Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787970
Santi 
(Sanzio) ß 
Rafael. 
341 
(I. S. 185. II. S. 142.) bezüchtiget ihn aber eines groben Verstos- 
ses, wenn der genannte Schriftsteller sagt, dass VVicar durch Mis- 
sirini zu allererst die Angabe aufgebracht habe, fragliches Portrait 
sei das des Bindo Altoviti, da es bis Bottari von allen für jenes 
des Bindo gehalten worden sei. Passavant sagt , dass es nur eines 
Blickes auf das Bildniss selbst bedürfe. um sich bei Iienntniss der 
echten Portraite, die Rafael von sich gemalt, sogleich zu überzeu- 
gen, dass es des Künstlers eigenes Bildniss nicht seyn könne; 
denn nicht nur sei des Bindo Gesicbtsbildung von der des Rafael 
sehr verschieden, sowohl in der Form der Nase als der des Mun- 
des und des starken Kinns, sondern das Portrait in München 
zeige auch blaue Augen und blonde Haare, welche beide bei Ba- 
fael dunkelbraun wären. Eben so wenig stimme der etwas üppige 
Ausdruck niit dem sinnigen und anmuthswrollen in den echten Bild- 
nissen BafaePs überein. Auch die Entstehung des Portraites ilimtllt 
Passavzint als Beweis für sich, indem er behauptet, das llildniss 
aus dem 1181156 AllQViIi sei nicht über das Jahr 1512 hinaufzuse- 
tzen, wo Rafael bereits 29. Jahre alt war, und das Bild des hü- 
nigs von Bayern stelle einen Jüngling von 22. Jahren dar, was 
gerade auf Bindo passe, der den 26. September 1490 geboren 
wurde. Dass Rafael den Bindo Alluviti gemalt habe, unterliegt 
wohl hcinem Zweifel, aber es ist dennoch nicht mit vollster Sirher- 
heil: zu behaupten, dass das erwähnte Bild in München ihn vor- 
stelle; gesetzt auch es komme aus dem Hause Altovili. Die Fa- 
milie hesass es nach Passavant nur 250 Jahre, also von 1558-- 
1808. Wu befand sich denn das Bild von 1512  1558? Warum 
hatten denn die Erben des Bindo ein schon damals berühmtes 
Bild von Rafael, und noch dazu das Portrait eines Mitgliedes der 
Familie, die ersten d? Jahre nicht im IIause? Nach dem, was 
Passavant übrigens über das Originalbildniss BafaeVs beibringl, 
wird man in lYlünchen allerdings den Glauben, RafaePs Portrait 
zu besitzen, aufgeben müssen; allein dass man dort am ersten von 
der Meinung BottarPs abgestanden, wie Passavant I. 186 vorgibt, ist 
wohl kaum anzunehmen, da noch im neuesten Cataloge der Pina- 
kothek dieser angebliche Bindo Altoviti als Rafael figurirt. 
Irn Pallaste Sarazani zu Siena und in der Sammlung des Cav. 
Carinine Lancett zu Neapel sind alte Gopien von diesem Bildnisse. 
Wie über das genannte Portrait, so ist auch über das oben- 
erwähnte Frauenbilrlniss der florentinischen Gallerie gestritten wurv 
den, und einige haben sogar die irrige Meinung gefasst, dass die- 
ses Bildniss, so wie jenes des angeblichen Binde, von Giorgionc ge- 
malt sei, da beide in der Behandlungsweise so aulTallend an jenen 
erinnern. Es ist diess das Brustbild einer schönen Dame, etwas 
links gewendet, im dunkelblauen Mieder von Saxnmt, über wel- 
ches sie ein mit Pelz besetztes Oberlaleid trägt, das sie mit der 
rechten Hand zierlich fasst. Auf ihrem Hßllplß trägt Slß Einen 
goldenen mit grün exnaillirten Blättern besetzten Iiranz. Im dun- 
kelgrauen Grunde steht die Jahrzahl 1512 mit goldenen Zahlen; 
auch andere Verzierungen am Mieder, am Kranz, und selbst 
Lichter in den Haaren sind mit Gold gehüllt- 
Dieses Bildniss gilt seit Bottari als jenes der Geliebten RafaePs, de? 
Fornarixla, und als solches ist es von Morghen u. a. auch gestochen, 
Allein dieser Angabe widerspricht Passavant, kann aber ebenfalls 
nur mutlnnasslich darin das Portrait der von Vasari ßfwlilllllü" 
Beatrice von Ferrara angeben, einer jener geistreichen IIDDYOVISR- 
tonnen, von denen keine nähere Kunde übrig geblieben läl- zu
        

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