Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787705
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Santi 
Rafael. 
gruppe BuonarnttPs damals noch nicht gesehen haben. Wenn 
daher in der Bildung eine gewisse Uebereinstimiriung zu bemer- 
ken ist, so muss diese vielmehr in dem beiderseits benutzten, viel 
älteren Typus der Gestalt des I-Ieilandes gesucht werden. Dann 
herichtigct Passavant auch eine Vermuthung C. v. Huinuhfs (III. 
69  71), welcher die Ausführung des Gemäldes grosseritlicils dem 
Bidolfo Ghirlandajo zusclireibt. Bumohr sagt, dass in diesem be- 
wunderten Bilde das Pathetische kalt lasse, und der Auftrag der 
Farbe eine Glätte, eine Aengstlichkeit in der Nachahmung der vor- 
gezeichneten Umrisse zeige, die in einem Bilde Rafaefs befremd- 
lich bleibe; dass ferner in der malerischen Ausführung Manches 
an Züge erinnere, welche seinem Freunde Bidoltb bis in sein spä- 
testes Alter eigenthiimlich geblieben seyen. Dieser Behauptung wi- 
derspricht Passavant durchaus, indem er das, was v. llumolir als 
Aengstlichkeit der Ausführung bezeichnet, der Sorgfalt des lYIei. 
sters zureclinet. Bidolfds Behandlungsweise erkernt er ebenfalls 
nicht, da dieser nie zu einer solchen Schärfe der Zeichnung und 
ltlodellirung gelangte, noch zu einer solchen Iflarheit im Ton 
der Färbung. Rafael fiihrte das, Gemälde in Perugia aus, während 
Ghirlandaju nie Florenz verlicss, wie wir aus Vasari wissen. Pas- 
savant erkennt in diesem Werke die alleinige Vollendung Bafaels, 
während v. Rumohr nur ein Nebenwerk, die Piedella, von Rafael 
gemalt glaubt. 
Diese Grablegung befindet sich jetzt mit der Prcdella in der 
Gallerie Borghese zu Rum , indem sie 1607 die Mönche an Pabst 
Paul V. verkauften, zur grosseu Betriibniss der Peruginer. Aii 
ihre Stelle kaiii eine tüchtige Copie von Cav. d'Arpino. Das Bild 
des ewigen Vaters sieht man noch gegenwärtig .n S. Franzesco zu 
Perugia über dem Altarbilde der Geburt von Oraziu Alfani. Es 
ist in einen lialbkreisförmigen Rahmen eingesetzt, und mit eilt 
Eiigelknalaen umgeben, die von Stefano Amadei gemalt seyn sollen. 
Es gibt auch Copien von dieser Grablegung. Eine sehr schöne 
alte. dem F. Penni zugeschriebene Cupie erstard Wilh. von Hum- 
boldt. Cav. Crivelli kaufte aus dem Nachlasse ;les Malers Antonio 
Cnmerio eine solche mit der Aufschrift: J. F. Pcnni lYIDXVIll. 
Diese Copie soll aus dein Hause der Grafen von Canossa stammen. 
In S. Pietro Maggiure zu Perugia ist eine etwas kleinere Coliie 
von Sassoferrato, und in S. Agostino daselbst sieht man in der 
Sakristei eine alte Copie mit dem Gott Vater darüber. 
 Als ein Bild, welches dem Charakter der Zeichnung nach zu 
derselben Zeit, wie die Grablegung entstanden, bezeichnet Passa- 
vant die herrliche, lebensgrosse halbe Figur der heil. Catharina 
von Alexandrien. Sie legt die rechte Hand auf die Brust und 
stützt sich mit dem linken Arm auf das Rad. Im Ausdrucke der 
seligsten Begeisterung blickt sie nach dem Himmel. Im landschaft- 
lichen Hintergrunde sieht man einen Fluss. Dieses B.ld ist mit einer 
höchst geistreichen Leichtigkeit behandelt, und im Allgemeinen vor- 
treHlich erhalten. Nur am Ansatz der Haare und im Schatten der 
Stirne sind einige leichte Uebermalungen bemerkbar. Aus der 
Gallerie Aldobrandini erstand es Hr. Day aus London und ver- 
kaufte es an Lord Northwick um 2000 L. Jetzt beiitzt William 
Beckford in Bath dieses Gemälde. Den Carton in der Grösse des 
Gemäldes bewahrt die Pariser Sammlung von Zeichnuigen. In der 
Sammlung des Herzogs von Devonshire zu Cliatsworti ist die Fe- 
derzeichnung der ganzen Figur. Prinz Trubetzkoy i: St. Peters- 
burg besitzt eine alte Oopie. 
Von grosser Lieblichkeit ist auch das Madonnenlild aus dem 
j-Iause Tempi. Maria stehend, rechts gewendet, etwas mehr als 
halbe Figur, druckt mit bezaubernder Innigkeit das Kind an sich.
        

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