Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787837
Santi 
Rafael. 
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seine Tafel geschrieben. Epikur steigt die Stufen herab, und deu- 
tet im Gespräch mit Aristipp dem jüngeren nach dein stolzen , die 
Sinncngenussc veracbtcnden Stoiker. Als Repräsentanten des Ek- 
lekticismus, der dann begann, als der producirendc Geist der grie- 
chischen Philosophie an seine Gränze gelangt war, erklärt Passa- 
Vilnt den jungen Menschen, der, an die Wand gelehnt, auf einem 
Beine steht, um auf dem Iinie des quer aufgelegten anderen llci- 
nes zu schreiben. Das Haupt des zu gleicher Zeit auftauchenden 
Shepticismus ist Pyrrho von Elis, und diesen erkennt er in jenem, 
miissig auf dem Sockel eines Pilasters sich auflehnenden und Spiiii- 
tisch in das Buch des schreibenden Jiinglingä sehenden Philoso- 
phen. Der neben ihm stehende, wie unschlüssig mit dem Iiörpvr 
nach der einen und mit dem Kopf nach der andern Seite gewen- 
dete Philosoph wiire dann Arkesilas, der Stifter der neuen Aka- 
demie, und wenn man in dem in einen Mantel gehüllten, mit ei- 
nem Stab herbeikommenden Philosophie!) einen jener späteren, von 
Lucian verspotteten, mit Stock und Sack das Land durchziehen- 
den Cyniker erkennt, dann irväre nach Passavant wohl anzu- 
nehmen, dass in dem davon eilenden Jüngling Rafael sinnbildlich 
den Untergang der Philosophie der Griechen und den Lieber- 
gang zum Christenthum habe andeuten wollen. Noch bleibt die 
vordere Gruppe auf der rechten Seite der Betrachtung übrig. Py- 
thagoras gegenüber, der die spekulative Mathematik repriisentirt, 
sehen wir die praktische Mathematik dargestellt, zugleich aber fin- 
det Passavant auch angedeutet, wie nun der Geist von der Speku- 
lation sich mehr und mehr den Erfahrungswissenschaften zuge- 
wandt. Diese beginnen hier mit dem Unterrichtc in der Geome- 
trie, den ein Lehrer mehreren Jünglingen ertheilt, indem er, zur 
Erde gebeugt, die auf eine '.l'afel gezeichnete isagunische Figur 
mit einem Zirkel denionstrirt. Rafael hat in ihm das Bildniss Bra- 
mante's verewigt, ob er aber durch denselben Archimed oder Eu- 
klid habe bezeichnen wollen, ist unentschieden. In dem einen 
seiner Schüler hat Rafael das Bildniss des Herzogs Frederico lI. 
VQH Mantua dargestellt. Bei dieser Gruppe stehen noch zwei ehr- 
wurdige Gestalten, Repräsentanten der Astronomie und Astrologie. 
In dem vom Rücken gesehenen Manne in ltiiniglichcm Mantel und 
mit der Iiönigskrone haben wir den Astronomen Ptoloiuäus zu cr- 
kennen , und der bärtige Mann stellt Zoroaster vor. 
Alle diese Figuren und Gruppen erscheinen in einem Gebäude 
mit einer liuppel in der Mitte und mit ltrachtvollen Hallen, 
nach dem Plane des Architekten Bramante wie Vasari benach- 
rtchtet. In den vorderen Nischen rechts und links stehen die 
Statuen des Apollo und der Pallas. Unter Apollo sind  ZWIEi 
Beliefs sichtbar, wovon das untere den Raub einer Nymphe 
durch einen Triton, das obere aber Streit und Todscltlag vor- 
stellt. Unter Minerva ist ein Belief mit einer weiblichen allegori- 
Sßhßll Figur mit dem Stube, und zwei Gcnien zur Seite. Die er- 
steren dieser Darstellungen scheinen sich auf die Ilerrschaft der 
Naturtriebe Wollust und Zorn zu beziehen, das andere duf die 
Herrschaft, welche die ltöhere Philosophie über die wilden Natur- 
tricbe erlangt. 
Diese von Passavant gegebene Auslegung des Bildes der Phi- 
losüPhiß Weicht von den gewöhnlichen Angaben bei lärklärung (lie- 
ses Gemäldes sehr ab, wir nahmen aber liier dieselbe, als die WC- 
mger bekannte, zur Richtschnur, da sie sehr geistreich ist. und 
weil Passavant seine Autorität über alle andere erheht- IVÜYIIYCWS 
Anbei" die philosophischen Systeme der getianttten lißftfäßelllßlll-C": 
5- Tßllnemands und llixncfs Geschichten der Philosophie.
        

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