Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787881
Santi 
Rafael. 
den Hauptbildcrn gesteht aber Passavant keine bedeutende Mitwir- 
kung anderer zu. 
Unter den Bildern in Oel, welche Rafael damals ausfiilirte, 
nennen wir vor allen das PortraitJulius II. im Kniestiirlt, obgleich 
es nicht bestimmt ist, dass es früher gemalt wurde als eines der 
folgenden. Der Pabst sitzt im Lehnsessel und legt beide Arme 
auf, indem er in der mit drei Ringen versehenen linken Hand ein 
Schnupftuyh hält. Den Iiupf bedeckt eine rothe Sammtmiitze, der 
weisse Bart geht bis auf die Brust. Rafael malte dieses Bildniss 
wahrscheinlich fiir den heiligen Vater selbst, der es in die Iiirche 
St. Maria del Popolo schenkte. Es ist dies jenes Bildniss, von 
welchem Vasari sagt, es sei so lebendig und wahr gemalt, dass 
man den Pahst selbst zu sehen glaube und sich vor ihm fürchte. 
womit aber nicht zu verstehen ist, als habe Rafael ihn als furcht- 
erregentlen Herrscher dargestellt, sondern er zeigt ihn uns hier 
in einem ruhigern Momente, obgleich daraus die ganze Individua- 
lität seines kräftigen und unternehmendcn Charakters durchblickt. 
Dieses Bildniss war noch zu Sandrarfs Zeit in der Iiirche und 
wurde nebst der Madonna di Loreto an hohen Festtagen dem Pub- 
likum gezeigt. Bildnisse dieses Pabstes gibt es viele, und man hat 
sich daher öfters gestritten, welchesdas Original sei, da einige dieser 
sicherlich unter PtafaePs Leitung ausgeführten Bilder vurtreHlich 
sind. Passavant sagt aber, bei den Künstlern unterliege es keinem 
Zweifel, dass das Originalportrait im Pallast Pitti zu Florenz sich 
befinde. Er weiss indessen nicht anzugeben, wie es dahin gekom- 
men, wenn das Bild des Pitti nicht dasjenige ist, welches aus der 
Erbschaft des Herzogs della Ruvere von Urbino an Vittoria seine 
Nichte, Gemahlin des Herzogs Ferdinando II. de' Medici, gelangte, 
Es ist unter allen Bildern dieser Art am geistreichsteii gezeichnet 
und iiiodellirt; die Nebendiiige, wie der leichte weisse Bart, die 
sammtne Kleidung u. dergl. sind vortrefflich behandelt. worin sich 
kein anderes mit ihiii messen kann. In Frankreich wurde das Bild 
etwas verputzt, und in diesem Zustande kam es 1315 aus dem LWIu- 
see Napoleon wieder zurück. Der Origiiialcarton, in sclnvarzer 
Iireide ausgeführt, in den Umrissen zum Bausen durchstochen, 
kam aus Rom nach Florenz in die Gallerie Corsini. 
Es finden sich mehrere Copien, worunter Passavant ein Exem- 
lar der Tribune zu Florenz ausgezeichnet nennt. Es _ist _vun pa- 
stosem Farbenaufti-ag, in der Moclellirung derb und richtig, aber 
ermangelt der Feinheit und des Lebens, vvelclies__im Original su 
bewunderiingswviirdig ist. Die Hände mit länglichen kingern, 
sing nachlässig gezeichnet, die Schatten der Cßrllüillärl 50b!" roth- 
braun. Der rothe Kragen ist zu stark lasirt, eriiiangelt daher des 
nöthigen, Lichtes. Die Beivverke sind etvvas steif behandelt, der 
Bart zu schwer und massenhaft. Viel geringer ist eine zweite Co- 
pie im Pallaste Pitti. 
Im Pallaste Borgliese zu Rom wird eine Copie dem Giulio Ro- 
mano zugeschrieben. Eine andere nicht ausgezeichnete, ist im 
Pallaste Corsini daselbst; aber etwas besser jciie der Gallerie Tor- 
lonia. Das Bild der Gallerie Giustiniani ist jetzt im Museum zu 
Berlin, nach von Rumohr ein Werk des Sebastiano del Pionibo. 
In der National Gallerie zu London ist jenes Exemplar, wel- 
ches in den Sammlungen Falconieri und Angersteiii war. Auch in 
der Gallerie Miles zu Leight Court bei Bristol sah Passavant ein 
Bild von vorzüglicher Schönheit. In England ist auch das Exem- 
plar der Gallerie Orleans.    
In Paris wurde 1826 ein Bild verkauft, welches aus der Hill-
        

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