Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787803
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Sanli 
Rafael. 
mer in das Grabmal des Achilles niederlegen lässt, das andere den 
Iiniser Augustus, der die Freunde VirgiYs, Plantius Tucca und 
Varius abhält, rler letzwilligen Verfügung des Dichters zufolge die 
Aeneis zu verbrennen. 
In der technischen Behandlung schliesst (lieses Bild sich am 
nleisten an die der Theolugie an, obgleich es weniger sorgfältig 
erscheint. Im Faltcnwurf und in der Beleuchtung herrscht indes. 
sen eine breitere Behandlnngswveise. In der CUIIIPOSIIIUII findet 
man aber nicht denselben Beichlhum der Erfindung, dieselbe 'I'iefe 
in den Charakteren wie in ersterer. Am Architrav des Fensters 
liest man: JVLIVS II. PONT. MAX. ANN. CHliI. IVIDXI. PON- 
TIFICATVS. SVI. VIII. 
In der Casa Litta zu Mailand ist ein langes Bild mit dem Ur- 
theil des Apollo über Mzirsyas, welches dem Correggio zugeschrie- 
ben wird. 
Das dritte Gemälde der Stanza della Segnatura ist der Philo- 
sophie gewidmet, und unter  Namen der Schule von Athen 
bekannt. Das Uehergaiigsbild an der Decke stellt allegorisch die 
Betrachtung der Weltkörper vor, und iilier dem grossen Gemälde 
sitzt die allegorische Gestalt der Philosophie als Matrone auf dein 
Sessel. Die Bücher der Natur und die Sittenlehre liegen auf ih- 
rem Sehoosse, und in den Irarben und Stickereien ihres Gewandes 
sind sinnreich die vier Elemente (largestellt. Zuoberst in dem 
Sternbesäten Blau die Luft, dann im flammenden Pioth das Feuer, 
weiter nach unten in dein von Fischen durchfurchten Grün das 
Wasser und in dem mit Pllanzen geschmiicltten Braun die Erde. Zwei 
Knaben halten auf Tafeln die Inschrift: nßausarum cognition. 
Das unter dieser allegorischen Figur befindliche grosse Wand. 
gemülde stellt eine Versammlung von Philosophen der alten Welt 
in einer weiten prachtvollen Halle dar, die in Forschung und De- 
monstrationen begrilfen, und in verschiedene Schulen geordnet, 
uns ein überraschend klares Bild des Lebens der Philosophie vor 
Augen stellen, zunächst jenes der griechischen in ihrem Entwick- 
lungsgange. Die Erklärung dieses Bildes fand immer einige Schwie- 
rigkeit, und selbst die älteren Schriftsteller und Iiupterstecher 
weichen hierin von einander ab. Vasari sah in diesem Bilde die 
Vereinigung der Theologie und Philosophie durch die Astrologie 
und bezeichnet die Figur des Pythagoras als die des Evangelisten 
Matthäus. Auf dem Blatte, welches 1550 G. Mantuano gestochen 
hat, heisst es der Streit des Apostels Paulus mit den Stoikern und 
Epikiiraeern. Thomassin gab in seinem Stiche dem Plato und 
Aristoteles selbst Isleiligenscheine. Borghini und Loniazzo, deren 
Werke 1581i. erschienen, theilcn die Ansicht VasarPs, aber Sea- 
nclli (Microcosmo della pittura II. 159) Sah m_ Plato und Aristote. 
les die Apostel Petrus .und Paulus das _Clll'lSt8lNhUlI1 predigen. 
Richtiger hat Bellori (Desc. delle iniinagine dipime da ßafaenm 
Roma 1695) den Gegenstand aufgetasst. Im Einzelnen folgte 
er indessen, wie Passavant sagt, aus Mangel an gründlicher 
lienntniss unsicliern Nachrichten und Ueberlieferungen, auf de. 
nen seitdem ol't sehr willhiihrlich fortgebaut worden ist. Den 
rechten Schlüssel will aber Passavant gelunden haben, wozu ihm 
vor allen Diogenes Laertius verhalf, welcher die meisten Nach- 
richten über griechische Philosophen gibt. Daraus folgert Passa- 
vant, dass Rafael in dem Gemälde der Schule von Athen den Ent- 
ivicltlungsgnng der Philosophie bei den Griechen habe veranschau- 
lichen wollen, genau in chronologischer Folge. Passavant erblickt
        

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