Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787721
blauen Mantels hinterliess, findet Passavant nicht haltbar, da das 
Gemälde noch gegenwärtig unvollendet ist. Aus dem Hause Sal- 
viati zu Florenz kam es durch Erbschaft an die Colonna in lloin, 
und von der Maria Colonna, Gemahlin des Duca Giulio Lante 
della Rovere erstand es Dr. Bumsen, der preussische Minister 
Resident in Rom, für das Berliner Museum. Im Hause des 
Marehese Guadagni zu Florenz ist eine schöne Copie aus Ra- 
fael's Zeit. Eine zweite Copie, jene aus dem Hause Aldobran- 
clini, besitzt jetzt der Advocat Swainston in London. Eine dritte 
besass in letzterer Zeit der Iiunsthändler Emmerson iu London. 
Das Bild, welches Rafael für den Edelmann aus Siena malte 
und dem llf Ghirlandajo zur Vollendung hinterliess, ist nach l'as- 
savant die unter dem Namen vvla belle Jardinierc-u bekannte Ma- 
donna irn Museum des Louvre, welche Franz l. auch wirklich vonei- 
nem sienesischen Edelmanne erstanden haben soll, nach einer, auch 
von Lepicid (Catalogue des tabl. du Boy Paris 1752 p. 81) wieder 
aufgenommenen Tradition, die nur auf einer Verinuthuxig zu be- 
ruhen scheint. Passavant glaubt indessen die Hiilfe des Ghirlan- 
dajo zu erkennen, und zwar durch einige Verworreuheit am un- 
teren Theile des tiefblauen lYIantels, da der übrige Theil des Bil- 
des mit viel Studium und sehr geistreich behandelt ist. Rafael zeigt 
uns hier die Madonna in der reinsten Jungfriiulichkeit, wie in ei- 
ncr reich mit Blumen und Pflanzen bewachsenen Wiese sie auf ei- 
nem Steine sitzt und mit unaussprechlicher Deiniith und Grazie 
das links vor ihr stehende Christuskind betrachtet, welches das 
eine Aerinchen in der Mutter Schooss legt und voll Liebe zu ihr 
hinaufbliclit. Der klcineJohnnnes kniet rechts sich aufsein Iireuz- 
eher; stützend. In, der Landschaft des Grundes sieht man Berge, 
einen Fluss und eine Stadt. Dieses herrliche, oben abgerundete Bild 
ist mit viel Studium, aber meisterhaft und geistreich behandelt, 
von grosser Schönheit in der Zeichnung, und von so seeleiivol- 
lein. himmlisch reinem Ausdruck der verschiedenen Charaktere, 
dass dieses lYladunnenbild als eines der schönsten BafaePs zu be- 
trachten ist. Es trügt im [lande die Inschrift: liAPl-IAELLO. VRB. 
und die Jahr-zahl lVlDVlL, wie Dr. Waagen (Ii. u. li- S. .157.) be- 
merkt. llafael müsste daher das Bild längere Zeit zurückgestellt 
haben. wenn er es bei seiner Abreise nach Rom dem ll. Gliirlaxi- 
dajo zur Vollendung hinterliess. Waagen glaubt aber nicht, dass 
dies die schöne Gärtnerin sei, da Rafael ein unfertige-s Bild kaum 
bezeichnet hätte. Die Verworrenheit am blauen Mantel, wovon 
Passavant spricht, diirfte nicht von Ghirlandajifs llämd herrühren, 
da Waagen sagt, dass das blaue Gewand sehr gelitten habe. Die- 
ser Schriftsteller glaubt auch, v. BUIllOhP habe mit viel mehr Wahr- 
scheinlichkeit die Madonna di Casa Colouna in Berlin für das 
von Ghirlandajo vollendete Bild gehalten- Waagen fand beim Ver- 
gleiche auch die Bestätigung, dass die Matloniia aus dem Hause 
Colonna etwas später, wohl gewiss in das Jahr 1508 falle. Hat zu. 
letzt Ghirlandajo nur die oben genannten goldenen Verzierungen 
des Colonna'schen Bildes aufgetragen. 011116 85 Zu wagen, den Pin- 
sel weiter anzusetzen "ä Dann ist noch zu bemerken, dass Leygntt in 
London ein zweites Exemplar der_ Jardiniere besitze, welches 
1328 in Paris, wo es der Besitzer, ein Amerikaner Namens Wil- 
liam, von Landry auf neue Leinwand überziehen liess, selbst von 
den berühmten Malern Ingres und Gros als ein Originalbild er- 
klärt wurde. S0 (31155 das Gemälde im Louvre Copie seyn musste. 
Dieser Meinung sind in England einige noch gegenwärtig, Passa- 
vam (11, S. 37), und WVaagen (lI. 219), erkennen aber in dem
        

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