Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens, A. - Santi, Rafael
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1784434
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1787107
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Sandrart , 
Joachim von. 
solche Darstellung malte er 1655 für die Kapelle zu Fiirstenried, 
einem Lustschlosse bei München. Im bezeichneten Jahre war San- 
drart nicht mehr in Stockau, sondern in Nürnberg, wohin er sich 
1649 von Augsburg begeben hatte. Sandrart malte in letzterer Stadt 
viele Bilder für Fürsten und hohe Herrschaften, noch mehr aber 
in Nürnberg, besonders Bildnisse der dort versammelten Gesandten 
und grossen Herren. Er erhielt für jedes dieser Portraite 50 Rthln, 
eine Summe, die er wohl leicht verdiente, da Sandrart eine sol- 
che Gewandheit im Malen hesnss, dass er zwei Bildnisse in einem 
Tage malen konnte. Sein bedeutendstes Werk jener Zeit ist die 
Darstellung des grossen Friedensmahles, welches den 25. September 
164g Pl'alzgrat' Carl Gustav den kaiserlichen und schwedischen Cum- 
niissiiren und den Beichsstiinden gab. Man sieht auf diesem I2 F. 
hohen und  F. breiten Gemälde die Bildnisse von 50 Personen, 
wie sie zur Tafel sassen nach dem Leben gemalt. Der Gelehrte 
Georg Philipp Harsdörfer vertertigte auf dieses Bild folgendes Sinn- 
gcdicht: 
Cum, Sandrarte, tuas tabulas Natura videret, 
Queis facies rerum pcrpetunrc sules: 
Obstupuit, tinxitqtte genas pudibunda rubore, 
Optans esse suurn, quod vidct artis opus. 
Der schwedische General Wrangel verehrte das Bild dem Rath- 
haiise in Nürnberg, und der Pfalzgraf, nachherigcr König von 
Schweden, schenkte dem Künstler 2000 Rheinische Gulden, nebst 
einer goldenen Kette von 200 Dukaten an Werih. Sandrart malte 
auch diesen Fürsten in Lebensgriisse zu Pferde, letzteres so getreu, 
dass Carl's wirkliches Pferd bei Erhlichung des gemalten zu wie- 
hern anfing. Der Pfalzgraf sagte daher zu denjenigen, welchen 
das Gemälde nicht recht geliel: "Man sieht wohl, dass mein Pferd 
die Kunst besser versteht, als ihm: 
Das Haus des Künstlers war damals voll von Cavalieren und 
Oihzieren aller Nationen; allein dieses hinderte den Iiünstler we- 
riig an der Arbeit, und er sprach vviihrend derselben sogar mit je- 
dem in seiner Muttersprache; geläufig französisch, italienisch, nie- 
derliindisch, und auch wohl englisch. Von Nürnberg aus wurde 
Sandrart nach Wien berufen, um den I-iaiser Ferdinand lll. und 
seine Gemahlin, den römischen König Ferdinand IV. und den Erz- 
herzog Leopold zu malen. Der Kaiser beschenkte ihn, ebenfalls 
mit einer schweren goldenen [ietle und mit einem Adelsbriefe. Auf 
seiner Rückreise besuchte er wieder Augsburg, verlor aber hier 1672 
seine Frau durch den Tod. Iiinderlos wie er war, vermählte er 
sich im folgenden Jahre in Nürnberg zum zweiten Male, mit Ester 
Barbara Blomarts, der Tochter eines Niirnbergfschen Iiathcs. Jetzt 
blieb er bis an, seinem 1688 erfolgten Tod _in Nürnberg. Seine Ge. 
beine ruhen auf dem Prediger Iiirclihofe. Die weitläufige Grabschrift 
gibt einen kurzen Lebensabriss des Künstlers, und sagt, dass er Bath 
des Pfalzgrafen Philipp Wilhelm, und liitter des heiligen Markus 
gewesen, in Italien, England und Belgien verweilt habe, "picto- 
mm ubique facile princepsdc Seine beiden Gattinnen werden zu 
den Zier-den der Frauen gczäbltyvvas auch seyn mochte, obgleich 
die Vidua moestissiina virn optime merito die Grabschrift iselbst 
setzte. Auch Seine zweite Ehe blieb kinderlos, denn man liest auf 
dem Steine: vvLibcros nullos sed libros plum; feliquitd 
Es ist in dieser Grabschrift des Lobes wirklich nicht zu viel, 
denn Sandrarfs Verdienste wurden zu seinen Lebcnszeiten allge- 
mein anerkannt, und die Fürsten wctteiferten, ihn mit Ehrenbe- 
1811511115611 111 115911151115", ihn mit goldenen Iietten und Ehren-
        

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