Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788104
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Santi 
Rafael. 
war aber das Bild, wenigstens in den Ilaupttheilembereits vollendet, 
indem Rafael in dem Briefe sagt, er habe sich bei seiner Galathea 
aus Mangel eines schönen Modells eines gewissen Ideals der 
Schönheit bedient. Dieses ist zugleich auch jene Stelle, in wel- 
cher Rafael sein Bild selbst benennt, so dass er sicher die Gala- 
thea vorstellen wollte. Passavant bleibt ebenfalls bei dieser An- 
nahme, entgegen denjenigen, welche darin die Amphitrite oder 
Venus von Nymphen umgeben, eine Liebesgöttin sehen wol- 
len, über welche der Lichesgott bald seines Sicges gewiss seyn 
werde. Passavant erkennt in diesem Bilde den Sieg der höheren 
Schönheit und einer dem Himmel zugewendeten Schönheit über üp- 
pige Fülle und Lust, oder den Triumph des psychischen Lebens 
überdas sinnliche. Die Formen sindindessen in beider Hinsichtgleich 
mächtig, und von reizender Fülle. S0 viel ist aber ganz gewiss, 
dass dies eines der herrlichsten Bilder ist, welche je die Malerei 
hervorgebracht hat. Ilafael hat es fast ganz mit eigener Hand aus- 
geführt; nur der vordere Triton mit der Nymphe linlss scheint 
fremde Theilnahme vermuthcn zu lassen. 
Wir müssen hier auch der Geschichte eines Kopfes gedenken, der 
in einer Lunette des Saales, auf den rohen Entwurf mit der Kohle 
gezeichnet ist. Dieses soll Michel Angclo gcthan haben bei Gele- 
genheit eines Besuches, der dem Sebastian del Piombo galt, der 
aber nicht zu treffen war. Dieser Kopf blieb stehen, Sci C5, düSS 
Sebastiano das Werk seines Meisters ehren , oder Chigi selbst das 
Andenken an diese Geschichte erhalten wollte; irrig ist aber die 
Behauptung, Michel Angelo habe dem Rafael seinen Besuch zuge- 
dacht und ihn durch diese Zeichnung hufmcistern wollen. Seba- 
stiano del Piombo hatte nämlich die oberen Lunetten früher vollen 
det als Rafael sein Wandbild darunter begann und Sebastiano 
wird daher nicht ohne Ursache diese Lunettc mit dem ro- 
hen Bcwurf stehen lassen haben. Fürs Andere hätte Michel An- 
gelo, nachdem das Gerüst zur Malerei der Lunelten wcggengm- 
men war, nicht ohne grossc Umstände an den hohen Ort, wo 
sich dieser grandiose Iiopf befindet, gelangen können. 
Die Farncsina ist jetzt Eigcnthuln des Iiiinigs von Neapel, da 
sie durch Erbschaft an ihn übcrging. Den Namen hat dieses liaus 
vom Cardinnl Alcsandro Farnese, der es 1580 bei einem öffentli- 
chen Anfgebote zur Tilgung von Schulden kaufte. ljaylc in sci- 
nem Dictionnaire (Art. Chigi), Richardsou im Traitö de la pein- 
ture, und Bossi in den Noten zuiioscoe geben zwar an, dass 
Paul IIL, ein Farncse, den Erben des Agostino Cbigi das Haus ge- 
waltsam entrissen habe; allein Fea (Notizie etc. p. p. 5-) Zeigt die 
Unrichtigkeit jener Angabe. 
Der Carton zu dem Bilde der Galalhea scheint zu Grunde ge- 
gangen zu seyn. Auch die Zeichnung, Wßlßltß B- Picart 8115 llvm 
Cabinet Vilenbrock publicirte, und die von Longhena erwähnte ci- 
nes Triton und einer Nereirle in der Akademie zu Venedig, erl-xliirt 
Passavant als apohryphisch. 
Von den Oelbildern, welche Rafael um diese Zeit ausführte, 
nennen wir vor allen die Bildnisse des Giuliano und Lurenzo de" 
Medici, die beide sich nicht mehr vorfinden. Dass aber läalael 
diese Fürsten gemalt habe, bestiitliget Vnsari, welcher sagt, dass 
sich ihre Portraitc bei den Erben des Ottaviano dc' iVlcdici befan- 
den. Von dem Bildnisse des Giuliano, welches Rafael nach Passa- 
Vßm 1515 Oder 1514 gemalt haben laiitintc, befindet sich in der 
florentinischen Gallerie eine Copic, die jetzt dem Alessanrlrn Al- 
luri zugeschrieben wird. " Er trügt einen lturzen Bart, sein Haar. 
in ein gelbes Netz gebunden, bedeckt ein schwarzes Barctt mit drei
        

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