Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788164
Santi 
BafaelQ 
Rafael gemalten Darstellung sieht nicht beziehen, so liess er aus dank- 
barer Liebe zum Meister sie doch stehen. Seine Malereien bringen 
merkwürdige Ereignisse aus der Regierung zweier Päpste des Na- 
mens Leo zur Anschauung und geben im Allgemeinen eine Vor- 
stellung der päpstlichen Nlacht und VViirde. 
Das erste Bild ist dem Leben Leo's III. entnommen, und stellt 
der, wie derselbe in Gegenwart Carls des Grossen durch einen 
Schwur auf das Evangelium die Beschuldigung der Neffen des ver- 
storbenen Papstes Hatirian I. von sich abweist. Der Papst. hier LeoX. 
von seinen Diacoxlen umgehen vor dem Altar, legt die Hand auf 
das heilige Buch. Links vor einigen Bischöfen steht der Franken- 
ltönig im Iileide eines römischen Senators, mit aufgehobener Hand, 
um die Versammlung über das Leben Leois zu befragen, worauf 
er eine Stimme vernahm, welche rief: nPrima sedes a nemine jndi- 
calurts. Diese Worte Stehen unter dem Gemälde und neben dem 
mediceischen Wappen in der Fensterleibung liest man: LEO X. 
PONT. MAX. ANNO. CHRISTI IYICCCCCXVII,  PONTIFICATZ 
SVl. ANNO lIlI. 
Das zweite Wandgemälde stellt die Iiaiserlarönung Carls des 
Grossen durch Leo III. dar. Letzterer, in Gestalt Leo X. umge- 
ben von seinen Cardinal-Bischiifen, setzt dem vor ihm knienden 
Iiönige die Iirone auf das Haupt, und dieser selbst erscheint hier 
als Franz I. von Frankreich, in Anspielung auf den Vertrag, wel- 
chen der Papst mit ihm geschlossen. Neben dem Altare ist die 
Bühne fiir den Siingcrchor, und vor diesem tragen jYliinnei' die 
Geschenke des neuen römischen Iiaisers. Die römische Architek- 
tur des Grundes zeigt wohl die St. Peterskirche, wie sie Rafael zu 
bauen gedachte.  
Dieses Bild hat durch die Herstellung ein etwas triibes Anse. 
hen erhalten, es zeigen aber doch noch viele Köpfe, ligggn- 
ders unter den Bischöfen, eine so lebendige und meisterhafte Be- 
handlung, dass RafaeYs Hand in ihm nicht zu verkennen ist. Wir 
wissen aus Vasari, dass viele Bildnisse sind. 
Das dritte Bild führt uns an den Hafen von Ostia, wo die Sa- 
razenen auf das heisse Flehen das Pabstes Leo des IV. und durch 
Gottes Hiilfe, der einen heftigen Sturm sendet, besiegt werden. 
Die Schlacht und den Untergang der Schiffe sehen wir in der 
Ferne, der Pabst aber, hier wieder Leo X., sitzt von den Cardinii- 
len Giulio de' Medici und Bernardo Dovizio da Bibiena umgeben, 
um Ufer dem Himmel dankend. Mehrere der Gefangenen liegen 
bereits zu seinen Fiissen gefesselt, andere bringt ein Boot. 
Dieses Gemälde hat wegen eines sich darunter befindlichen Ca- 
mins mehr als die übrigen gelitten und ist theilweise stark übernialt. 
Schon Sebastian del Piombo hatte diese Malereien stark überarbei- 
tet, wodurch er sich unbewusst von Titian den Vorwurf eines ße. 
sudlers zuzog. Nach Titi wäre die Ausführung dem Gaudenzio 
Ferrari zuzuschreiben. 
Das ausgezeichnetste Gemälde dieses Zimmers ist jedoch der von 
Piafacfs Iland selbst ausgeführte Burgbrand, welcher nach Anasta- 
sins dem Bibliothekar 847 in der Vorstadt Borgo nuovo mit der 
grösten Heftigkeit ausbrach, so dass alle menschlichen Bemühun- 
gen vergebens waren. In dieser Bedräingniss erscheint Pabst Leo 
lV. in einer Loggia des Vatiltans, und erhebt die Hand zum Se- 
gen, welchen das auf den Iinieti liegende Voll: gläubig annimmt. 
Diese Darstellung, nebst einer Ansieht der alten Faeade der St- 
Peterskirche, bildet den Hintergrund. Links im Vurgrunde steht
        

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