Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787873
Sanli 
Rafael. 
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vasia entstanden, der imseiner Felsina pittriee (Bologna 1678) uns ein 
Miihrchen aufbiirdet. Er sagt nämlich, Rafael habe schon in Ur- 
bino ein Liebchen gefunden, und zwar in der Tochter eines Tö- 
pfers, für welchen er in Schäferstunilen Majoliea-Gefäisse bemalt 
habe, wesswegen er spottweise den berühmten Urbiner wil Boeca- 
lajo d'Urbinoit nennt. Diese Sage von der Tüpferstoehter haben 
viele als unhaltbar verworfen, bis endlich F. v. liumohr dieselbe 
wieder aufnahm, Weil er einen bemalten Teller fand, auf welchem 
ein blonder Jüngling dargestellt ist, wie er in einer Töpfer-werk- 
stätte ein Mädchen umarmt. Wäre nun an dißSer Sache etwas 
Wahres. so hätte allerdings die Töpferin von Ürbino -wober der 
Name Fornarina entstanden, wenn nichtin llOCll sehlimmerer Bedeu- 
tung--nßßlt Rum kommen können; allein Missirini (bei Longhena p. 
657) will wissen. das llafaePs Geliebte die Tochter eines Sodabren- 
ners in Rom gewesen, der über dem Tiberflusse bei St. Cäeilia wohnte. 
Man zeigt noch ein Häuschen mit einer schönen alterthiimlichen 
Fenstereiufassung von gebrannter Erde in der Strasse St. Dorothea 
Nre. 20 als ihr Geburtshaus. Dazu soll ehedem ein kleiner Gar- 
teu gehört haben, in den man über eine niedere Mauer hinein- 
seheu konnte, und darin soll dasliebliehe lllätlchen oft verweilt haben, 
so dass ihre Schönheit bald ins Gerede gekommen, besonders un- 
ter den liunstjiingern. Selbst Rafael soll die Wanderung in die 
Dorotheengasse unternommen, _und gerade das Mädchen über dein 
Fusehwaschen getroffen haben. was ihn in heftige Liebesgluth ver- 
setzte, die stete Nahrung fand, da Rafael sie an Liebenswürdig- 
keit und Adel der Seele weit iibcr ihren Stand erhoben fand. Diese 
Erzählung lautet zwar schön, und man könnte sogar eine Stelle 
aus einem seiner Sonette anziehen, um es wahrscheinlich zu ma- 
chen, dass Rafael durch eine ausserordentliche Erscheinung ge- 
fesselt worden sei, indem er sagt: 
vL'ora scsta era, che Yocaso un sole 
Aveva fatto, e l'altro surce in luclio 
Ati pin da far fatti, ehe parolem, 
allein man kannjetzt keine Folgerung mehr machen, indem Passavant 
auch die Sage MissirinPs als reine Erfindung erklärt. Die Person 
aber kann nicht geliiugnet werden, sei es denn dass sie eine Bö- 
merin ist, wie Passavant zu glauben geneigt ist, oder aus Urbino 
stammt. Ihre Ziige irersinnlichen uns nicht nur zwei von Rafael 
selbst gemalte Bildnisse, die wir weiter oben beschreiben, sondern 
sie diente auch zum lYIodclle bei andern Bildern des Meisters. 
Die Liebe hatte indessen Sein Herz nicht auschliesslich in Be- 
sitz genommen, er hatte auch für die Freundschaft seinen Sinn be- 
wahrt, wie wir dieses aus einem Briefe an Francia d. d. 5. Sep- 
tember 1:308 ersehen. Dieser Brief ist auch noch desswegen 
merkwürdig , da wir aus demselben wissen , dass Rafael da- 
mals schon Geliiilfen hatte, weil er sagt, er hätte sein dem Fran- 
cia Vcrspruchencs Bildniss zwar von einem solchen malen lassen 
und dann die letzte Hand anlegen können; allein es gehe nißllt 
an. Als Werke dieser Gehiilfen könnte man in der Stanza dßlla 
Segnatura einige Bilder der Decke betrachten, indem sie unter 
sieh sehr ungleich sind. Während einige, z. B- die allegoriäche 
F15"? der Poesie und der Sündenfall, RafaePs geistvolle Behand- 
lunäsweläß Zeigen und durch Schönheit begeistern, lassen nach 
Pilsßavant andere, so schön sie auch eomponirt sind, kalt und der 
Ansluhrung nach unbelriecligt. Dahin gehören, z. B. die ßllci?" 
Tläßlle Gestalt der Gerechtigkeit und das Urtlieil des APUHW A"
        

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