Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788033
Santi 
Rafael. 
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sieht hat dieses Bild Vorzüge; es ist auch rlarinnerc Leben , es 
äind dlie Chärallstere mit solcher Wahrheit und Meisterschaft be- 
aude t, un (35 Dramatische des Herren s ist auf solche VVeiSe 
hervorgehoben, dass mit Recht dieses Gvemiilde zu allen Zeiten die 
höchste Bewunderung erregte. IiafaePs hoher Genius offenbaret 
sich nach Pilsmvant auch noch besonders in -dcr Gruppe des Helio- 
dor, worin die stärksten APfekte dargestellt sind, ohneglass dadurch 
der Schönheit Eintrag geschehen.  
Der Carton zu diesem Gemiilde war schon zu Vasari's Zeit 
nicht mehr vollkommen erhalten. Damals waren im Hause Mas- 
sini zu (Jesetla nur noch einige Bruchstücke davon. Bellori sagt 
1m Leben des Carlo Maratti, dass dieser eine Zeichnung zum He- 
äiodor gehabt hülle; vielleicht diesselbe, welche jetzt v. Savigny 
esitzt. 
Das zweite _Bild in diesem Zimmer schildert eine wunderbare 
Begebenheit]; dig äich 1265 in der Iiirche der heil. Christina zu 
Bulsensrvvä ren er Messe zugetra en haben soll. Ein an der 
Ti-anssubstantiation zweifelnder lPriesgier sah aus der von ihm ge- 
weihten Hostie Blut fliessen, und von Stunde an schwand ihm der 
Zweifel. Das Fenster der Wand benutzend hat Rafael, wie auf 
Stufen über dasselbe erhöht in die Mitte eines Chors! den Altar 
gestellt, an welchem der Priester die heilige Handlung verrichtet, 
höchst betrolTen und beschämt über das Ereigniss und seinen 
Unglauben. Der dienende Priester und die drei Chorknaben, so- 
wie die tiefer hinter ihnen stehenden Männer und Frauen mit ih- 
ren Kindern, staunen alle den wunderbaren Vorfall an, oder be- 
sprechcnihn. Zur andern Seite des Altares kniet der Pabst,hier wie- 
der Julius 11., in angemessener Haltung, während einer der zwei 
-tiefer stehenden Carclhiäle zürnend nach dem ungläubigen Prie- 
ster blickt, der andere dagegen die Hände freudig faltet, Im er- 
steren erkennt man den von Vasari erwähnten Cardinal Bnfaele 
Biario, bekannt wegen seines Hasses und seiner zweimaligen Ver- 
schwiirung gegen die Medici. Den unteren Baum des Vorgrundes 
rechts nehmen fünf Soldaten der Schweizergarde ein, die beim 
päbstlichgn Tragsessel knien und sich wenig um das Ereigniss küm- 
mern. ie bilden einen auffallenden Gc ensatz zu der leicht er- 
regten Aufwallung des italienischen Volkesgauf der Seite gegenüber, 
oder zu der Geschmeidigkeit der geistlichen Hofleute. Der Natio- 
nalcharakter der Schweizer ist nach Passavant mit einer solchen 
VVahrheit dargestellt, dass man ihn noch heute in Individuen der 
jetzigen pabstlichen Leibwache zu erkennen Gelegenheit hat. Da- 
bei ist die Ausführung von so grosser Meisterschaft, dass man, 
wie Passavant bemerkt, sagen könnte, die Bildnisse seyeu gleich- 
sam von der Natur auf die Wand übertragen. Lokaltüne, Mittel- 
tinten und Farbenspicle sind so lebendig und kräftig behandelt, 
dass Rafael im breiten Vortrag des Fresco fast die Vorzüge der 
Oelmalerei erreicht hat. Die berühmten Fresken Titian's in der 
Seola di S. Antonio zu Padua, so lebensvoll sie auch sind, blei- 
ben weit zurück gegen die Vollkommenheiten, welche hier Rafael 
erreicht hat. Er machte bei dem gründlichsten Studium keinen 
Strich umsonst, alle sind bedeutend, und nach der Verschieden- 
heit der Gegenstände, die sie vorstellen wollen, besonders gehand- 
habt, wozo die portraitartig behandelten Stoffe, als Sammti Tres" 
Seil, Weisszeug der Chorhemden u. s. w. eigenen Anlass gaben. 
Alles dieses ist mit einer Leichtigkeit ausgeführt und in ein so 
harmonisches Ganze gebracht, dass auch hierdurch Plßfßfil über al- 
l." Vergleich den ersten Bang unter den lfrescomälßfn 91915 "W01"
        

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