Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787564
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Santi 
Rafael. 
in den plastischen Theil der Iiunst und gründlicherer Kenntniss 
des Einzelnen die Sculptur und Malerei ihrer Vollendung entge- 
genführte. Die Werke dieser Meister entflammten den edlen 
Jüngling, und durch sie fand er den VVeg, der seiner cigenthiim. 
lichen Natur angemessen war und ihn siegreich zum Ziele führte. 
Dass Rafael in der von Masaccio aiisgemalten Capelle de" Brancacci 
bei den Carmelitern zu Florenz mit anderen seiner liunstgenossen 
studirte, berichtet nicht nur Vasari, sondern Passavant fand dieses 
selbst in mehreren seiner Werke begründet. Für den Einfluss 
des Leonardo, der indessen erst etwas später eintrat, finden 
sich ebenfalls Documente, besonders Zeichnungen, welche ent- 
schieden als Lennardische Nachahmungen erkannt werden, be- 
sonders in dem Skizzenbuchc des Meisters in Venedig. Doch 
verliess Rafael die Manier Peruginds nur nach und nach, wie 
schon Vasari bemerkt, und nicht ohne Anstrengung. da sich 
Rafael so zu sagen Peruginds ganze Natur angeeignet hatte. 
Als eines der ersten Bilder, die Rafael in Florenz ausführte, be- 
zeichnet Passavant die schöne" Madonna del Granduca, die, noch 
sehr an die Schule des Perugino crinnernd, doch schon eine 
grossartigere , einfachere Haltung zeigt. Rafael erstrebte in 
diesem Bilde eine so jungfräuliche, über alles Sinnliche erhabene 
Schönheit, dass sie nach Passavant einen unbeschreiblichen, wahr- 
haft keusch bezaubernden Reiz ausübt, der so ungeinischt und ent- 
schieden nie wieder in seinen Bildern der hl. Jungfrau vorkömmt. 
Hier sehen wir sie mit holdselig gesenktem Blicke in liebevoller 
Sorge für ihr göttliches Kind, welches von der Mutter auf dem 
Arme gehalten, kindlich sich an sie anschmiegt und aus dem Bilde 
herausschaut. Den Grund bildet ein klares, aber tiefes Dunkel, 
aus dem die ergreifende Erscheinung kräftig und leuchtend lier- 
vortritt. Dieses Madonnenbild war lange ungel-aannt in Florenz 
verborgen, bis es der Grossherzog Ferdinand III. erstand, und es 
auf seinen verliängnissvollen Wanderungen stets bei sich führte, 
woher der Name des Bildes. Diese Verehrung scheint aber in noch 
grösserein Maasse auf die jetzige Grossherzogin von Tfuskana über- 
gegangen zu scyn, die in ihrem Schlafzimmer oft iin Gebete vor 
diesem Bilde wachte. Die Federzeichnung zum Maclonnenkopfe ist in 
der Ilurentinischen Sammlung. Den mit Silberstift gezeichneten 
liupf des Kindes hat Passavant. Eine schöne Copic dieser Madonna" 
del Granduca, wahrscheinlich von einem der früheren Schiller 
RafaePs, besass in neuester Zeit ein russischer Iiunstfreund. lin 
Hintergründe ist darin Landschaft angebracht. 
Noch ein anderes schönes Marienbild aus dieser _Epoche ist nach 
Passavant in einem Bund, welches vielleicht seit seiner Entstehung 
sich in der Familie der Herzoge von Terranuova aus Genua, jetzt 
in Neapel befindet. Wir sehen hier Maria von drei Iiinilern uni- 
geben, wie sie voll Bewunderung sich nach dem kleinen Johannes 
wendet, der in liebender Verehrung mit dem auf ihrem Schuosse 
sitzenden Christkind einen Pergamentstreifen hält, auf welchem die 
Worte „Ecce Agnus Dei" zu lesen sind. Zur anderen Seite steht 
der dritte heilige Knabe auf das linie der Maria gelehnt und nach 
dein Heilande hinaufschaiiend. Ueber die Mauerbrüstung des Grun- 
des sieht man in eine felsige Landschaft mit einer Stadt. Am 
Brustsaum des Kleides der Maria steht in einem doppelten lireis 
der Buchstabe M, was einigen Zweifel erregen könnte, ob das Bild 
wirklich von Rafael sei; allein Passavant fand in Compositiun und 
Ausführung volle Beweise für liafaefs Hand. Der Charakter der 
Köpfe erinnert an die Madonna des Grossherzugs. Dieses Bild hat 
nur an wenigen 'I'heilen durch das Reinigen gelitten. In der flu-
        

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