Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rhenghiero, Rhenghieri. - Rubens, P. P.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1778235
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1783738
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Rubens, 
Peter 
Paul. 
Iiraftäusserungen derselben mit einer liinreissenden Lebendigkeit 
aufzufiissen und darzustellen, dass es ihm unter allen Neuer-n da- 
rin keiner gleich gethan hat. Seine Bilder der Art, sei es nun, 
dass sie blus Thiere, oder dieselben in dem mannigii-iltlgsten C011- 
flict mit dem Menschen darstellen, sind daher höchst hewunde- 
rungswiirrlig und jederzeit sehr gesucht worden. Hieher gehören 
manche Vorgänge aus der Bibel, der Mythologie und_ Geschichte, 
in welcher die Thiere eine Hauptrolle spielen. So ist von ihm 
Daniel in der Löwengrube berühmt, desgleichen Siinson, dei- ei- 
nen Löwen töcltet. Von der Jagd auf den caledonisrhen Eber sind 
zwei grosse Bilder in Wien und in Petersburg bekannt. ln der 
Sammlung des CilpltUlS ist ein Gemälde mit lloinulus und Remus, 
die von der Wölfin gesängt werden, _als geistreich zu bemerken. 
An solche Bilder scliliessen sich seine eigentlichen Jagden, worauf 
wilde Tliiere, meist Löwen, mit den Jägern, die gewöhnlich zu 
Pferde, im heftigsten Iianipfe begriden sind. ln der liege! ist Al- 
les in Naturgrösse. Zu den trefflichsteu gehört die Luvvenjagd in 
Dresden. Die Wuth in einem Löwen, welcher auf die Croupe ei- 
nes Schimniels gesprungen, den in der Todesangst erbleiclienden 
Reiter herabreisst, ist unvergleichlich ausgedruclit. Einenfrelflichen 
Gegensatz hiemit bildet eine Löwin, die bernuht _lSt,7ll1I' Junger, 
im Rachen wegzutragen. Eine andere Löwenjagd ist in der Gal- 
lerie zu München. Drei Reiter, deren Pferde hinten ausschlagen, 
durchbohren mit ihren Spitzen einen gewaltigen Löwen, der ei- 
nem vierten auf seinem schrecklich geängstelen Pferde im entsetz- 
lichsten Grimnie zerreisst. Ein Jäger ist bereits todt, einem an- 
deren, der von einer Löwin hart bedrängt wird, kommt ein drit. 
tcr zu Hiilfe. In der Sammlung des Lord Ashhurton ist die be- 
rühmte Wolfsjagd, welche Rubens 1612 für den spanischen Gene- 
ral Legranes malte, später durch Erbschaft an den Grafen Altamira 
nach Madrid kam, und 182i von dem Bilderliäiidler J. Sniith für 
50,000 Frs. gekauft wurde. 
Auf diesem grossen Gemälde hat sich Rubens selbst mit seiner 
zweiten Frau und seinem ältesten Sohne vorgestellt. Letzterer, auf 
einem braunen Bosse, zückt den Spiess gegen mehrere Wölfe, Ru- 
bens auf einem prächtigen, weissen Pfeqde, hält das Schwert zu ei- 
nem Streiche bereit, und neben Rubens am Rande ist seine Frau 
mit dem Falken, ebenfalls zu Pferde. In der Gallerie zu Dresden 
ist eine Schweinsjagd , und eine zweite in München, worauf die 
Thiere von F. Sllytlßfä sind. Ueberdiess sind noch sechs andere 
geistreiche Compusitiunen von Jagden bekannt. Dazu gehört eine 
höchst phantastische Jagd auf ein Nilpferd, wahrscheinlich jene, 
deren Sandrart als vveiner crudelen wider monströse Crocodilene ge- 
denkt. Unter den Bildern, die das Leben der Thiere unter sich 
zum Gegenstande haben, möchte das Bild zu St. Petersburg, drei 
lebensgrosse Löwen, von denen zwei spielen, so wie das Bild in 
Dresden, eine Tiegerin, welche ihre Jungen sI-iugt, in der Ferne 
eine Löwenjagil, zu den vurziigliclisten gehören. Andere Cnmyu- 
sitionen sind von A. Bluteling und Riedinger gestochen. 
Gleich dem Titian, so zeigt sich auch Rubens schon in Vielen 
seiner historischen Bilder als sehr grussen Landscliaftsmalcr, doch 
hat er auch, wie jener, eine beträchtliche Anzahl von eigentlichen 
Landschaften gemalt, deren allein 56 gestochen sind. Wlerkwiirdig 
ist es nun, wie sich in allen Stücken derselbe Geist ausspricht, wie 
in seinen historischen Bildern. Alle seine Landschafzcn sind breit 
und frei behandelt, nur äusserst selten aber hat er sich darauf ein
        

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