Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rhenghiero, Rhenghieri. - Rubens, P. P.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1778235
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1782066
Rosa, 
Salvatore. 
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bei Neapel geboren, und obgleich er schon als Knabe zu allen 
Künsten Anlage zeigte, so hielt sein Vater Vito Antonio, der Ar. 
chitekt und Fchlmesser war, diess doch nur für eitles Ding. Er 
hatte ihn tiir die Iiirche bestimmt, allein Salvatore empfand einen 
unwiderstehlichen Drang zur fiunst, den selbst Strafe nicht auf- 
zuhalten vermochte. Er fand nichts Angeriehmeres, als Reste an- 
tiker Architektur und pittoreske Landschaften auf das Papier hin- 
zuwerien , und selbst im Geliingnisse zeichnete er seine Lieblings- 
gegenilen mit Stückchen abgekuhltcn lulolzes auf die Mauer. Um 
den unhiiniligen Iinaben seiner Beschäftigung zu entziehen]. brachten 
ihn die Eltern in das Collegium der Congregazione Somasca, wo 
er jetzt in die hdiinchshutte die iiLettere humanen studieren musste 
Diese Epoche War aber"'t'iii' ihn eine angenehme und fruchtbare; 
denn die klassische Literatur sagte seinen Neigungen zu, und bil- 
dete seinen Geschmack für die Werke der Alten, welche in einer 
späteren Zeit ihn als Dichter und Maler begeisterten. Hier prägte 
er seinem Geiste die reiche Fülle jener Grundsätze ein, welche 
seinen grösseren Gemiildcn und Gedichten einen klassischen Cha- 
rakter verliehen, Xwodurch diese Werke "so sonderbar mit jenen 
leichten und phantastischen Arbeiten seiner lt"eder und seines l'in- 
sel eontrastiren, wie dcr liegulus mit seinen Banditen, sein Babi- 
lnnio mit den Hexenscenexi, Die Huinaniora hatten auf Salvatore 
den wohlthiitigsten Einfluss, aber nur zu friihe ging ihm diese gol- 
dene Lautbahn zu Ende, da ermiidendere Studien seiner ivarteten. Ho- 
mer und Horaz, Sallust und Cicero sollten vor Johannes Scutus wei- 
chen, die früheren Geisteserhcbungen unter der Nlasse von Syllugisincn 
und philosophischen Subtilitiiten ersterben. Allein der glühende 
Geist und der feste Wille des Jünglinge widerstand diesem Zwan- 
ge, und der Studiosus blieb bei den Aulangsgi-ünrlen der Logik ste- 
hen, wie sein lakonischer Lchi-nsbeschrciber sagt. Die neuen Studien 
brachten den sonst so fleissigen und begeisterten Jüngling ganz 
aus dem Geleise. Er musste sich die höchste Unzufriedenheit sei- 
ner Vorsteher zugezogen haben; denn er wurde vor Beendung sei- 
nes Cursus aus dem Collegiuin furtgescliickt. Seine Biographen 
schreiben dieses Missgeschick in der Philosophie, da doch Salva- 
tore in den Humaniorien so glänzende Fortschritte gemacht hatte, 
einer neuen und glühenden Leidenschaft von ganz anderer Art 
zu, nämlich für die Musik. Denn als der relegirte Zögling der 
Padri Soinaschi mit Vorwürfen seiner getäuschten Eltern überhäuft 
wurde, war es gerade die Musik, welche seine 'I'riisterin und seine 
getreue Gefährtin ward. Diese junge Muse schloss mit seiner Dicht- 
kunst den innigsten Verein und begeisterte ihn zu Weisen, die ihm 
eine Stelle unter den ersten italienischen Lyrikern seiner Zeit an-, 
weisen. Seine musikalischen Erzeugnisse wurden so populär, dass 
man sie von den Arbeitern auf freier Strasse singen hörte. Die- 
ses Treiben betrachtete aber der gute Vater nur mit Ünivillen, indem 
er die Cantata di Camera seines Sohnes für unwürdige Einweihung 
des heiligen Gesanges erklärte. Den höchsten Grad erreichte aber 
deriilterliche Unwille, als Salvatoriello auch noch Maler wurde. Dn- 
zu bestimmte ihn sein Schwager F. Francanzani, einer der ersten 
liiinstlier damaliger Zeit. Der Musiker besuchte Öfter dessen Ma- 
lerstube, und fing an in FrancanzanPs Gemälden nach zu zeich- 
nen, was ihin besonders gefiel. Dieses waren aber nur rohe, schnell 
hingeworfrne Skizzen, in welchen aber Francanzani ein so ent-V 
schiedenes Talent zur Malerei erblickte, dass er den Jüngling auf 
das eitrigste crmuntertc. Doch entzog sich dieser bald dem Un- 
terrichte, es genügte ihm nicht mehr andere nachzuahmen, S011- 
dern fing an, Sccnen aus seinem jugendlichen Treiben und Wan- 

        

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