Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1773464
Procaccini , 
Camillo. 
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nierismus und der Ausartung der Zeitgenossen, 
Vornehmlich zum Lehner geeignet. 
unä 
machten 
ihn 
PrOOQCCIIII , CamIllO, Maler, geboren zu Bologna 1546, gestorben 
"zu Mailand 16:16. Dieser, schon von Lomazzo geriihmte, Iiiinst- 
1er war der beste Schüler seines Vaters Ercole; er sah sich aber 
auch in der Schule der Carracci um, und wenn seine Biographen 
sichere Nachrichten haben, so studirte er auch in Rom RafaePs 
und Michel Angela's Werke. ln seinen Bildern zeigt sich indessen 
vor allem die Nachahmung Correggids und Parmigianinds, zum 
Theil mit grosscm Gliicke. Procaccini hatte ein ausgezeichnetes 
Talent, aber seine Leichtigkeit in Auflassung und Darstellung ver- 
leitcte ihn zu mannigiachetn Missbrauch. Er zog die Natur nicht 
immer zu Rathe, glaubte es auch mit der Zeichnung nicht durch- 
hin strenge nehmen zu müssen, besonders wemrer ausserhalb 
Mailand arbeitete, und so suchte er häufig nur die Phantasie zu 
befriedigen, ohne sich viel um den Verstand zu beliiimmern. Eine 
lohensvirerthe Ausnahme machen die besseren Arbeiten in den Iiir- 
chen und in der Gallerie zu Mailand. In diesen zeigtsich eine 
eigenthiimliche Milde der Auffassung, die zuweilen an die ausspre- 
chende Weise des Sassoferrato erinnert. 
Unter diesen Bildern nennt man besonders eine Madonna mit 
dem Iiinde in S. Maria del Carmine, und eine Anbetung der Hö- 
nige in der Brera. Im Dome malte er in seiner früheren, stren- 
geren Weise mehrere Mysterien des Heilandes an den Orgelllu- 
Eeln, und zwei Geschichten Davids, welche Malvasia umständlich 
eschreibt. Die Bilder in Mailand schätzt aber Lanzi nicht so 
hoch, wie das jüngste Gericht in S. Procolo zu Ileggio, welches 
für eines der schönsten VVandgemiilde der Lombardei galt, und 
den heil. Rochus unter den Pestlsranlsen, jetzt in der lsönigl. Gal- 
lerte zu Dresden, ganze Figuren über Lebensgrösse, worin sich 
die Ilhantasie des Künstlers in ihrer ganzen Fülle zeigt. 1m Dome 
zu Piacenza malte er in Concnrrenz mit L. Carracci, einem gelähr. 
liehen Nebenbuhler, vor welchem er viele Mängel offenbarte. Ca- 
millo stellte da in der Tribune die Krönung der heil. Jungfrau, 
mit einer reichen, lieblichen Glorie von Engeln dar. Umher malte 
Ludovico andere Engel und gegenüber die Väter der Vorhölle, Ge- 
stalten von grösserer Würde als Camilltfs Gottheit. Dies ist auch 
mit den Madonnen der Fall, welche beide als Gegenstiicke mal- 
ten. Auch zu Bologna, wo man jetzt in der öffentlichen Gallerie 
die Geburt Christi aus der Capelle Ghisilieri sieht, in Ravenna, zu 
Pavia und in Genua sind Bilder von ihm, so wie denn Camillo 
last für zehn Maler gearbeitet hatte, wesswegen ihn mehrere den 
lombardischen Vasari und Zuccaro nannten, die er aber nach Lan- 
ZTS Bemerkung in Siissigkeit des Styls und Colorits übertrifft. In 
der St. Peterskirche zu Rom ist die iVIosaik, welche den Haupt- 
mann Cornelius vorstellt, nach seinem Oelgemälde gelertiget. Auch 
in auswärtigen Gallerien" sind Bilder von diesem Hunstler zu lin- 
den, wie in Wien, zu München u. s. w. 
 J. Camarata stach das berühmte Bild des heil. Rochus unter den 
Pestkranken fiir das Dresdner Galleriewrerla; Hess eine heil. Fami- 
lie, ein Duodqzbläughcn ohne Namen; mit Justus Sadeler exc. 
ist die Stigmatisation des heil. Franz bezeichnet; Ant. 'Wierx stach 
den Tod des heil. Franz; A. Blooteling die Versuchung des hell- 
Antonius in der Wüste; H. David die Madonna mit_St. Peter 
und St. Anton; J. Longhi die Ruhe m Aegypten, als Gegen- 
stück zur heil. Familie nach Batael von Hess; D. Clasens eine 
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