Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1788006
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Santi 
(Sanzio) v 
Rafael. 
des Schlosses zu Gotha ist ebenfalls eine Copie dieses Bildes. Es 
finden sich auch noch andere Copien in Deutschland. 
Ein anderer Gönner RafaePs war Agostino Chigi aus Siena, 
ein reicher Kaufmann, der in Rom gewissermassen der Finanzmi- 
nister Julius Il. war, und auch als Beförderer der Kunst und Wis- 
senschaft in hohem Ansehen stand. Er liess sich durch B. Peruzzi 
ein prächtiges Wohnhaus bauen, jetzt di Farnesina genannt, welche 
Peruzzi, S. del Piombo, Rafael. A. Bazzi und G. Romano zu einem 
wahren Hunstpallast erhoben. Das früheste Document, welches die 
Bekanntschaft RafaePs mit diesem Mäcen beurkundet. ist cin Contrnht 
ChigPs mit dem Metalarbeiter Cesarino aus Perngia d. d. 10- Ne- 
vemb. 1510, zufolge dessen Cesarino für Chigi zwei runde Schüs- 
seln in Bronze fertigen sollte, zu welchen Haine] die Zeichnungen 
geliefert hat. Passavant vermuthet, dass wir noch eine derselben 
in dem köstlichen Federentwurf der sich im Dresdner liupferstieh- 
Cabinet befindet, besitzen. Die überaus phantasiereiche Zeichnung 
eines runden Randes zeigt Neptun als Beherrscher des Meeres von 
Tritonen, Nymphen und Amorinen umgeben. 
Bedeutender waren indessen die Aufträge, welche Rafael von Ago- 
stino Chigi fiir St. Maria della Pace und St. Maria del Populo 
erhielt, die er aber erst unter Leu X. ausführen konnte. In der 
ersteren Kirche malte Rafael in der ersten Capelle rechts über 
dem Bogen vier der Propheten, und eben so viele Sibyllen in 
Fresco. In der oberen Ahtheilung, die in der iVlittte ein Fenster 
hat, sehen wir auf jeder Seite zwei Propheten, von denen der eine 
steht, der andere sitzt. Hinter ihnen sieht man einen halberwach- 
senen Engel und oben ist noch ein schwebender Engellmabe. Un- 
ter den Propheten sieht man in Begleitung von sieben Engeln die 
herrlichen Gestalten der Sibyllen, Pcrgamentrollen xnit griechischen 
Inschriften haltend. Die Fresken dieser Capelle sind in der Be- 
handlung; ungleich, und die Propheten weit geringer, als die Si- 
byllen. Die Erfindung und selbst die Cartons gehören ohne Zwei- 
fel dem Ilafael an, die Malerei von den Propheten ist aber nach 
Passavant so schwach, die Wirkung so zerstreut, die Farben 
sind so gequält und unsicher aufgetragen, dass man auf fremde 
Hand schliessen muss. Diese leistete wahrscheinlich T. Viti, in- 
dem Vasari im Leben dieses Meisters sagt, er habe dem Rafael in 
St. Maria della Pace geholfen. Dieses muss man also von den Prophe- 
ten vermuthen, denn die Sibyllen nennt Vasari unter den Schönen 
Werken des Meisters das Schönste, schreibt aber diese Grussartig- 
lseit vornehmlich Wieder der Betrachtung der Werke Michel An- 
gela's in der Sixtina zu, was aber nur dahidzu versteinert ist, dass 
zwar die grossartigere Darstellungsweise, ßufdie Entwicklung von 
BafacPs Talent einwirkte, aber ohne dass er desswegcn seinelndivi- 
dualität aufgegeben hätte. Seine Bilder zeigenauch nicht im Geringsten 
eine Nachahmung des Michel Angele. Diese Gestalten sind auf 
das meisterhafteste ausgeführt, und es kann nach Passavant keinem 
Zweifel unterworfen bleiben, dass nur RafaePs eigene Hand sie 
hervorgebracht. In gewisser Beziehung stehen sie den drei Cardi- 
naltugenden in der Stanze della Segnatura nahe, allein sie sind 
noch freier und doch mit gleicher Sorgfalt behandelt; in der Wir- 
kung von grösserer Kraft und Haltung, in der Färbung tiefer und 
glühender. Die Zeit der Entstehung dieser grossartigcn Malereien 
ist nicht ganz genau zu bestimmen, Passavant glaubt aber, dass 
diese Fresken nicht vor 1514 ausgeführt worden seyen. In diesem 
Jahre dürfte aber nach;_seinei' Ansicht T. Viti die Propheten _und
        

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