Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788084
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Santi 
Rafael. 
geradamit der Vollendung dieser Bilder beschäftigt war, besuch- 
ten ihn zwei befreundete Cardinäle, die sich verabredet hatten, 
die Figur zu tacleln, um Rafael zum Widerspruche zu bringen. Sie 
behaupteten, dass die Köpfe der Apostel zu roth seyen, aber 
schnell erwiederte Raphael: "Wundert euch dessen nichßmeine ver- 
ehrten Herren, ich habe dieses mit gröster Ueberlegung gethan, 
denn man muss vermuthen, dass die Heiligen Petrus und Paulus im 
Himmel eben so stark, als hier auf dem Bilde erröthen, aus Scham 
dass ihre Kirche von solchen Leuten, wie ihr seid, regiert werde". 
So berichtet Graf Cnstiglione in Seinem Cortegiano, ohne zu sa- 
gen, dass diese Bilder von Fra Bartolomeo angefangen waren, Pas- 
savant glaubt aber dassselbe gemeint seyen. 
Unter den Meistern, welche BafaePs und Michel Angela's Ruf 
nach Rom zog,_ist auch Leonardo da Vinci, welcher nach einer 
eigenhäudigeu Notiz vom 24- September 1515, ehedem in der Am- 
hrosiana, jetzt auf der Bibliothek in Paris, mit einigen Schülern 
sich aufmachte, um in Rom noch einmal mit Michel Angelo in 
die Schranken zu treten, und zu sehen, ob derRuf des lieblichen 
Rafael sich dem seinen zur Seite stellen dürfe. Leonardo kam un- 
ter glücklichen Auspizien in Rom an, und wurde daselbst vom 
Papste wohl aufgenommen. Er malte da fiir den Iiirchenfursten 
jene hl. Familie, die jetzt in der Eremitage zu St. Petersburg sich 
befindet, Leonardo bewies damit, dass er in gründlicher Zeich- 
nung und vollendeter Modellirung von Niemanden, selbst von Mi- 
chael Angelo nicht, sondern nur in gradioser Bildung überboten 
werden konnte. Allein er gerieth dennoch mit Buonarotti bald in 
einen heftigen Streit, so dass er darauf Rom verliess. Rafael wird 
ihm sicher seine Anerkennung nicht versagt haben, da er fremdes 
Verdienst ehrte, wo er es fand. Wir wissen ja dieses von Albrecht 
Diirer, welchen Rafaelbewunderte. Sie iihersendeten sich beide hul- 
digend Geschenke, und blieben fortwährend in freundschaftlicher 
Verbindung. Von den Zeichnungen, welche Raphael dem deut- 
schem Meister schickte, ist in der Sammlung des Erzherzogs Carl 
noch ein kräftiges Studium in Rothstein von zwei unbekleidcten 
Männern, wovon der eine zu dem Hauptmanne diente, welcher im 
Sieg über die Sarazenen zu Ostia neben dem Pabste steht. Diirer 
schrieb eigenhändig auf dieses Blatt: v1515. Rafael von Urbino, 
der bei dem Pabst so hoch geachtet ist, hat dieses nackte Bild ge- 
macht und hat sie den Albrecht Dürer gen Nürnberg gesChiclit, 
um seine Hand zu weisente. Dürer überschickte neben seinem 
Bildnisse auch Hupferstiche an Rafael. Fiir diese Vervielfältigung 
der Gemälde durch den Stich interessirtc sich der grosse Urbiner 
besonders, und war daher sehr erfreut, als Marc Anton nach Rom 
kam, der berühmte Stecher Hafnelseher Werke. Das erste Blatt, 
Welches er nach Rafael stach, ist eine Lucretia, welche den Bei- 
fall des Meisters in solchem Grade erregter ClHSS er sogleich noch 
andere Zeichnungen machte, um ebenso wie A. Dürer durch lin- 
ferstiche Zeugnisse seines Genius III alle Welt zu senden. Nach 
äasari waren die ersten Blätter, welche Marc Anton nach ehenge- 
nannter Lukretia unternahm, das Ürtheil des Paris, Neptun das 
Meer beschwichtigend nach der Aeneide, der Iiindermorrl, u. s. w, 
Da nun ein Studium zu dem Manne in der letzteren Darstellung, 
welcher die (liebende Frau verfolgt, sich auf demselben Blatte be. 
findet, Worauf Rafael auch" das Studium zu einer der Frauen 
im Urtheil Salomorfs im Zimmer della Segnattira gezeichnet, so fol- 
gert Passavant daraus, _dass dessen Entstehungszeit um 1510 fällt, 
oder in dasselbe Jahr, in welchem Marc Anton die Iiletterer nach
        

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