Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788024
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Santi 
(Sanzio) s 
Rafael. 
ren Kindern aus der Thüre des Hauses tritt. Dieses Bild ist ei- 
nes der schönsten des Meisters, leider sind aber die Farben, gleich 
den anderen der Decke sehr verblasst. 
Weniger ansprechend ist das Opfer Abrahams, das Zweite De- 
ckenbild. Abraham hält den Sohn auf dem Altare, ein Engel fasst 
ihn an der Hand, und ein anderer bringt, rechts herabschwebend, ei- 
nen Widder zum Opfern. Diese Art Engel in unangenehxner'Verkür- 
zung treffen wir öfters bei Rafael: zuerst im Bilde der Madonna 
del Baldachino, dann bei den Sibyllen in St. Maria della Pace und 
zuletzt in dem oben genannten Deckenbilde. 
Das dritte Gemälde an der Decke stellt Jakob vor, wie er im 
Traurne auf der Iliinmelsleiter Engel auf und absteigen sieht. Diese 
Conipositinn ist die geringste in dem Zimmer. Weit vorzüglicher 
hat Rafael den Gegenstand in den Loggien behandelt. 
Von ausserordentlicher Kraft und Energie ist aber die vierte 
Darstellung an der Decke, wie Gott Vater dem Moses im feurigen 
Büsche erscheint. Vom Glanze geblendet kniet dieser, sein Ge- 
sicht verhiillend, vor der hochauflodernclen Flamme, aus welcher 
eine herrliche Engelsgestalt ihm den ewigen Vater enthüllt. Im 
Museum zu Neapel ist ein Fragment des Originalcartons in schwar 
zer Kreide und mit Weiss gehöht, den knienden Moses vorstel- 
lend. Im Nachlass Lawrence befindet sich ein prachtvoller Feder- 
entwurf zu Gott Vater mit den Engeln. 
Das erste der grossen VVandbilder stellt den Heliodor dar, wie 
er auf Befehl des Königs Seleucus den Schatz des Tempels zu Je 
rusalem rauben will. Wir befinden uns hier im Tempel, und se- 
hen im Heiligthum den Hohenpriester mit anderen Priestern kniend 
zu Gott flehen, und das in verschiedenen Gruppen gelagerte Voll-z 
theilt gleiche Gefühle. Da erscheint plötzlich ein Heiter in golde- 
ner Rüstung, wie mit der Gewalt eines Wetterstrahles den Räuber 
niederschmetternd. 
Zwei göttliche Jünglinge von -hoher Schönheit folgen ihm zur 
Seite mit gleicher Schnelligkeit die Luft durchschneidend. Hclio- 
dor ist rechts vorn mit seinem Haube zur Erde niedergeworfen, 
während seine Leute im Schrecken davonfliehen. Die linke Seite 
des Vorgrunrles besetzt zum Theil das versammelte Volk, und ganz 
vorn sieht man Pabst Julius II. von ScsseltrE-igern getragen in cr- 
habener Würde das Ereigniss betrachtend. In der derben Gestalt 
des vorderen Sesselträgers ist der berühmte liupferstecher Marc 
Anton portraitirt, und neben ihm steht der Sekretär der Memo- 
riale, Gio. Pietro de Foliari aus Cremona- Die Gruppe mit dem 
Pabst hat als dem Gegenstande fremd, zufnaniiigfachei-ICrItik An- 
lass gegeben; allein dieser Tadel verschwindet, wenn wir das Bild 
von der allegorischen Seite betrachten. Julius wollte dieses Bild 
auf seine Vertreibung der Usurpatoren aus dem hircbezistaate be- 
zogen wissen, legte aber diesen Sinn nicht UPSpfllÜgllCli unter, 
denn in dem ersten Entwurfe, welcher der Staatsrath von Savigny 
in Berlin besitzt, fehlt diese Gruppe mit dem Pabste- 
In diesem Bilde brachte Rafael mehr als bis dahin geschehen, die 
V01! Vasari geriihmte neue Manier der Malerei in Anwendung, 
welche man auch die malerische nennt, da der breite flüssige Auf- 
trag der Farben und die grösserc Harmonie desGniizen ein gewis- 
ses Uebergewicht über die Strenge der Zeichnung erhielten. Es 
berrschtdarin ein ungewöhnlich starker tiefer Ton, so dass es scheint, 
Rafael habe die tiefe Färbung Giurgiuncis auch auf die Frescuma- 
lerei anzuwenden gesucht. Doch nicht allein in malerischer Hin-
        

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