Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787792
Fra Angelicn da Fiesole und Fra Bartolomeo. In der Behandlung 
des Fresco sind, wie bei Perugiitu, noch viele Schraffirungen und 
mit Gold aulgesetzte Verzierungen angebracht. Im Nlachwerk ist 
aber das Bild ungleich, indem man nach der rechten Seite zu eine 
grösserc Freiheit bemerkt, su dass er hier der Nachhilfe mit Schraf- 
firungen in Leimfarbe aufs Trockene weniger bedurfte, als im 
Uebrigen. An Schärfe und Lebendigkeit der Charakteristik, an 
Adel der Gestalten, an Beichthum und Tiefe der Cotnposilittn. an 
Freiheit einer noch streng symmetrischen Anordnung, an jener iicht 
religiösen Haltung hat er sich später selbst nicht mehr übertroffen. 
Auch in der Färbung ist dieses Gemälde schon ausgezeichnet, im 
Allgemeinen von einer Harmonie, die in Frcsco selten erreicht 
WllTl- Welche Anstrengungen sich Rafael kosten liess, das Voll- 
kommene zu erreichen, wie er in immer schönem Entwürfen die 
Idee tief und klar auszusprechen sich bestrebte. beweisen die Zeich- 
nungen und Skizzen in den Sammlungen des Königs von England 
und bei CrozaytürEr-zherzogs Carl und im Nachlnsse Lawretiee, 
die Passavant Ü. Q6 namentlich aufzählt. 
Den Uebergang vom Bilde der Theologie zu jenem der Poesie 
bildet an der Decke die von Apollo über Marsyas verhängte Strafe, 
und als Uebersclirift zu dem unter dem Namen des Parnassea 
bekannten Hauptbildes dient die allegorische Figur der Poesie, eine 
herrliche Gestalt, welche mit ausgebreiteten Schwingen in Wolken 
auf einem mit Masken gezierten Sessel sitzt. Sie wendet den Blick 
ihres blendend schönen Antlitzes in Begeisterung nach den hiihe- 
ren Regionen, worauf auch das mit Sternen geschmückte Schulter- 
hand deutet. Zu ihren Seiten sitzen zwei Geiiieii init Tafeln, auf 
welche die Worte vvNumiue alllaturu stehen. Das unter dein Bilde 
befindliche grosse Wandgemälde zeigt uns die auf dem Parnass 
versammelten grossen alten und neuern Dichter. Apollo sitzt in 
einem Lorbeerhain an der Hippokrene, umgeben von den in zwei 
Scliaaren getheilten Musen. Etwas zur Linken singt der blinde 
Homer, und ein Jüngling ist im Begriffe seine Heldensngen auf 
eine Rolle zu schreiben. Hinter ihm steht Virgil mit Dante im 
Gespräche, und ein vierter Dichter soll nach Bellori BafaeVs Bild- 
niss tragen, was Passavant widerspricht. Auf derselben Seite im 
Vorgrundc stehen Anakreon, Alciius und Petrarca mit der theba- 
nischen Corinna in Unterredung. Gegenüber im Vorgrunde rechts 
sitzt Pindar in begeisterter Rede zu Horaz gewendet, der bewun- 
dernd zu ihm heiantritt. Die zwei darauffulgenden Dichter sind 
Portraite, von denen nach Passavant das eine den Tihaldeo vor- 
stellen diirfte. Etwas ferner sieht man Ovid im Gespräche mit ei- 
nem der drei im Hintcrgrunde stehenden Poeten. Dieses grossar- 
tige Bild erinnert uns in der liehandlungswveise an einen der geist- 
reiclien, liiihercn Zirkel Italiens der damaligen Zeit. Selbst Apollo 
musste nach Art der Iiuprovisatoren statt der üblichen Lyra die 
Violine ergreiten, wie man glaubt um das Andenken des Virtuosen 
Giacoino Sansecoudo zu verewigen, dessen B. Castiglione im Cor- 
tegiano mit besonderem Lobe gedenkt. Dass Rafael hier irgend 
einem Einflusse nachgegeben habe, scheint richtig zu seyn , indem 
sich im Nachlnsse Lawrence ein früherer Entwurf findet, in wel- 
chem der Gott die Lyra hält und weniger aifektirt in der Bewe- 
guflg ist. Ausdruck und Stellung erscheinen portraitähnlich und 
keineswegs angemessen. Auch noch mehrere andere Studien Wfin- 
den sich. Den Baum unter dem Parnass, zu den Seiten des 139W 
sters füllten zwei grau in Grau gemalte Bilder , WOVQ" das 
eine Alexander den Gressen vorstellt, wie er die Gesänge des Ho- 
(III
        

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