Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787607
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Santi 
Rafael, 
in einem dersfrüheren Bilder. Diesen entschiedenen Fortschritt 
betrachtet man als Frucht des Studiums der Werke Masaccids. 
in den Charakteren zeigt sich aber eine Schönheit und Tiefe, die 
Rafael nur Seinem eigenen Genius verdankt. 
Diese genannte Darstellung malte Rafael im oberen Theile. 
der durch einen Spitzbogen eingeschlossen ist. Die Ausführung 
des unteren Bildes wurde durch seine Berufung nach Rom verzö- 
gert, und zuletzt unmöglich gemacht. Die Mönche scheinen aber 
die Hoffnung erst bei llafacfs Tod aufgegeben zu haben, denn 
erst 1521 übertrugen sie dem Pietro Perugino die Vollendung. Es 
scheint aber kein Carton von Rafael vorhanden gewesen zu seyn. 
denn die sechs stehender: Heiligen, welche Perugino malte, sind 
von dessen eigener Erfindung und geben nur zu sehr die Alters- 
schwäche des Meisters zu erkennen. Wahrscheinlich erst nach 
Vollendung der unteren Hälfte durch Perugino wurde folgende ln- 
schrift gesetzt: 
Raphael de Urbino Domino Octaviano Stephans Volaterrano 
Priore Sanctam 'I'rinitatem Angeles astantes Sanetosque pinxit 
A. D. MDV., und vermuthlich erst nach Vollendung des Bildes 
durch Perugino wurde die nachträgliche Inschrift hinzugefügt: 
Petrus de Castro Plebis Perusinus tempore Domini Silvestri 
Stephani Volaterrani a dexteris et sinistris Divae Cristiferae Saiic. 
tos Sanetasque pinxit A. D. MDXXI. 
BaFaePs 
zweiter 
Aufenthalt 
in 
Florenz. 
BafaeYs Abreise von Urliino scheint unverhofft und eilig gewesen zu 
seyn, denn er hinterliess das Frescubild in S. Severo unvollendet, und 
auch der Auftrag der Nonnen vonlVIonte Luce bei Perugia, die vun 
dem damals 22 jährigen liiinstler eine Himmelfahrt Maria wollten um- 
len lassen, blieb unerledigt. S_ie machten ihm im September des 
Jahres 1505 den Antrag, und die Abtissin gab ihm bereits ein Auf- 
geld von 50 Dukaten, wie _wir durch Passavunt wissen. Das Ge- 
mälde begann aber Rafael nicht, doch könnte er den Nonnen noch 
die schöne Zeichnung vorgelegt haben, welche aus dem Pallast 
Borghese in den Besitz des Malers Sir Thumas Lawrence gelangte. 
Periigizfs beschränktes Iiunstlcben scheint ihm von nun an nicht 
mehr genügt zu haben, und es zog ihn wieder nach Florenz, Wu 
ein regeres Streben seiner wartete. Seinefriiheren Huflstgenussen 
empfingen ihn freudig, und alle fühlten sich neu entflammt, wenn 
der liebenswiirdige-Urbiner iiii Hause des Architekten und Bild- 
schnitzers Baccio clüägnnlo, wo sich ein Kreis von Jiingern und 
Freunden der Kunst versammelt hatte, üben liunst verhandelte. 
Wir wissen durch Vasari die Namen der vorziiglichsten Mitglieder 
dieser Gesellschaft. Man traf da den Andrea Sansovino, Filippino 
Lippi, Benedetto da Majano, Simone Cronaca, die beiden San 
Gallo, Francesco Granacci  selten nur den Michel Angdn, 
Auch einige ausgezeichnete Burger und Adelige fanden sich bei 
Baccio d'Agnolo ein. Unter ersteren wird Lurgnzo Nasi genannt, 
der bei dem talentvollen liiinstler ]enes Madnnnennild be5ten[g' 
welches unter dem Namen der Madonna mit Stieglitz (del Cardel- 
lino) bekannt ist. Maria sitzend in einer Landschaft, hält ein Buch 
in der Linken und betrachtet liebreich den kleinen Johannes, der 
links stehend dem liinde einen Vogel reicht. Dieses, gleichfalls 
auf der Erde stehend. lehnt sich in den Slihooss der Mutter; ganze 
Figuren in halber Lrebensgrösse. In dein landschaftlichen Hinter- 
grunde sieht man eine Bruclie und drei Bäumchen. Dieses Bild
        

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