Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787777
Santi 
Rafael. 
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Werken SantPs weichen, die, wie Passavant zu beweisen sucht, 
nicht nur in der Atlsführunv, sondern auch in der Conce tion das 
liigenthum des grossen Uiiiuiners sind, während man fiiiiher ge- 
glaubt hat, dass die Idee vom Pabste selbst oder von einem (ie- 
lehrten seines Hofes herrühre. Im Einzelnen dürfte er sich des 
läathes von Gelehrten bedient haben, wie dieses aus einem in lti- 
chardson's 'l'raite de la peinture p. 553 erwähnten Brief an Lodo- 
vico Ariosto erhellet, welchen Rafael über die im Bilde der Theo- 
logie unznhringenden Personen befragt. Julius ll. wollte kein 
Gelehrter seynlund sich in seiner von Michel Angele für Bo- 
logna ausgeführten Statue sogar lieber mit dem Schwerte als mit 
dem Buche sehen. ltafaeFs Bilder; in der Stanza della Scgnatura 
beziehen sich auf die geistigen Iiichtixngen, auf denen das höhere 
Leben des Menschen beruht, durch die allegorisch-symbolische 
Darstellung der Theologie, Philosophie, Poesie und Jurisprudenz 
ist der Umifang aller Erkenntniss und Wissenschaft des Menschen 
gargestellt. Rafael begann mit der Theologie, und übertraf mit 
iesem Bilde die Erwartun des Pabstes in so hohem Grade, dass 
er sogleich beschloss, alle feine Zimmer von ihm ausmalen zu las- 
sen, und befahl, dass alle darin ausgeführte Malereien, so wie 
auch die Decke des Zimmers der Segnatura her-abgeschlagen wiir- 
den. Rafael fand aber in Betracht der schönen Eintheilungcn und 
der reichen Verzierungen der Decke für gut, nur die acht grösse- 
ren Felder zu neuen Darstellungen zu benutzen und die kleine- 
ren Zwischenhildei- mit mythologischen Gegenständen, so wie 
das lVIittelhilil mit des Pabstes Wappen von einigen Genien gehal- 
ten stehen zu lassen. Die vier grosscn Bunde im Kreuzgewölbe 
verwendete er zu allegorischen Figuren, die den grüssern Wand- 
bildern gleichsam als Üebcrschriflen dienen, während er die lan- 
gen Felder in den Ecken der Decke als Uebergangsbilder benutzte. 
dass heisst, solche Gegenstände in ihnen darstellte, welche in ei- 
ner zweifachen Beziehung zu den zwischen ihnen befindlichen 
Hauptbildern stehen. Die sämmtlichen Bilder an der Decke sind 
auf einem xnosaik-ähnlichen Goldgrund gemalt. 
Ueber dem Bilde der Theologie, welches nach W'asari gewiihn. 
lich Dispute ganaxitit wird, sitzt die allegorische Gestalt der 
Theologie auf Wolken, mit dem Buche in der Linken, und mit 
der Rechten nach dem Himmel deutend. Das mit einem weissen 
Schleier umhiillte Ilaupt ist mit einem Oliveukranz geschmückt. 
und in der rothen Farbe des Unterkleides, und in der grünen du 
Mantels erkennt man die theologischen Tugenden der Liebe und 
Iloffnung im Glauben. Zwei Engellsnaben zu ihren Seiten halten 
Tafeln mit den VVorten nDivinnruin rerum notitian. Unter dieser 
allegorischen Gestalt sieht man das der Theologie entsprechende 
grosse Wandgeniiilcle, welches nach einer lirriggäzn Ansichtdtle; (ie- 
etistandes der Streit über das Sacramcnt ( a isputri e Su- 
gramento) genannt wird, während hier die durch die Erlösung 
erfolgte XVietlervereinig-ung des gefallenen Megichengeschlechtes 
mit Gott und die fortwährende Vereinigun mit ristus im Glau- 
ben an dic Eucharistie dargestellt ist. g 
Als Einleitung zum grossen Wandgemälde sehen wir an der 
Decke den Sündenfall dargestellt, dessen Folgen der Iißillllld 
mit seinem Tode sühnte. Oben im Himmel des l-lauptbildcs cr- 
Scfieint Gott Vater umgeben von Seraphim und Cherubitn und den 
Schaaren der Engel, und unter ihm thront der Heiland, welcher 
den hl. Geist herabsendct zur Erleuchtung der von ihm gßßllflelßll 
hlFChe. Zur Rechten Christi sitzt in Demuth die heil. Jungfrau, 
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