Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787712
Santi 
Rafael. 
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Die Hände der Madonna sind etwas nachlässig gezeichnet und 
zu stark in den Formen; die linke ist selbst in der Verkürzung 
inisslunqen. Die Ausfiihrun" findet aber Passavant so frei und 
geistvoli). die Färbung so bliihend, dass diese Mangel leicht iiber- 
ßellßn Weiden. lu der Färbung liegt indessen gerade kein lääftlpt- 
vorzu dieses Bildes es muss von seiner ursiriin liehen  iithe 
viel värloren haben. i i g 
l Dieses Bild befand sich lauge unbeachtet im Pallaste Tempi, 
)iS es endlich der Arzt des Hauses ltervtirzog und dessen 
Schönheit verkündete. Später erstand es Iiiinig Ludwig von Bayern 
um 16.000 Scudi für dessen Pinakothek. Der OriginalC-Wrlßn lwfin- 
det sich im Museum Fabre zu ltlontpellier. Bei I1. van Hansclaer 
in Gent sah Passavant eine alte Copie, aber statt einer Landschaft, 
wie im Münchner Bilde, mit grauem Hintergruntle. Neuere Co- 
pien sind in München vom Maler Ortlieb gefertiget. 
Ein Madonnenbild von ausgezeichneter Schönheit und geist- 
rcicher Behandlung ist auch das lebensgrosse Bniestiick der Ma- 
donna aus dem lliiuse NiCClJlllli zu Florenz, gegenwärtig in der 
Gallerie des Grafen Cowper zu Panslmngc-r. Die heil. Jungfrau 
sitzt links gewendet fast im Profil , und hält mit der Rechten das 
mit einem weissen Kissen in ihrem Sclioosse sitzende, den Be- 
scliaucr lächelnd anbliclaencle Christkind. Sie betrachtet es mit dem 
Rafael eigenthiimlichen Zauber der Aninuth und legt die linke 
Hand auf die Brust. Den Grund bildet eine blaue Himinelsfarbe. 
An der lileirlerverzierung an der Achsel stellt in goldenen Lettern 
MDVllI. B. V. Das Bild ist von voitrelflicher Erhaltung, bis auf 
die verwaschene linke Hand. Mr. Little, Sohn des Lord Rams- 
Worth, besitzt eine Copie dieses Bildes. Eine andere malte Mrs. 
Cosway in Lodi, als der Lord das Original erstand. 
Y n Eine überaus graziöse Gestalt der Madonna ist jene aus dem 
i! aste Colonna, die man 'etzt in der Gallerie des Museums zu 
Berlin bewundert. Sie hält din kleines Büchlein in der Hand, und 
fasst mit der Rechten das Christkind, welches anniuthig in der 
Bewegung sich an dem Brustsauin ihres Kleides hält. Den Hin- 
tergrund bildet etwas Landschaft. Es ist aber dies ein unvollen- 
detes Bild. an dem die Haare und der Schleier kaum mit Farben 
bedeckt sind. Dem Weisszeug fehlen noch die Schatten, den 
Yleischtheilen noch die letzte Vollendung, so dass selbst an der 
Hand der Maria einzelne Theile in": Grunde der blauen Luft noch 
nicht zugedeckt sind. Dem rothen Iileide ermangelt noch in den 
Schatten die gehöriee Tiefe des Tons, welche nur durch öfteres 
Üebergehen zu erreibchen ist. Unter solchen Umständen darf man 
nach Passavaut als sicher annehmen, dass die goldenen Verzierun- 
iienv die das Letzte sind. was der Maler am Bilde zu machen 
Pncgla von anderer Hand aufgesetzt wurden, um dem Bilde das 
Ansehen der Vollendung zu geben. Demohngeachtet, fährt Passa- 
vmll M", macht es schon einen bezaubernden Eindruck und be- 
Welft nur, wie die Leben und Geist athinenden Ziige des grossen 
Meisters schon in ihrer ersten Anlage den vollen Begrit? von dem 
geben. was in der Conception inihöchster Vollkoiiamenheit da- 
Slalld- Den Ausdruck der Maria bezeichnet aber der genannte 
Schriftsteller als einen, der an die Grenze des Gezierten streift, 
Was in dem Bilde des Grafen Cowper mit dem Iiinde der Fall isl- 
d. Der Ursprüngliche Besitzer dieses Bild ist man bekannt, denn 
nmfmelßllng des F. v._Ptum0hr, dass es dasjenige sei, welches 
G299] h": einen sienesischen Edelmann malte und dem 3150"" 
irlandzqo bei seiner Abreise nach ltom -zur Vollendung des
        

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