Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788051
Santi 
(Sanzio) v 
Rafael. 
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schon die grosse Abwechslung der drei unter sich so verschieden- 
artigen Hauptgruppen, die verständige klare Anordnung, die Wahl- 
heit und das Leben in jeder einzelnen Figur im höchsten Grade 
ansprechen, so haben wir in der Malerei selbst auch die freie und. 
breite Behandlung, die Correklheit der Zeichnung und die Schön- 
heit des Coloi-its zu bewundern. Dieses ist in dem Pabste und sei- 
nem Gefolge lebenswahr, in den erscheinenden _Aposteln von himm- 
liscliem Glanze und von flaclieriger Wirkung in dem wilden Hun- 
nenvolk. Die Behauptung derjenigen, dass in Attila das Bildnis; 
Ludwig XII. von Frankreich zu erkennen sei, ist ohnc Grund, 
wenn auch Qyraldnsin einem lateinischen Gedichte, welches Boscoe 
im Leben Leo X. gibt, diese Begebenheit unter dem Bilde der Ver- 
treibung der Hunnen durch St. Lco besingt. Auch stellt der Kol- 
bentriiger nicht den Perugino vor, wie andere meinen. 
Die oben erwähnte Zeichnung ohne Pabst im Pariser Museum 
595355 1530 Gabriel Vendrauiini in Venedig, und dann Carlo 
Maratti. 
Der Sockel unter den Waridgemälden wird durch eilf allego- 
rische Figuren und vier Hermeii, die als Caryatiden dienen, in 
verschiedene Abtlieilungen getrennt, und iii diesen befinden sich 
kleine Bilder. Die Figuren, gleich Statuen von vveissern Marmor, 
tragen das gemalte Gesims unter den Gemälden. Sie allegorisiren 
die Religion, das GCSCKZ, den Frieden, den Schutz, den Adel, 
den Handel, das Seewesen, die Schifffahrt, den Ueberlluss, die 
Viehzucht, den Ackerbau und die Weinlese. Die kleinen Bilder 
zwischen ihnen, iii gelber Bronzefarbe ausgeführt, haben ähnliche 
Beziehungen. 
Diese Bilder habe alle sehr gelitten. und wurden 1702- 1705 
von Carl ltlaralti zum Theil ganz erneut.  
In den Fensterleibungen sind grau in Grau gemalte und mit 
Gold gehiihte Grotleskcn und kleine Bilder, die aber ebenfalls sehr 
gelitten habe. Sie sind zum Theil unkenntlich geworden, oder 
neu überinalt. Wir haben aber 15 Rßdirungen von P. S. Bartoli 
nach diesen Bildern, welche folgenden Inhalts sind: Joseph vor 
Pharao; das rothe Meer; Moses empfängt die Gesetztafeln; die 
Verkündigung; der lYIesse lesende Pabst; die Sclienlsung Roms an 
den Pabst Silvester. 
Rafael 
unter Lco 
Julius' II. Energie und dessen grossartiger Unternehmungsgeist 
hatte Werke ins Leben gerufen, an welchen die Iiiinstler alle 
liriifte aufboten; sein Hauptbestreben ging aber dennoch auf Be- 
festigung der Hierarchie und auf die Unabhängigkeit Italiens von 
fremdem Joche. Der feingebildete, hunst- und prachtliebende Gio 
de' Medici, als Pabst der zehnte Leo, blieb in ersterer Hinsicht 
nicht znriiclsr, ja seine angestammte Liebe zu den Iiiinsten und 
Wissenschaften, und seine Freigebigkeit gegen diejenigen, die sie 
iibten, erwarben ihm selbst einen solchen Ruhm, dass die Ver- 
dienste seines Vorgängers in den Schatten traten. Unter Lc-o X- 
hatte sich am römischen Hofe das Leben freundlicher gestaltet; 
indem er die Strenge seines Vorgängers lnilderte, und im Denken 
und Handeln weitere Grenzen zog. Allein das gepriesene Zeitalter 
Ifeo X. ist keineswegs von Mängeln frei, und sicher nicht der ge- 
ringste Vorwurf ist derjenige einer zu grossen Üngebullflenhe" "11 
Denken und in den Sitten, und dass die aus dem classisehen Al- 
ißrlhurne gezogene höhere Bildung im Allgemeinen die christlichen 
Grundsätze immer mehr in den Hintergrund gedrängt hälllßll- S0
        

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