ohne den Prinzipien der Kunst 
des Michel Angele solchen Einfluss bei sich zu gestatten. Diese 
Ansicht Passavantfs erhält noch grüsseren Bestand, wenn wir Ra- 
faePs Studien zu dem Manne, welcher seinen 'alten Vater trägt, und 
zu dein sich herablassenden Jüngling in der Sammlung des Erz- 
hßrlugs Carl betrachten, da diese von einer so charactervollen 
Wahrheit und Schönheit sind, von einem so lebendigen und fei- 
nen Gefühl der Zeichnung, wie sich diese Eigenschaften in solchem 
Grade nur in den besten antiken Bildwerheu vorfinden. Hätte 
llafael diese seine Kunst bei der Ausführung in Fresco unver- 
rucht im Auge behalten, so würde er sich in seiner Eigcnthümlich- 
hell, die Natur in ihrer grösten Mannigfaltigkeit zu erfassen, ebßP 
S? unvergleichbar gezeigt haben, als Michel Angele in seiner nrl- 
gtnellßl] Erhabenheit, oder wie dieser sagt, ein seinerIiunstu._Passa- 
Eint durfte durch diese Auseinandersetzung einen Streit 1"_ df" 
unsthritik geschlichtet haben, der seit Vasarfs Zeiten bis auf die 
unsrigcn gedauert hat.  
Am Sockel des Zimmer: sieht man sitzendeiFiguren von Fur-
        

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