Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787361
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Santi , 
Giuvanni. 
ten Bilder. Die Entstehung dürfte um 1486 zu setzen seyn, wenn 
es den Knaben Rafael vorstellt. Gestochen bei Passavant Tafel III. , 
schlecht im Umriss lithographirt in F. [iehbergs Werk über Rafael. 
Ein anderes uns erhaltenes Altarblatt von Giovanni. wenn man 
ein fast durchaus iibermaltes Bild so nennen darf, ist ein heil. Se- 
bastian im Betsaal der Bruderschaft jenes Ileiligen zu Urbino. Die 
jugendliche Gestalt des Martyrers ist an einen Baum gebunden und 
mit Pfeilen durchbohrt, welche stark bewegte Bngenschiitzen auf 
ihn losgeschossen. Rechts knien acht Männer und Frauen der ßrii. 
derschaft, alle sprechende Portraitfiguren, in denen man in Urbino 
die Familie SantPs erkennen will, wofür nicht der geringste histo- 
rische Beleg vorliegt. Beachtenswcrth findet Passavant in dieser 
Composition besonders die starken und gelungenen Verkiirzungen 
der Bogenschiitzen, die gegen die im Allgemeinen weniger lebhaft 
bewegten Figuren des Giuvanxri sehr auffallen und beweisen, dass 
ihm die Fähigkeit zu solchen Darstellungen nicht fehlte. Weniger 
glücklich yerkiirzt ist der herahschivehemlc Engel. 
Aus einer früheren Zeit ist nach Passavant wohl die Tafel, wel- 
che Giovanni als Altarblatt für die llauskapelle der Grafen Malta- 
rozzi in Castel Durantc, jetzt Urbania, malte, die zihcr von den 
Erben vor längerer Zeit in drei schmale Stücke getheilt wurde. 
Das mittlere Stück stellt die lebensgrosse, sitzende Nluriit mit dem 
Iiinde dar, welche beide Portrmtc zu seyn scheinen, da sie ganz 
von des Giovaiani gewöhnlichem Typus abweichend. sehr indivi- 
duell behandelt sind. Den Hintergrund bildet ein reicher Teppich. 
Die Besitzerin des Ilildes ist; Frau Magdalena Mattarozzi Bnttelli 
in Fossombroxie. Das Stiicl-z zur Linken zeigt St. Clfhoinzis von Aquin, 
einen jugendlichen Ileiligcn mit der Iiirche und den dabei knien- 
den jungen Grafen lVlattarozzi, im Besitze des Iderrn Leonardi 
Mattarozzi Secunrlini zu Pcsaro. Das dritte Stiiek schildert die wür- 
digen Gestalten des heil. Tlhomas und Hieronymus, und ist im Be- 
sitze des Grafen Mnttarnzzi in Urbania. Die Charaktere dieser siinnut- 
liehen Bilder haben etwas Bedeutsames und Anzichendes. Die Con- 
turen sind scharf und dunkel umrissen, der Schatten der Carnatiorl 
fiillt ins Graue und ist gleich der Haltung des Ganzen, weder tief 
noch kräftig. 
In der Grabkapelle des Grafen Oliva Pianani in der Ilirche 
des Franciskanci- Iilosters Monte Fiurentino malte Giovanni eine 
grosse Altartafel, auf welcher die heil. Jungfrau mit dem liinde in 
einer Thronnische sitzend dargestellt ist. Links steht St. Crescen- 
tius, eine jugendliche Bittergestalt, mit dem llchn zu seinen Fiis- 
scn, der mit einer höchst naturgetreue!) Pfaucnfeder geschmückt 
ist. Neben ihm erblickt man St. Franciskus mit dem lireuze, und 
hinter ihnen sehen zwei betende Engel hervor, von denen einer 
mit Rafael eine überraschende Aehnlichkeit hat, der aber wenig- 
stens als zwölf Jahre alt erscheinet. S0 dass ihn der Vater vor-gebil- 
det hat. Auch auf dem rechten Flügel stehen zwei anbeteude Engel, 
hinter den ehrwiirrligen Gestalten der Heiligen Hieronymus und 
Abt Anton. Vorn kniet Graf Carlo Olive, eine interessante Por- 
traitfigxir. Ueber die Marmorwände zu beiden Seiten sehen acht 
Engel halb hervor, und über dem Throne bilden sechs schwebende 
Engelsköpfchen im Ausdrucke grosser Freudigkeit einen wahrhaft 
himmlischen Chor. Die Kindergestalten sind in GiovannYs Gemäl- 
den im Allgemeinen schön, in Bildung und Ausdruck denen ähn- 
lich, wie wir, nur vollendeter und lebendiger, in BafaePs Werken 
so sehr bewundern. Auf einem Zettel unten am Bilde steht: Ca- 
rolvs Olivvs Planiani Comes Divas Virgini ac Beli-
        

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