Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787498
Santi 
Bafarl. 
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von unberührter Reinheit, nur sind durch allzugrosse Trockenheit 
einige Punkte der Farben ausgesprungen. 
Ein anderes köstliches Andachtsbildchen, mit halben Figuren, 
ist jetzt im kgl. Museum zu Berlin. Es stellt die heil. Jungfrau 
dar, welche das Christkind im Schoosse auf einem Kissen hält, 
während St. Hieronymus und St. Franciscus zu beiden Seiten stehen. 
Gleich der Madonna der Gräfin Alfani ist auch diese einem 
Vorbild von Perugino nachgeahmt, denn in der Sammlung des Erz- 
herzngs Carl zu Wien ist nach Passavatit ein Entwurf denselben, 
der bis auf das Iiind, welches einen Pergamentstreifen hält, und 
der einen Hand der Maria, welche das Fiisschen des Kindes fasst, 
im Uebrigen mit dem Bilde RafaePs übereinstimmt. C. A. Favart 
hat 1818 diese Zeichnung radirt, und lithographirt finden wir sie 
in Mansfeld's Facsiiniles. Ehemals befand sich das Bildchen in 
Berlin in der Gallerie Borghese. Das Museum erwarb es um 
1829 vom Grafen von der Bupp. Im Pallast Filippo Donini zu 
Perugia befindet sich eine genaue Copie in einem ausgezeichnet 
kostbaren Rahmen. Daher findet es Passavant wahrscheinlich, dass 
ursprünglich daselbst das Original aufbewahrt wurde. 
In einer früheren Epoche, nach Passavanfs Vermuthung in 
der Zeit, als Raphael das Crucifix für die Dominicaner Iiirche iu 
Cittzi tli Castello malte, entstand ein anderes Madonnenbilclchen, 
jetzt gleichfalls im Berliner lYluseum. Es kommt aus der Samm- 
lung Solly, und stellt die in einer Landschaft sitzende Maria dar, 
welche in einem Buche liest und liebreich mit der Linken das 
Füsschen des auf ihrem Sehoosse sitzenden Christkindes fasst. 
Das Iiind hält einen Slieglitz in der Hand. In früherer Zeit soll 
dieses Gemälde im Besitze eines griiflich Modenesischen Hauses 
gewesen seyn. 
Richtiger gedacht als vorzüglich ausgeführt. ist ein kleines Bild, 
wie Iiain und Abel gemeinschaftlich an einem Altare opfern. Pas- 
savant sah es in England beim Iiunstbändler Emmersnn. Ehedem 
soll es in der Gallerie Aldobrandini zu Rom gewesen seyn. 
Ein bcdeutenderes Werk fertigte Rafael für die Abtei zu Fe- 
rentillo zwischen Spoleto und Terni, und zirar auf Veranlassung 
des Abtes Ancajano Ancajani, der in den Jahren 1478 bis 1505 dem 
Kloster Vorstand. Rafael verweille hier einer alten Tradition der 
Familie Ancajani zufolge längere Zeit, um Ueberreste antiker Ge- 
biiude zu studireu, und aus Dankbarkeit für die gastfreie Auf- 
nahme malte er auf eine grosse ungrundirte, aber feine Leinwand 
die Anbetung der Iiiiiiige in einer Einfassung von Arabeslten in 
grauer Farbe auf gelben goldpunktirten Grund. Dieses köstliche, 
in Leimfarben ausgeführte Bild zeigt zwar noch die symmetrische, 
herkömmliche VVeise des Perugino, und in den einzelnen Figuren, 
dessen Motive, aber zugleich auch eine weit grössere Mannigfal- 
tigkeit in der Anordnung und eine lebendigere Frische in den be- 
seelten Gestalten und dem anmuthsvullen Ausdruck der Köpfe, wie 
Passavant bemerkt. In den vier Ecken stehen die halben Figuren 
von zwei jungfriiulichen Sibyllen, der heil. Benedikt und die heil- 
-Scholastica. ln dem unteren Theile der Einfassung umgibt flßi 
Wappen der Ancajani eine reiche, relietartige Verzierung von See- 
pferden, Tritoncn, Nymphen und Knaben; in der oberen Einlas- 
sung aber sieht man das goldunistrahlte J. H. S. (in hoc signvl- 
lf" Jahre 1755 wurde dieses Gemälde von Ferentillo, WO E5 dumh 
Feuchtigkeit gelitten hatte, in die Capelle Aneajani nach Spoletn 36' 
bracht, und im liloster eine Copie von S. Cunca hinlerlassen._ 1111 
Jdhrß 1825 kam das Bild nach liom, und 1835 wurde es um 0009
        

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