Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787373
Santi , 
Giovanni. 
281 
qvis Celestibvs. Joanne Saneto Pictore Dedicavit. 
MCCCCLXXXVIIII. Das allgemeine Ansehen der C0mpU5lll0Il_d95 
Bildes erinnert nach Passavant lebhaft an ähnliche der Florentiner 
Schule jener Zeit, allein die Färbung ist sehr verschieden, und 
keineswegs bräunlich, sondern, wie durchgängig bei Giovanni, ins 
Graue ziehend, in den Fleischtheilen mit röthlichen Uebergängen 
und lebhaft aufgesetzten weisslichen Lichtern. Obgleich dadurch 
der Ton des Ganzen etwas trocken wird, so sind doch die Schatten 
dengut behandelten Gewänder kräftig, und geben dem Bilde die 
gehörige Haltung. Auch die Behandlung der Rüstungen mit ihren 
Lichten und Reflexen wird geriihmt. Dagegen ist die Zeichnung 
des Nackten nicht durchgehends glücklich ausgefallen. besonders 
bei den Fxtrexnitäten des Christkindes. Dennoch bleibt dieses Bild 
ein höchst interessantes Werk des Meisters, dessen Wertb durch 
die Vortreffliche Erhaltung noch erhöht wird. 
Im Jahre 1489 vollendete Santi noch eine andere grosse Altar- 
tafel für die Capelle der Familie Buifi in der Francislsanerkirche 
zu Urbino. Auch in diesem Bilde sitzt Maria in einer 'l'hronnische 
von weissem Marmor, und hat das segnende Kind auf dem Schoosse. 
Links steht Johannes der Täufer, eine ernste, strenge Gestalt und 
hlnlßr ihm St. Franz. Gegenüber sieht man St. Sebastian an den 
Baum gebunden und hinter diesem St. Hieronymus mit Buch und 
Feder, eine Gestalt von tiefsinnigmn, groseartigem Charakter. Ganz 
vorn auf dieser Seite knien die Eheleute Butfi mit einem Iiinde. 
Oben im Bogen der Tafel, die aber jetzt zu einem Vierecke er- 
gänzt ist, sieht in fast colossaler Grösse der ewige Vater segnend 
herab. Zwei Engel mit einer Iirone schweben über lWariaÄs Haupt. 
An die Stufe des Thrones ist ein Blatt Papier geheftet, welches 
ohne Inschrift geblieben ist, woher die Meinung kommen konnte, 
die Portraitfiguren stellten Giovanni Sanli mit Frau und dem klei- 
neu Rafael vor, wass Passavant als irrig erwiesen fand. Die Hal- 
tung dieses schönen , bei Passavant Tafel. II. abgebildeten Werkes 
ist kräftiger als gen-ähnlich bei Giovanni; auch die Zeichnung durch- 
weg lobcnswerlh, wenn gleich jene ihm eigenthiimlichen schmalen 
Hände und Fiisse auch hier wieder vorkommen. Der studirte Fal- 
lenwurf erinnert, besonders im rothen Mantel des 'l'äufers, an die 
Art des Mantegua, dagegen die schwebenden Engel mehr an Pe- 
rugino. Dem Santi entschieden eigen ist die beinahe Hataelische 
Bildung der iiintlerköpfe, die" Würde in denen der Heiligen. So 
"verdient auch die Natutwahrheit in den Portraiten anerkannt zu 
werden; nur die Madonna lässt etwas gleichgültig, und die Gestalt 
Gott Vaters erscheint erdriickend gross. Zu den Seiten des Altar- 
blattes fanden sich ehedem zwei schmale Tafeln, die aber jetzt zu 
hgldclf Seiten am Eingange zum Chor eine Stelle gefunden haben. 
113m eine stellt den Erzengel Rafael dar, wie er den kleinen To- 
ins mit seinem Fisch geleitet, die andere den stehenden St. Pio- 
Chusi eine edle Gestalt von schöner ernst" männlicher Gesichtsbil- 
dung- Nicht minder zierlich und schön ist der jugendliche, schü- 
tzende Engel. Aelterc Nachrichten schreiben diese Tafeln bald 
(lem Vater, bald dem Sohne zu, Passavant behauptet aber, 116155 
sie ohne Zweifel von Ginvanni herriihre. Einige haben daher 1111- 
gßnülnmen, dass noch zwei andere Tafeln mit denselben Gegßnstäm 
den von Rafaels Hand in de:- liirche gewesen seyen, was aber 83' 
gen alle Wahrscheinlichkeit streitet.   
 A0 diese Werke dürften sich jetzt einige andere reihen. dle 
h" Feierlichkeiten des Hofes und der Stadt dienend, nur vofültflf" 
gehend waren. Im Jahre 1489 führte Herzog Guidubaldo die bli-
        

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